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Artikel | saldo 18/2007

Orell Füssli hat die Preise vieler Bücher erhöht

Seit dem Wegfall der Buchpreisbindung im Mai gibt es Bestseller billiger. Dafür zahlt der Kunde für viele andere Bücher heute bis zu 15 Prozent mehr als früher. Das zeigt ein saldo-Preisvergleich.

Wer zurzeit bei Orell Füssli an der Zürcher Bahnhofstrasse herumstöbert, kann Seltsames entdecken: So stösst er etwa in der Abteilung Wirtschaft auf Sigrun Gerbers «Eventmarketing» für Fr. 85.50. Das identische Buch daneben, in Folie eingeschweisst, kostet laut Preisetikett 90 Franken. Einige Buchrücken weiter steht Roman Stögers «Strategieentwicklung für die Praxis». Das erste Exemplar kostet 62 Franken, ein anderes identisches aber 72 Franken – 15 Prozent mehr. Auch in anderen Abteilungen lassen sich gleiche Bücher mit unterschiedlichen Preisaufschriften finden.


Die Preisaufschläge betragen bis zu 10 Prozent

Wie saldo-Recherchen ergeben, hat die zweitgrösste Schweizer Buchhandelskette im August in vielen Teilen ihres Sortiments bei nicht aktuellen Büchern die Preise um 5 bis 10 Prozent erhöht. Kein Wunder hat Orell Füssli auch bei der saldo-Stichprobe zwölf Mal die Nase vorne – bei den höchsten Preisen. In die Karten schauen lassen will sich Orell-Füssli-Marketingleiter Ernst Hopfgartner nicht: «Unsere Preispolitik ist Geschäftsgeheimnis.»

Orell Füssli ist nicht allein. Die meisten Schweizer Buchläden halten sich zwar noch an die unverbindlichen Preisempfehlungen der Verlage. Immer mehr Händler verkaufen aber neuerdings einzelne Bücher teurer als früher.

«Nicht aktuelle Titel haben sich tendenziell leicht verteuert», bestätigt Dani Landolf, Geschäftsführer des Schweizer Buchhändler- und Verlegerverbands. Aussagekräftige Statistiken lägen ihm aber nicht vor. Doch dürften viele Konsumenten spätestens bei den Weihnachtseinkäufen die Folgen spüren. Nicht brandneue Titel machen laut Experten schliesslich 85 Prozent aller in der Schweiz gekauften Bücher aus.

Der saldo-Vergleich zeigt: Am günstigsten war der zusammengestellte Warenkorb bei Ex Libris. Der Gesamtpreis liegt über 100 Franken tiefer als bei den Thalia-Buchhandlungen und rund 80 Franken unter dem von Orell Füssli (siehe Tabelle im pdf).


Amazon.de: Nicht mehr der günstigste Anbieter

Die Migros-Tochter Ex Libris hat kurz nach dem Fall der Buchpreisbindung ihr gesamtes Buchsortiment um 15 Prozent verbilligt. Bei bis zu 40 Bestsellern gewährt Ex Libris zudem 30 Prozent Rabatt auf die empfohlenen Preise der Verlage. Alle Rabatte erhält man sowohl bei Internet-Bestellungen wie im Laden.

Der bisher günstigste Online-Buchanbieter Amazon.de kann beim saldo-Warenkorb mit den neuen Tiefpreisen von Ex Libris nur selten mithalten. Dabei hilft es Amazon.de auch nichts, dass bei den Buchlieferungen aus Deutschland in der Regel weder Mehrwertsteuer noch Lieferkosten anfallen.

Folge: Amazon.de dürfte einen Teil der geschätzten jährlich 100 Millionen Franken Umsatz in der Schweiz einbüssen. Auf Anfrage will sich der Online-Buchhändler dazu jedoch nicht äussern.

Online-Bestellungen sind gemäss Stichprobe nicht generell günstiger als der Kauf im Laden. Das zeigt nicht nur Ex Libris mit identischen Preisen für beide Kaufmöglichkeiten. Buchhaus.ch, der Online-Shop der Buchhandlungen Lüthy, Balmer und Stocker, gibt zwar 10 Prozent Rabatt auf alle Bücher. Dazu kommen aber noch die Portokosten von Fr. 6.50 pro Bestellung. In seinen Läden liess der drittgrösste Schweizer Buchhändler die Preise unverändert.

