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Artikel | K-Geld 5/2007

Vertraue nicht blind einem Leibrenten-Verkäufer!

Wer wünscht sich nicht einen Lebensabend frei von finanziellen Sorgen? Dazu muss man sein Erspartes jedoch optimal einsetzen. Sonst kann es selbst mit einem schönen Vermögen eng werden.

Peter und Beatrix Haldimann aus Bülach ZH dürfen zufrieden sein: Das Ehepaar brachte es dank sparsamer Lebensweise und einer kleinen Erbschaft zu einem Reihenhäuschen, einem Barvermögen von einigen Hunderttausend Franken sowie einem Pensionskassenguthaben von rund einer halben Million Franken.

Das sollte – zusammen mit der AHV – für einen sicheren, angenehmen Lebensabend reichen, dachten die beiden.

Peter Haldimann (71) stand vor rund sechs Jahren vor der Pensionierung. Sein damaliger Versicherungsberater bearbeitete ihn so lange, bis sich Haldimann sein Kapital von der Pensionskasse auszahlen liess und es in eine Leibrente investierte.

Ein kapitaler Fehler: Auf das Pensionskassenkapital von 500 000 Franken zahlten Haldimanns fast 50 000 Franken Steuern. Und auf die Leibrente sind weitere Abgaben fällig: Leibrenten sind zu 40 Prozent steuerpflichtig.

Das tönt nach wenig, ist es aber nicht. Das Ehepaar Haldimann hatte die Leibrente aus bereits versteuertem Einkommen gekauft und muss jetzt auf diese Rente nochmals Steuern zahlen – eine klassische Doppelbesteuerung. Leibrenten rentieren zudem verglichen mit anderen Anlageformen schlecht.

Doch auch das gewählte Leibrentenmodell der Swiss Life entpuppte sich für Haldimanns bald als ungeeignet: Bereits nach zehn Jahren sollte die Rente um fast die Hälfte auf jährlich 26 600 Franken gekürzt werden – angeblich würden in diesem Alter die finanziellen Bedürfnisse aufgrund sinkender Mobilität kleiner.


Zur Leibrente noch eine Zusatzversicherung

Oft ist jedoch das Gegenteil der Fall: Viele Pensionierte reisen in höherem Alter zwar weniger, sie möchten aber mehr Komfort. «Und vor allem steigen die Gesundheitskosten mit zunehmendem Alter massiv», sagt Stefan Thurnherr, Vorsorgespezialist beim VZ Vermögenszentrum in Zürich.

Das weiss natürlich auch Swiss Life und empfahl Haldimanns deshalb eine Zusatzrentenversicherung namens Temperament. Sie fuhr in der Börsenbaisse um 2001 aber so massive Verluste ein, dass sich Haldimanns ihr Restguthaben auszahlen liessen.

Auf Anraten ihres Swiss-Life-Beraters kauften sie mit diesem Geld eine zweite, aufgeschobene Leibrente, die ab 2011 die Einkommenslücke verringern soll. Deshalb zahlen sie nun über fünf Jahre insgesamt 220 000 Franken in die Swiss Life Calmo. Dafür erhalten sie ab 2011 knapp
10 000 Franken jährlich plus nicht garantierte Überschussleistungen.

«Haldimanns hätten statt dieser Leibrenten ihre Pensionskassenrente beziehen sollen», sagt Versicherungsexperte Thurnherr. Nach Steuern würden ihnen mit der PK-Rente gegenüber der Leibrentenlösung jedes Jahr mehrere Tausend Franken zusätzlich zur Verfügung stehen. Auch überobligatorische Renten werfen normalerweise mehr Rendite ab als Leibrenten.


Swiss-Life-Sprecher: «Nicht optimal»

PK-Renten müssen zwar zu 100 Prozent versteuert werden – schliesslich waren sie während der Ansparzeit steuerfrei. Diese Steuern sind aber nicht höher als die Steuern beim Bezug des PK-Kapitals zusammen mit den Steuern einer Leibrente.

Swiss-Life-Sprecher Frank Keidel bestätigt, dass die Lösung für das Ehepaar Haldimann «unter Renditegesichtspunkten nicht optimal» ist. «Aber vielleicht wollte Herr Haldimann seine jüngere Frau oder wollten beide zusammen ihre Erben absichern», meint Keidel. «In solchen Fällen kann sich das gewählte Vorgehen rechtfertigen.»

Doch für Haldimanns stand weder das eine noch das andere im Vordergrund: «Wir vertrauten einfach dem Rat unseres Swiss-Life-Beraters», sagt Beatrix Haldimann.

23. Oktober 2007 | Fredy Hämmerli


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