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Eine Stichprobe des Gesundheitstipp zeigt: Nur fünf von sechs Internet-Ärzten antworteten.
Keiner fragte nach. Fahrlässig, sagt der Gesundheitstipp-Arzt.
Patienten suchen immer häu?ger Rat im Internet. Grosse Hilfe dürfen sie jedoch nicht erwarten. Dies zeigt eine Stichprobe des Gesundheitstipp bei sechs Online-Beratungen. Eine Testperson konfrontierte die Internet-Doktoren mit drei medizinischen Problemen. Nur fünf von sechs gaben eine Antwort. Cyberdoc.de reagierte gar nicht. Der deutsche Beratungsdienst begründete sein Schweigen auch nicht.
Kein einziger Internet-Doktor hat bei der Testperson nachgefragt, als sie per Mail ihre Symptome schilderte (siehe Tabellen). Gesundheitstipp-Arzt und Internet-Doktor Thomas Walser*: «Das ist fahrlässig.» Kommen Patienten mit Beschwerden in die Praxis, fragen gute Hausärzte gezielt nach weiteren Symptomen, um der Ursache auf die Spur zu kommen. «Ohne dieses Vorgehen ist eine Beratung gar nicht möglich», sagt Walser. Nur so lässt sich einschätzen, ob es sich allenfalls um eine bösartige Krankheit handelt. Bei zwei der drei Beispiele war dies nicht auszuschliessen - ein Arztbesuch wäre dringend nötig gewesen.
Für Gabriela Gerstweiler vom österreichischen Beratungsportal Meduniqa.at kann und soll eine Online-Beratung die ärztliche Diagnose nicht ersetzen: «Darum fragen wir auch nur selten nach.»
Im Unispital Zürich schiebt man konzeptionelle Gründe und den Datenschutz vor. Sprecherin Maria Christiane Brockes: «Wir geben auf eine Frage immer eine Antwort.» Auch sie sagt, eine Internet-Beratung ersetze den Besuch beim Hausarzt nicht. Auch für Notfälle sei sie nicht da.
«Da müssten bei jedem Arzt die Alarmglocken läuten»
Internet-Doktoren dürfen allerdings nicht davon ausgehen, nur mit harmlosen Problemen konfrontiert zu werden. Denn Patienten können oft nicht einschätzen, ob sie ein Notfall sind oder nicht. So gab die Testperson vor, eine 50-jährige Frau zu sein mit Schmerzen im Oberbauch und Atemnot. Die Beschwerden stünden nicht im Zusammenhang mit dem Essen und würden beim Gehen stärker. Gesundheitstipp-Arzt Thomas Walser: «Bei diesen Symptomen müssten bei jedem Arzt die Alarmglocken läuten.» Denn sie könnten bei Frauen auf einen Herzinfarkt hinweisen. Der einzige richtige Rat ist dann, umgehend einen Arzt aufzusuchen. Doch nur Meduniqa.at hat den möglichen Notfall erkannt und zu einem sofortigen Arztbesuch geraten. «Es ist katastrophal, dass nur eine Online-Beratung richtig reagiert hat», sagt Walser.
Die Internet-Doktoren der Zürcher Hirslandengruppe, Hirslanden. ch, und Medgate.ch spiesen die Testperson gar mit Standard-Mails ab. Auch den ?ktiven 61-jährigen Mann, der unter Sodbrennen litt. Medgate schrieb, das Thema eigne sich nicht für eine Internet-Beratung und man solle den Medgate-Arzt telefonisch kontaktieren.
Laut Walser hätte der Medgate-Arzt dem Patienten erklären können, dass Sodbrennen durch falsche Ernährung entstehen kann, sich dahinter aber auch eine ernsthafte Krankheit verbergen könnte.
Medgate-Geschäftsführer Andy Fischer sieht das anders: «Bei Ratsuchenden, deren Problem komplex ist oder schnell beantwortet werden muss, empfehlen unsere Ärzte jeweils, die Telefonberatung zu kontaktieren.»
Für Patienten ist es schwierig, den richtigen Arzt zu wählen
Ein beschränktes Angebot hat die Online-Beratung Hirslanden.ch. Die Klinikärzte beraten Patienten nur in sechs medizinischen Fachbereichen.
Der Ratsuchende muss entscheiden, an welchen Facharzt er die Anfrage richten will. Heikel, sagt Walser: «Für Patienten kann es schwierig sein, ihre Beschwerden dem richtigen Fachbereich zuzuordnen.»
«Es ist fahrlässig, eine solche Anfrage abzuweisen»
Trifft der Ratsuchende auf den falschen Arzt, weist ihn eine Standard-Mail ab. Für die Testperson vom Gesundheitstipp hätte das fatale Folgen haben können. Sie schrieb den Hirslanden-Urologen um Hilfe an wegen eines Knotens in der Leiste. Die Person erhielt von der Urologie nur eine Standard-Mail.
Doch laut Walser können Knoten in der Leiste auf einen Prostata- oder Blasenkrebs hinweisen und sollten einen Urologen hellhörig machen. Walser: «Eine solche Anfrage abzulehnen mit der Begründung, das Thema betreffe nicht die Urologie, ist seltsam und fahrlässig.»
Die Projektleiterin der OnlineBeratung Hirslanden.ch sagt dazu nur: «Da wir dem Benutzer professionelle und qualitativ hochwertige Antworten zukommen lassen möchten, ist die Online-Beratung zurzeit auf sechs Fachbereiche begrenzt.» Geplant sei, das Angebot pro Jahr um ein bis zwei neue Themen auszubauen.
*Gesundheitstipp-Arzt Thomas Walser ist Hausarzt. Unter www.hausarzt.ch berät er zudem als Internet-Doktor Ratsuchende.
Internet-Doktor - das müssen Sie wissen
Medizinische Online-Beratungen eignen sich nicht für alle Anliegen.
Dafür eignen sie sich:
- Einholen einer Zweitmeinung.
- Einfordern von Infos über Krankheiten und Beschwerden, ihren Verlauf und die Behandlungsmöglichkeiten.
- Erörtern von Problemen, die man beim Arzt nicht zu sagen wagt.
Dafür sind sie nicht geeignet:
- Für Notfälle.
- Als Ersatz für den Besuch beim Hausarzt.
- Um sich eine Diagnose stellen zu lassen.
04. Juli 2007 | Claudia Benetti
