|
(2) |
Aktiv verwaltete Fonds sind ihre hohen Gebühren meist nicht wert. Es gibt zwar immer wieder Produkte, die während einer gewissen Zeit Toprenditen erzielen. Langfristig sind aber fast alle höchstens durchschnittlich.
Anleger machen sich oft viele Gedanken, welchen Anlagefonds sie kaufen sollen. Die Wahl fällt schwer angesichts der vielen Hitparaden und Empfehlungslisten.
Der Ausweg aus dem Dilemma ist in der Regel einfach: Anleger sollten von aktiv verwalteten Fonds die Finger lassen. Wer einen langfristigen Anlagehorizont hat und auf passive Indexprodukte setzt, wird mit grosser Wahrscheinlichkeit eine höhere Rendite erzielen.
In einem Index sind die wichtigsten Aktien eines bestimmten Marktes zusammengefasst (siehe Kasten «Indexfonds»). Der Index bildet die Entwicklung dieses Marktes ab, beispielsweise eine bestimmte Region oder eine Branche.
Es gibt für praktisch alle aktiven Fonds einen Vergleichsindex, an dem sie sich messen lassen müssen. Die meisten sehen dabei schlecht aus. Sie rentieren weniger gut als ihr Index. Das zeigen Studien immer wieder. Anders gesagt: Die meisten Fondsmanager sind ihr Geld nicht wert.
Trotzdem empfehlen die Banken ihren Kunden fast ausschliesslich aktive Fonds – meist solche aus dem eigenen Haus.
An Indexfonds verdienen Banken viel weniger
Mit gutem Grund, sagt Rolf Biland, Anlagechef des VZ Vermögenszentrums: «Die Banken verdienen an aktiven Fonds deutlich mehr als an Indexfonds. Sie machen deshalb kaum Werbung für Indexprodukte.»
Banken und andere Fondsanbieter freuen sich daher auch an den regelmässig publizierten Fonds-Hitparaden. Diese Vergleiche erwähnen Indexfonds in der Regel nicht, sie zeigen oft nur eine kurzfristige Performance und verleiten die Anleger dazu, ihr Portfolio umzuschichten. Das wiederum spült Geld in die Kassen der Banken.
Zudem täuschen diese Performance-Vergleiche vor, dass es leicht sei, Fonds
mit einer überdurchschnittlichen Rendite zu finden.
Rolf Biland ist da anderer Ansicht: «Die Fondsauswahl ist mindestens so komplex wie die Auswahl einzelner Aktien. Und die relevanten Informationen stehen dem Anleger meist nicht ohne Weiteres zur Verfügung.»
Aber selbst wo dies der Fall ist, erfordert eine kluge Selektion enormes Fachwissen. Indexfonds haben auch unter diesem Gesichtspunkt die Nase vorn. Die Gefahr, das falsche Produkt zu wählen, ist viel kleiner.
Der Anleger erwartet von der Fondsleitung, dass sie aufgrund ihrer Kenntnisse und ihrer Erfahrung die besten Aktien wählt, um eine gute Performance zu erzielen. Doch die Realität sieht oft anders aus.
«Vor allem die Fonds der Grossbanken tendieren dazu, sich sehr stark an ihrem Vergleichsindex zu orientieren», sagt Fachmann Biland. Der Anleger zahlt hohe Gebühren für einen Fonds, der sich trotz Beschreibungen wie «aktiv gemanagt» oder «sorgfältige Titelselektion» kaum von Indexfonds unterscheidet.
Anleger bezahlen eine Leistung, die sie nicht kriegen
Aber es sind nicht nur die Fonds der Grossbanken, die ihre Versprechen nicht einhalten. Fast 90 Prozent der Fondsmanager bilden überwiegend den Vergleichsindex ab, wie eine Studie der deutschen Vermögensverwaltungsfirma Gecam über europäische Fonds zeigt.
Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine Studie der Universität Yale für US-Fonds. Das heisst, der Anleger bezahlt die Fondsleitung für eine Leistung, die sie eigentlich gar nicht erbringt.
Einer der wichtigsten Vorteile aktiv gemanagter Fonds ist ihre angeblich
gute Performance in Abwärtsphasen. Dann, so die Theorie, fahren kompetente Fondsmanager den Aktienanteil zurück, um erst wieder einzusteigen, wenn die Börse sich erholt.