Der saldo-Vergleich zeigt klar: Besonders bei Bestsellern lohnt sich der Preisvergleich. Bei den meistverkauften aktuellen Büchern ist der Preiskampf offensichtlich. Folge: Jedes der fünf Belletristik- und Sachbücher, die zurzeit die Bestsellerlisten anführen, erhält man auch günstiger, als der Verlag empfiehlt.

Lüthy, Balmer und Stocker etwa bieten je zehn aktuelle Titel mit 10, 20 oder 30 Prozent Rabatt an. Auch Orell Füssli und Weltbild vergünstigen Bestseller um bis zu 30 Prozent. Doch aufgepasst: Rabatte gibt es stets nur für einige Wochen, danach zahlt man den vollen Preis.


Thalia: Im saldo-Vergleich mit Abstand am teuersten

Ausgerechnet die grösste Schweizer Branchenhandelskette Thalia hält hingegen bei allen Büchern an den hohen Preisen und Margen fest. «Der Preis ist für Kunden nicht das Wichtigste», erklärt Thalia-Sprecher András Németh die Preispolitik des Hauses. Wichtiger seien die Beratung und die Vielfalt des Buchangebots. Thalia stellt beides in Rechnung, auch wenn der Kunde nichts davon nutzt: Wer die Bücher im saldo-Warenkorb bei Thalia einkauft, bezahlt deshalb den mit Abstand höchsten Preis.


Zum günstigsten Preis via Internet

Die aktuellen Verkaufspreise plus Portokosten von 17 Schweizer Online-Shops kann man auf www.billigbuch.ch abrufen.

Die Preise von neuen und gebrauchten Büchern von 16 Anbietern vergleicht www.buchpreis24.ch miteinander. Praktisch: Die Seite hält bei Buchabfragen automatisch auch entsprechende Rezensionen und Hinweise zu verwandten Büchern bereit.

03. November 2007 | Eric Breitinger


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Kommentare (2)

 
  • Rudolfulus | 08.11.2007, 11:07

    Teures Altpapier im Saldo Buchshop

    Saldo unterhält einen eigenen Buchshop und bietet beispielsweise
    das Buch von Thomas Gabathuler, Was Angestellte wissen müssen,
    zum Preis von Fr. 25.-- an, scheinbar Fr. 5.-- günstiger als die
    normalen Buchhändler. Was Saldo verschweigt, ist die Tatsache,
    dass von diesem Buch im Januar 2008 eine Neuauflage erscheint. Bei
    Saldo kaufen Sie zum Billigpreis teures Altpapier.
  • Rudolfulus | 07.11.2007, 18:34

    Naïv

    Wie sich ein Preisbindungsverbot auswirkt, hat uns das Beispiel des
    Lebensmittelhandels drastisch gezeigt: Vor genau 40 Jahren wurden die
    Festpreise für Markenartikel wie Hero-Konserven, Knorr-Suppen,
    Schokolade von Nestlé etc. verboten. Daraufhin machte
    namentlich die Migros mit Kampfpreisen die kleinen
    Lebensmittelläden kaputt - Lädelisterben hat man dem
    seinerzeit gesagt. Nachdem die Konkurrenz nun völlig
    ausgeschaltet ist - Coop und Migros haben keinerlei Grund sich
    gegenseitig mit Preiskämpfen das Leben schwer zu machen - stellt
    der Preisüberwacher waseliwas fest? Dass unsere
    Lebensmittelpreise gegenüber dem Ausland 30 % überhöht
    sind. Dies die langfristige Folge des Preisbindungsverbots.
    Ist denn wirklich jemand so naiv, dass er glaubt, Staatseingriffe und
    Verbote könnten irgendeine positive Auswirkung auf die Wirtschaft
    und in diesem Fall auf die Buchpreise haben? Dazu fällt mir nur
    ein altes Sprichwort ein: Höre zu, glaube nicht.
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