Artikel | Haus & Garten 03/2007
Strom-Leerlauf geht ins Geld: Machen Sie den Test!
In einem Haushalt verbrauchen bis zu 15 Geräte im Wartezustand rund um die Uhr Strom. Ein Online-Check zeigt, wie viel Sie jährlich fürs Standby ausgeben.
Schaltet man den Fernseher mit der Fernbedienung aus, brennt das rote Lämpchen: Das Gerät steht auf Standby. Es fliesst weiterhin Strom – sehr viel Strom, wie Elektroingenieur Stefan Gasser von der Schweizerischen Agentur für Energieeffizienz (S.A.F.E.) schätzt: «Pro Haushalt verbrauchen Geräte im Standby schnell einmal Strom für 150 bis 250 Franken im Jahr.» Die grössten Standby-Stromfresser sind TV, Video- und DVD-Rekorder, HiFi-Anlagen, Satelliten-Empfänger und Kaffeemaschinen.
Stefan Gasser hat mit www. energybox.ch eine Online-Beratung für sparsameren Stromverbrauch im Haushalt entwickelt. Die Seite bietet einen Schnelltest, den man in weniger als fünf Minuten erledigt hat. Nur zehn Fragen gilt es zu beantworten. Gefragt sind etwa
Angaben zum Jahrgang des Kühlschranks, zum Fernseher-Typ und zur Anzahl Geräte, die ständig am Stromnetz angeschlossen sind.
Etwas mehr Zeit benötigt die Beantwortung der ausführlichen Fragen. Die Nutzer sehen im Ergebnis, zu welcher Energiekategorie sie gehören, und erhalten gleich konkrete Stromspartipps mitgeliefert. Die Skala teilt Haushalte in Klassen von A (sparsam) bis G (verschwenderisch) ein. Das entspricht dem Prinzip der Energieetikette. Damit müssen Haushaltgeräte wie Kühlschränke deklariert werden.
Standby verschlingt jährlich 20 Prozent der Stromkosten
Neu gibt es bei Energybox.ch einen Standby-Check. Er hilft abzuschätzen, wie hoch der Standby-Stromverbrauch übers ganze Jahr ist. Der Online-Check errechnet auch, wie viel dieser Stromleerlauf in einem Haushalt jährlich kostet.
Stefan Gasser hat bei der aktuellsten Auswertung der Energybox-Datensätze festgestellt, dass in fast zwei Fünfteln der Haushalte 10 bis 15 Geräte ständig am Stromnetz hängen. Ein Durchschnittshaushalt verbraucht pro Jahr für Beleuchtung und Geräte insgesamt rund 3500 Kilowattstunden Strom. Davon macht der Standby-Verbrauch schnell einmal
20 Prozent aus (siehe Tabelle links). Folgendes Beispiel zeigt, was dies in Kilowattstunden und Franken bedeutet:
- Im Haushalt A stehen zwei TV-Geräte, zwei Set-Top-Boxen für digitalen Fernsehempfang, ein Harddisk-Rekorder und zwei Mini-HiFi-Anlagen ständig auf Standby. Auch das Funktelefon mit Beantworter, die Handy- und zwei weitere Ladestationen hängen permanent am Stromnetz. Zwei PCs brauchen auch Strom, wenn sie heruntergefahren sind. Zwei Drucker bleiben immer auf Standby, und der ADSL-Router ist ständig online. Resultat des Standby-Checks: 650 Kilowattstunden (kWh) Standby-Stromverbrauch pro Jahr. Kosten: rund 130 Franken.
- Im Haushalt B stehen exakt dieselben Geräte. Bis auf das Telefon und den ADSL-Router hängen alle Geräte an Steckdosenleisten. Per Kippschalter werden sie bei Nichtgebrauch vom Stromnetz getrennt. Resultat des Standby-Checks: 100 Kilowattstunden Standby-Stromverbrauch pro Jahr. Kostenpunkt: 20 Franken. Sechsmal weniger als in Haushalt A.
Stefan Gasser stellt fest: «Der Stromverbrauch von Geräten der Büro- und Unterhaltungselektronik wird immer stärker von Standby-Verlusten dominiert. Diese übersteigen den Betriebsverbrauch in den meisten Fällen um ein Vielfaches.» Dies gilt ganz besonders für Set-Top-Boxen. Die fürs digitale Fernsehen benötigten Boxen werden im Verlauf der nächsten Jahre
zu Hunderttausenden den Weg in Schweizer Stuben finden: 90 Prozent ihres gesamten Stromverbrauchs gehen aufs Standby-Konto.
Keine Kunst: Den Stromverbrauch halbierenInsgesamt 13 000 anonymisierte Datensätze von Energybox-Nutzern hat Stefan Gasser ausgewertet. Resultate:
Die künstliche Beleuchtung macht mit durchschnittlich 20 Prozent den grössten Anteil des Haushaltstromverbrauchs aus. Dahinter folgen Tumbler (15 %), Waschmaschine (13 %), Kühlschrank (11 %) und Tiefkühler (7 %). Vergleichsweise gering erscheint im Vergleich dazu der Stromverbrauch von privaten Bürogeräten und der Unterhaltungselektronik (12 %).
«Ein typischer Haushalt kann den Stromverbrauch praktisch halbieren», hat Gasser bei der Datenanalyse festgestellt. Vorausgesetzt man hat stromsparende Geräte (www.topten.ch) und nutzt sie optimal. Das lohnt sich: Die Stromkosten können so um mehrere Hundert Franken pro Jahr gesenkt werden.
04. September 2007 | ARMIN BRAUNWALDER
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