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Artikel | K-Tipp 14/2007

«Das ist Diebstahl am Volk»

Die Sparer werden von den Banken geprellt – Behörden und Politiker schauen zu. Das ist der Grundtenor der Leserreaktionen zum K-Tipp-Artikel über tiefe Zinsen auf Vorsorgegelder.

Warum wohl geben die Banken Werbe-Millionen aus, um an die Gelder der Säule-3a-Sparer zu kommen?», schreibt ein Leser. «Banken sind immer die Gewinner: Sie haben eine starke Lobby in Bern.» Ein weiterer Leser bezeichnet die unverschämt tiefen Zinsen auf Säule-3a-Zinskonten als «Diebstahl am Volk. Und wie üblich machen weder die Behörden noch die Politi-ker etwas.» Und ein Dritter fordert: «Die Säule-3a-Gelder sind langfristig angelegt und gehören anständig verzinst – so, wie dies bei Kassenobligationen üblich ist.»
In der letzten Ausgabe vom 22. August 2007 zeigte der K-Tipp auf, wie sich die Banken dank einer Gesetzeslücke pro Jahr mit einer halben Milliarde Franken bereichern. Das Nachsehen haben die Vorsorgesparer. Der Trick der Geldinstitute: Sie zahlen zu tiefe Zinsen für Gelder, die Kunden als freiwillige Altersvorsorge in Säule-3a-Konten einzahlen. Noch weniger vergüten sie auf Freizügigkeitskonten.
Ungerecht dabei: Für den Sparer sind die Gelder auf den beiden Konten im Normalfall bis fünf Jahre vor dem Pensionierungsalter blockiert. Das Kapital liegt also jahrzehntelang auf den Konten. Die Banken zahlen für die insgesamt rund 50 Milliarden Franken, die ihnen zur Zeit langfristig auf 3a- und Freizügigkeitskonten zur Verfügung stehen, jedoch so tiefe Zinsen wie auf kurzfristige Einlagen.

Die neuen Zinsen sind immer noch zu tief

Der Grund: Die Banken können den Zins nach Belieben festlegen. Für das in Pensionskassen gesparte Geld hingegen hat der Bundesrat einen Mindestzinssatz von 2,5 Prozent festgelegt.
Zwar haben jene Tiefzins-Geldinstitute, die lange nur 1,5 Prozent auf 3a-Konten vergüteten, ihre Zinsen per 1. September etwas angehoben (siehe Tabelle). Der Kunde ist aber noch immer der grosse Verlierer, wie Modellrechnungen des VZ Vermögenszentrums belegen: So hat ein Sparer bei einem Zinssatz von 1,75 statt 2,5 Prozent nach 20 Jahren über 11 000 Franken weniger auf seinem Konto, nach 30 Jahren sind es rund 30 000 Franken weniger.

Banken profitieren von Kundentreue

Auch weisen die Banken gerne darauf hin, dass der Kunde jederzeit sein 3a-Konto zu einer anderen Bank transferieren oder in einen rentableren, aber risikoreicheren Wertschriften- Fonds umwandeln könne.
Tatsache ist: «Der Markt funktioniert nicht», sagt Manuel Ammann vom Schweizerischen Institut für Banken und Finanzen der Uni St. Gallen. «Die meisten Leute bleiben bei ihrer Bank. Und Wertschriften-Fonds sind recht teure Produkte mit hohen jährlichen Verwaltungsgebühren.» Bennie Koprio

 

So ist das Kapital für die Altersvorsorge angelegt

Säule 3a: Steuerbegünstigte freiwillige Altersvorsorge. Arbeitnehmer können zur Zeit maximal 6365 Franken pro Jahr beiseitelegen und den Betrag von den Steuern abziehen. Die häufigsten Anlageformen sind:
- Säule-3a-Zinskonto. Vorteil: fixer Zins. Nachteil: geringe Rendite. Zu empfehlen nur für Risikoscheue und Sparer mit einem kurzen Anlage-horizont.
- 3a-Wertschriften-Konto. Dieses kann bis zu 50 Prozent Aktien enthalten. Vorteil: im Schnitt höherer Ertrag. Nachteil: oft hohe Gebühren, langfristiger Anlagehorizont nötig, um Kursschwankungen abzufedern.
2. Säule (Pensionskasse):
Die berufliche Vorsorge ist obligatorisch für Arbeitnehmer ab einem Jahreslohn von 19 890 Franken.
Bei einem Stellenwechsel muss die Pensionskasse das angesparte Alterskapital (Freizügigkeitsleistung) an die Kasse des neuen Arbeitgebers überweisen.
- Freizügigkeitskonto: Tritt der Arbeitnehmer keine neue
Stelle an, wird das Geld auf einem Freizügigkeitskonto «parkiert».

Gelder auf Säule-3a- und Freizügigkeitskonten sind für den Sparer im Normalfall bis fünf Jahre vor Erreichen des Pensionsalters blockiert.

 

Die tiefsten Zinsen für 3a-Konten

UBS 1,875 %
Luzerner Kantonalbank 1,875 %
Credit Suisse 1,75 %
Basellandschaftliche KB 1,75 %
Zürcher Kantonalbank 1,625 %

 

Das sagen die Politiker

Nur die SP will etwas gegen die tiefen Zinsen der Banken auf Vorsorgegelder unternehmen. Das ergab eine Umfrage bei den Präsidenten der grossen Parteien.

Christophe Darbellay, CVP: «Ich sehe keinen Handlungsbedarf. Es handelt sich um einen freien Markt.» Zu bedenken sei zudem, dass die Zinsen ganz allgemein tief seien und der Sparer die Bank, bei der er das Geld anlegt, frei wählen kann. «Das System der 3. Säule ist korrekt.»

Ueli Maurer, SVP: Wer mit der Verzinsung von 3a-Konten nicht einverstanden sei, könne sein Geld bei den meisten Banken auch in Produkten mit einem Aktien-Anteil anlegen. «Wer höhere Rendite sucht, muss aber auch höhere Risiken eingehen.»

Fulvio Pelli, FDP: «Eine weitere Reglementierung und die Festlegung eines Mindestzinssatzes sind nicht notwendig. Die 3. Säule zeichnet sich dadurch aus, dass man sein Geld dort anlegen kann, wo man will – ganz im Gegensatz zur 2. Säule, bei der die Anlagestiftung durch den Arbeitgeber bestimmt wird.»

Ruth Genner, Grüne: «Auch bei den Säule-3a-Konten könnte man einen Mindestzinssatz im Sinne der 2. Säule vorschreiben. Schliesslich handelt es sich um eine gebundene Vorsorge, und die Banken können das Geld langfristig anlegen.»

Hans Jürg Fehr, SP: «Da es sich um sehr langfristig angelegtes Geld handelt, sollte der Zins nicht tiefer liegen als für Kassaobligationen.» Diese betragen zur Zeit etwas über drei Prozent. Die SP werde einen Vorstoss einreichen mit der Forderung, dass nur jene Banken am steuerbegünstigten Sparen teilnehmen dürfen, die mindestens den Zins von langjährigen Anlagen zahlen und keine höheren Spesen verrechnen als für vergleichbare Fonds. (ko)



05. September 2007 | Bennie Koprio


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