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Das Bundesamt für Gesundheit will HIV-Tests für alle schwangeren Frauen. Kritiker sagen, das gehe zu weit.
Ärzte sollen allen schwangeren Frauen einen HIV-Test empfehlen: Dies fordert das Bundesamt für Gesundheit (BAG). Franziska Wirz von der Beratungsstelle Appella geht das allerdings zu weit. Sie sagt: «Ärzte sollen mit ihren Patientinnen über einen HIV-Test sprechen, wenn ein Risiko einer Infektion vorliegt. Aber sie dürfen schwangere Frauen nicht zu einem Test überreden. Damit werden bei den Frauen unnötige Ängste geschürt.» Schwangere machen sich, so Wirz, ohnehin Sorgen wegen möglicher Behinderungen ihres Kindes. «Wenn sie auch noch einen HIV-Test machen müssen, nimmt der Druck auf die Frauen noch mehr zu.»
Franziska Wirz kritisiert die Forderung aus Bern: «Das geht für mich in Richtung eines Massentests. Will das BAG, dass bald alle Schweizerinnen und Schweizer auf HIV getestet werden?»
Roger Staub, Leiter der Sektion Aids beim BAG, entgegnet: «Der Test bleibt freiwillig. Wenn eine Frau das Gefühl hat, ihr Arzt wolle sie überreden, sollte sie einen anderen Arzt suchen.»
Das BAG strebe keine Massentests an. Die Empfehlung habe zum Ziel, dass keine HIV-positiven Babys auf die Welt kommen. Bei einem positiven Testresultat erhält die Mutter Medikamente, und das Kind wird mit Kaiserschnitt auf die Welt gebracht.
Auch die Binninger Frauenärztin Lilian Saemann kritisiert die Empfehlung des BAG: «Wenn mir eine Frau, die ich schon lange kenne, glaubhaft schildert, dass bei ihr kein HIV-Risiko besteht, dann nehme ich ihr das ab. Dann ist ein Test nicht nötig.»
Roger Staub findet dagegen, ein HIV-Test sei auch dann nötig, wenn eine Ärztin ihre Patientin gut kenne. Denn: «60 Prozent der Frauen werden von ihrem Partner angesteckt.»
(ag)
13. Juni 2007
