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Es geschah vor zwei Jahren auf der Insel Elba. Drei «Köpfler» hatte ich bereits gemacht, der vierte war zu steil. Ich prallte mit dem Kopf auf den Betonboden des Swimming-Pools. Ein Schlag - und fertig. Ich konnte mich nicht mehr bewegen, spürte meinen Körper nicht mehr. Da wusste ich: Jetzt bist du gelähmt.
Meine Freundin zog mich aus dem Wasser. Ich hörte noch die Sirenen des Krankenautos. Zwei Wochen später erwachte ich im Paraplegikerzentrum Nottwil aus dem künstlichen Koma. Vorerst wusste ich nicht, was geschehen war. Die Erinnerungen kamen etappenweise. Von den Ärzten erfuhr ich, dass mein Rückenmark gequetscht und angeschwollen war. Das hatte eine teilweise Querschnittlähmung zur Folge. Weil das Rückenmark nicht durchtrennt war, bildete sich die Lähmung etwas zurück. Anfänglich hoffte ich, dass alles wieder gut wird.
Neun Monate war ich im Paraplegikerzentrum Nottwil, anschliessend zwei Monate in der Uniklinik Balgrist. Dann kehrte ich nach Hause zurück. Eine kurze Zeit wohnte ich bei meiner Freundin, danach bei meinen Eltern. Seit zwei Monaten wohne ich alleine. Ich will niemandem zur Last fallen. Meine Hoffnungen sind geschwunden, dass ich wieder gesund werde. Ich kann zwar Arme und Beine wieder ein wenig bewegen, aber nach kurzer Zeit bin ich extrem müde. Weil die Arme teilweise gelähmt sind, kann ich keinen Rollstuhl bedienen. Gehen kann ich zwar, jedoch höchstens 400 Meter. Die wenigen Schritte auf die Toilette oder in die Küche strengen mich bereits an. Mit der linken Hand kann ich gerade noch eine Zigi anzünden oder ein Joghurt öffnen. Morgens und abends kommt die Spitex. Der Mahlzeitendienst bringt das Essen. Drei Mal pro Woche fährt mich ein Hausbewohner in die Physiotherapie. Alle drei Monate muss ich ins Spital zur Kontrolle. Letztes Mal bin ich nicht mehr hingegangen. Es bringt ja doch nichts.
Mein Leben ist nicht mehr lebenswert. Schmerzen quälen mich andauernd, doch ich mag mich nicht mit Medikamenten vollstopfen. Sitzen kann ich höchstens zehn Minuten. Am wohlsten ist es mir im Bett, wenn ich liege. Ich schlafe viel, schaue fern. Ich vermeide es aber, Musik zu hören, die ich vor dem Unfall gerne auflegte. Nichts soll mich an diese unbeschwerte Zeit erinnern. Ich kann und will mich mit der jetzigen Situation nicht abfinden.
Bis vor zwei Monaten besuchte mich meine Freundin ab und zu. Jetzt ist es aus zwischen uns. Ich freue mich aber umso mehr über die Besuche meiner Eltern, Verwandten und Bekannten. Sie würden mich zwar ausführen. Doch unter die Leute gehen mag ich nicht. Die Frage: «Wie geht es dir?» kann ich nicht mehr hören. Noch schlimmer sind die gut gemeinten Ratschläge.
Vor dem Unfall war ich ein aktiver Mensch. Ich hatte ein Geschäft und ein Haus, machte mich nützlich in der Jugendarbeit und schloss eine Ausbildung als Ernährungsberater ab. Heute mag ich gar nichts mehr tun. Nach einer halben Stunde bin ich todmüde. Ich frage mich schon manchmal: «Warum gerade ich?» Aber am besten denke ich nicht darüber nach. Das quält mich nur noch mehr.
Badeunfälle vermeiden: Nie in unbekannte Gewässer tauchen
In der Schweiz verunfallen jährlich rund 9000 Menschen beim Badesport. Etwa 200 sind nach Badeunfällen körperlich oder geistig behindert. Rund 50 Badeunfälle enden tödlich. Bei Unfällen von Kindern ist das Ertrinken sogar die zweithäufigste Todesursache.
Unkenntnis der Gefahren, Gruppenzwang und Übermut sowie Selbstüberschätzung führen oft zu Badeunfällen. Weitere Gründe sind vielfach Kälteschock, Sprünge in unbekannte Gewässer oder das Baden mit vollem Magen. Lange Distanzen sollten auch gut trainierte Schwimmer nie alleine unternehmen. Sie könnten einen Krampf oder einen Schwächeanfall erleiden. Besondere Vorsicht ist in Flüssen geboten, da Strömungen auch guten Schwimmern zum Verhängnis werden können. Schwimmhilfen gehören nicht ins tiefe Wasser, weil sie keine Sicherheit bieten.
Info und Hilfe
Schweizerische Beratungsstelle für Unfallverhütung bfu, Laupenstrasse 11, 3008 Bern, Tel. 031 390 22 22
- www.bfu.ch, info@bfu.ch
- Info: bfu-Broschüre «Im Wasser»
- Notruf: 144
04. Juli 2007 | Aufgezeichnet: Fridy Schürch
