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Artikel | saldo 18/2007

Verbrauchsmaterial für Patienten: Schweizer bezahlen viel zu viel

Eine Thurgauer Firma bricht die hohen Preise für Verbrauchsmaterial bei Diabetes und Inkontinenz. Sie bietet die Produkte bis zu 30 Prozent günstiger an.

Selbst bei einfachstem medizinischem Verbrauchsmaterial kassiert die Pharmabranche in der Schweiz sagenhafte Margen: So kosten 20 Inkontinenz-Einlagen Tena Lady Extra gemäss Hersteller Fr. 15.30. In Deutschland erhält man das Pack für Fr. 11.70. Ähnlich bei Diabetes-Teststreifen: 50 Stück Accu Chek Aviva kosten in der Schweiz in der Regel Fr. 58.10, in Deutschland sind sie für umgerechnet Fr. 45.73 zu haben. Die Preisdifferenz in beiden Fällen: fast 30 Prozent.

Die hohen Preise hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) abgesegnet. Denn das BAG legt für medizinische Hilfsmittel Höchstbeträge fest, welche die Krankenkassen vergüten müssen. Diese BAG-Preise empfehlen die Hersteller in der Regel als Verkaufspreis, das Gros der Apotheker übernimmt sie. «Kein Anbieter hat einen Anreiz, billigere Preise anzubieten», kritisiert Peter Marbet vom Krankenkassenverband Santésuisse. Der Verband ortet laut Marbet allein beim vergüteten Material für Diabetes und Inkontinenz ein Sparpotenzial von «50 bis 100 Millionen Franken im Jahr».


Hohe Margen: Auch dem Preisüberwacher ein Dorn im Auge

Eine Korrektur vieler BAG-Preisvorgaben fordert auch der Preisüberwacher Rudolf Strahm. Erst vor kurzem beschwerte er sich bei Gesundheitsminister Pascal Couchepin über zu hohe BAG-Tarife für Insulinpumpen. Das BAG äusserte sich bis zum Redaktionsschluss nicht zu den Vorwürfen.

Dass sich medizinische Hilfsmittel billiger verkaufen lassen, beweist seit kurzem die Gotrade GmbH. Die Firma in Landschlacht TG hat mit Helsana, Swica, CSS und weiteren Krankenkassen Verträge abgeschlossen. Darin verpflichtet sie sich, den Versicherten 250 Diabetikerprodukte und Inkontinenzmaterial bis zu 30 Prozent günstiger zu verkaufen.

«Wir können günstiger sein, weil wir auf einen Teil der üblichen Marge verzichten», erklärt der Geschäftsführer Santiago Marin. Die meisten Produkte beziehe die Firma zudem zu besseren Konditionen aus Österreich, Deutschland und von Schweizer Herstellern.

Wer bei Gotrade (www.go4medica.ch) bestellt, bekommt die Produkte per Hauslieferung und erspart sich allfällige Apothekenzuschläge. Zugleich hilft er seiner Krankenkasse beim Sparen.

03. November 2007 | Eric Breitinger


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