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Wieder ist in der Schweiz ein Schenkkreis aktiv: Wer sich an «Das Projekt» beteiligt, riskiert bis zu 10 000 Franken Busse.
Die Verlockung, schnelles Geld zu machen, ist gross, das Risiko aber ebenso: Peter M. wurde Anfang Sommer angeboten, sich an «Das Projekt» zu beteiligen. Das Versprechen: Innerhalb von kurzer Zeit mit 120 000 Franken beschenkt zu werden, wenn seine Familie elber zuerst 15 000 Franken verschenkt.
Der Haken: Zahl der Teilnehmer müsste rasant anwachsen
Die wundersame Geldvermehrung beruht auf einem System mit Kreisen: Um eine Person im Zentrum stehen drei Kreise mit zwei, vier und acht Personen. Die acht Personen im äussersten Kreis bringen je 15 000 Franken ein, die die Person in der Mitte erhält. Der «Beschenkte» scheidet aus, die zwei Personen im innersten Kreis rücken ins Zentrum, wodurch zwei neue Kreise entstehen. Die acht Personen im äussersten Kreis kommen in die beiden mittleren Kreise mit vier Personen. Die Lücken in den äussersten Kreisen müssen durch neue Personen aufgefüllt werden – verantwortlich für die Suche sind die Personen, die vom äussersten in den mittleren Kreis wechseln. Jede Person muss demnach zwei neue «Schenkende» finden.
Allein schon die Mathematik spricht gegen «Das Projekt»: 112 neue Mitglieder sind nötig, damit alle acht Mitglieder «beschenkt» werden können, die zuerst im äussersten Kreis waren. Nach nur 15 Runden müsste bereits eine halbe Million Menschen mitmachen.
Der Schenkkreis, der sich
um Peter M.s Familie bemüht hat, ist in der Ostschweiz
tätig, Treffen unter den Mitgliedern, die immer verdeckt abgehalten werden, haben aber auch schon in Deutschland stattgefunden.
Vom Aufbau her ganz klar ein Schneeballsystem
In der 16-seitigen Broschüre von «Das Projekt», die saldo vorliegt, wird an mehreren Stellen behauptet, dass alles egal sei. Denn es handle sich weder um eine Lotterie, die bewilligt werden muss, noch um ein verbotenes Schneeballsystem. Die Broschüre spricht zudem stark die soziale Seite an: «Das Projektsystem ist eine Hilfe zur Selbsthilfe! Schenken heisst teilen. Das Projekt bringt Ware, Geld oder Zeit (Dienstleistungen) systematisch in Umlauf und verteilt diese wieder neu!»
Die Schenkung selbst ist tatsächlich nicht strafbar, wie das Bundesgericht letztes Jahr festgestellt hat. Doch alle Handlungen danach sind verboten: «Sobald sich ein Mitglied dieses Schenkkreises um ein anderes bemüht, macht s sich strafbar», sagt Manuel Richard, Jurist bei der Lotterie- und Wettkommission. Das sei unvermeidbar: Um selber einmal von diesem System profitieren zu können, müssen bisherige Mitglieder neue Mitglieder werben. Es handle sich klar um ein illegales Schneeballsystem. Verboten ist zudem, einen solchen Schenkkreis zu gründen oder Treffen zu organisieren. Wer trotzdem an Schenkkreisen teilnimmt, riskiert eine Busse von bis zu 10 000 Franken und bis zu drei Monate Gefängnis.
Rechtsauskünfte über Lotterien und Wetten
Wer ein dubioses Angebot für einen Schenkkreis oder eine Lotteriewette erhält, kann sich für rechtliche Auskünfte an die Lotterie- und Wettkommission (Comlot) wenden. Sie ist seit Beginn dieses Jahres aktiv und bewilligt und beaufsichtigt die in der Schweiz durchgeführten Lotterien und Wetten. Zudem schreitet sie bei illegalen Aktivitäten ein.
Lotterie- und Wettkommission
Aarbergergasse 29
3011 Bern
Tel. 031 313 13 03
E-Mail: info@comlot.ch
Internet: www.comlot.ch
05. September 2007 | Thomas Zemp