Betrachtet man aber lange Zeiträume mit mehreren Auf- und Abwärtsbewegungen, lässt sich keine Mehrrendite der aktiven Fonds feststellen. Im Gegenteil: Aktive Fonds lohnen sich im Vergleich mit Indexfonds für langfristig orientierte Anleger in der Regel nicht (siehe Kasten).
Aktive Fonds
Vier Gründe, weshalb sie oft schlecht rentieren
Hohe Gebühren. Der Fondsherausgeber verlangt beim Kauf bis zu 5 Prozent Ausgabeaufschlag. Zusätzlich fallen Jahr für Jahr Gebühren von etwa 1,5 Prozent für die Verwaltung und von bis zu 2 Prozent für Transaktionen an. Ein teurer Fonds muss deshalb den Vergleichindex im ersten Jahr um 8,5 Prozentpunkte schlagen, nur um die gleiche Rendite zu bringen.
Indexfonds kosten zwar auch. Aber sie haben keinen Ausgabeaufschlag und die jährlichen Gebühren liegen oft unter 0,5 Prozent.
Zu grosse Volumen. Ein Manager eines grossen Fonds muss Milliarden investieren. Er kann es sich selten leisten, Aktien von kleinen und mittelgrossen Unternehmen zu kaufen. Sonst verzettelt er sich mit zu vielen Aktien und verliert den Überblick. Als Investition kommen deshalb nur grosse Unternehmen in Frage, die in den Indizes ebenfalls enthalten sind.
Neue Kundengelder. Angenommen, ein Fonds erzielt eine gute Rendite. Dann wollen ihn viele Anleger kaufen. Folge: Das Fondsvermögen steigt. Die Fondsleitung muss diese Kundengelder investieren. Die gehaltenen Aktien sind bereits kräftig gestiegen – deswegen hatte der Fonds ja so eine gute Performance.
Der Fondsmanager kann nun auch die neuen Kundengelder in diese Aktien investieren und hoffen, dass sie weiter steigen. Ihre Performance wird in vielen Fällen aber schlechter sein.
Oder er kauft andere Aktien, die tendenziell aber ebenfalls schlechter rentieren werden. Sonst wäre der erfolgreiche Fondsmanager vermutlich früher darauf aufmerksam geworden.
Fonds, die innerhalb einer bestimmten Periode eine gute Performance erzielt haben, rentieren in der nächsten deshalb sehr oft unterdurchschnittlich.
Wechsel des Fondsmanagers. Die wenigen Experten, die ihren Vergleichsindex aufgrund ihres Könnens regelmässig schlagen, sind begehrt wie Fussballstars. Und sie werden wie diese mit riesigen Summen abgeworben. Der Nachfolger eines solchen Börsengenies kann die gute Performance eines Fonds oft nicht wiederholen.�
Indexfonds
Das müssen Anleger wissen
Ein Indexfonds enthält jene Aktien, die auch den zugrunde liegenden Index bilden. Beispiel: In einem Indexfonds auf den SMI befinden sich die 25 Schweizer Börsenschwergewichte, die den SMI bilden.
Die Fondsrendite ist deswegen immer sehr eng an die Indexrendite gekoppelt. Sie liegt normalerweise wegen der Fondskosten leicht unter der Indexrendite.
Die Kosten sind aber sehr tief, weil die Titel nur einmal, bei der Auflage des Fonds, gewählt werden. Später sind nur eventuelle Index-Neuzusammensetzungen zu berücksichtigen.
Studien zeigen, dass die meisten Indexfonds im langfristigen Vergleich besser rentieren als aktiv gemanagte Fonds. Je länger der
Anlagezeitraum, desto klarer liegen Indexfonds vorne. Deshalb profitieren langfristig orientierte Anleger am meisten von Indexfonds.
Natürlich sollten Anleger auch die Indexanlagen diversifizieren, also beispielsweise Investments auf Indizes verschiedener Länder oder Branchen mischen.
Wichtig ist zudem die Wahl des richtigen unter mehreren ähnlichen Indizes. Der SMI mit den wichtigsten Schweizer Unternehmen entwickelt sich anders als der breit gefächerte SPI mit seinen rund 270 börsenkotierten Unternehmen.
Auch wer in Indexfonds investiert, sollte sich möglichst gut informieren und die Gebühren verschiedener Anbieter vergleichen.�
31. August 2007 | Patrick Herger
Kommentare (2) |
|
