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Schweizer Geschäfte bieten immer mehr Korallen und Muscheln an. Der Verkauf ist legal - obwohl viele Arten unter Schutz stehen. Umweltschützer sind besorgt.
Man findet sie in Warenhäusern, Boutiquen, Bijouterien und als Dekoration in Schaufenstern: Der Verkauf von Korallen und Muscheln boomt. Weltweit. «Diese Entwicklung erfüllt uns mit Besorgnis», sagt Yves Zenger, Sprecher von Greenpeace Schweiz. «Es findet ein Ausverkauf der Meere und Korallenriffe statt.»
Viele Korallen und Muscheln sind durch das internationale Artenschutzabkommen Cites geschützt. Die dort aufgeführten gefährdeten Tier- und Pflanzenarten dürfen nicht oder nur mit einer Bewilligung aus den Herkunftsländern exportiert werden.
Immer mehr Korallen als Dekoration in heimischen Aquarien
Dennoch nimmt in der Schweiz vor allem der Verkauf von unter Artenschutz stehenden Korallen zu. Das bestätigt das Bundesamt für Veterinärwesen (BVET), welches die Bewilligungen für die Einfuhr geschützter Arten erteilt. «In den letzten fünf Jahren ist allein der Import von lebenden Korallen stetig gestiegen», sagt BVET-Sprecher Marcel Falk. «Im Jahr 2005 haben wir Einfuhrbewilligungen für über 4000 Stück ausgestellt.»
Lebende Korallen zieren hauptsächlich Meerwasseraquarien. Laut Falk werden viele davon als Zuchtkorallen verkauft. «Doch Zucht kann auch bedeuten, dass die Korallen ursprünglich aus dem Meer gerissen und zerstückelt wurden, um sie dann nachwachsen zu lassen», weiss Falk. «Wir fragen uns daher, ob sie immer artgerecht gewonnen wurden.»
Importe vor allem aus Afrika, der Karibik und Südostasien
Der WWF beobachtet vermehrt, dass auf Schweizer Märkten und im Internet bedrohte Muscheln und Korallen angeboten werden. Die meisten stammen aus Südostasien, Afrika und der Karibik. Dort sind gerade Korallen lebenswichtig. WWF-Sprecher Richard Lehner: «Korallen haben eine grosse Bedeutung für das natürliche Gleichgewicht der Meere. Sie bieten Schutz und Lebensraum für unzählige Meeresbewohner.»
Korallen sind keine Steine, sondern Tiere, die durch den Einsatz von Netzen getötet werden. Sie wachsen sehr langsam, gewisse Arten brauchen bis zu 50 Jahre für einen 25 Zentimeter langen Korallenast.
«Der internationale Handel von bedrohten Tier- und Pflanzenarten ist neben dem Klimawandel und der Lebensraumzerstörung die grösste ökologische Gefährdung», sagt Sandra Altherr, Meeresexpertin beim deutschen Tierschutz Pro Wildlife. «Vor allem ungeschützte Arten werden völlig unkontrolliert abgerissen und verkauft.» Laut Altherr empfinden die meisten Käufer kein Unrecht, weil Korallen und Muscheln für sie keine Lebewesen sind. «Viele denken: “Ich kaufe ja nur eine einzige Muschel oder Korallenkette.” Aber zehntausend Käufer bedeuten zehntausend Tiere.»
Korallen und Muscheln gelangen nicht nur legal in die Schweiz. «Die Ländergrenzen sind zu durchlässig», kritisiert WWF-Sprecher Lehner. Illegaler Artenhandel würde nur durch Stichproben aufgedeckt. «Es braucht gerade in den Herkunftsländern noch mehr Anstrengungen, damit die Abkommen eingehalten werden», fordert Lehner.
Cites-Abkommen: Keine Garantie für artgerechten Handel
Sandra Altherr von Pro Wildlife gibt zudem zu bedenken: «Selbst die Cites-Papiere, die eine legale und nachhaltige Entnahme belegen sollen, sind nicht immer eine Garantie für nachhaltige Nutzung.» Zwar bescheinige der Exportstaat, dass die Entnahme den Bestand nicht gefährde. Doch in der Praxis gebe es keine genauen Populationsstudien. «Insofern kann niemand mit Sicherheit sagen, ob die Entnahme von 100 Tieren an der betreffenden Stelle das Überleben dieser lokalen Population nicht doch fatal schädigt», sagt Altherr.
Kritisiert wird auch, dass Cites zu wenige Arten schützt. Im Juni wird an der Vertragsstaatenkonferenz in Holland ein Antrag der USA verhandelt, für rote und pinkfarbene Edelkorallen erstmals weltweite Handelsbeschränkungen zu beschliessen.
saldo wollte vom BVET wissen, ob man nicht eine Importbeschränkung von Korallen und Muscheln in Erwägung ziehe. Doch für BVET-Sprecher Marcel Falk ist dies kein Thema. Erstens würde die Schweiz im Gegensatz zu anderen Ländern Einfuhrbewilligungen verlangen. «So können wir den Handel überblicken.» Zweitens betont Falk: «Wichtig ist, was aus den Herkunftsländern exportiert wird. Die sind dafür verantwortlich, dass der Bestand dort gesichert ist.»
Forum
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30. Mai 2007 | Sabine Rindlisbacher
