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Wer Suchmaschinen benützt, hinterlässt Daten. Diese werden von Google und Co. gespeichert und für Werbezwecke benutzt. saldo zeigt, wie man das umgehen kann.
Mit ihren Internet-Suchmaschinen verdienen Google, Microsoft und Yahoo Milliarden Franken. Die Suche selbst ist zwar kostenlos. Doch die Suchmaschinen merken sich jeden einzelnen Nutzer und jede einzelne seiner Suchanfragen. Daraus erstellen sie Statistiken und können so für jeden Nutzer ein persönliches Profil zusammensetzen.
Die Folge: Auf seinen Ergebnisseiten wird dem Nutzer zu ihm passende Werbung von Firmen gezeigt, welche mit den Suchmaschinenbetreibern zusammenarbeiten. Nutzerdaten sind daher ihr Kapital.
Daten werden mit einer Identifikationsnummer gespeichert
Für den Benutzer einer Suchmaschine ist diese Praxis auf den ersten Blick nicht ersichtlich. Auch wer sich die Mühe nimmt und online die Datenschutzrichtlinien der Suchmaschinenbetreiber liest, wird nicht schlauer: Was diese Richtlinien in der Praxis wirklich bedeuten, ist zu abstrakt.
Zwar halten sich die Suchmaschinenbetreiber nach eigenen Angaben an die Datenschutzgesetze und sammeln die Daten nur anonym unter einer Identifikationsnummer (ID), sodass daraus nicht auf eine bestimmte Person geschlossen werden kann. Doch die Realität sieht ganz anders aus.
Anonymität der Nutzer ist nicht gewährleistet
So stellte der Internetzugangsanbieter AOL vergangenes Jahr aus Forschungszwecken 20 Millionen unzureichend anonymisierte Suchanfragen seiner Mitglieder frei ins Internet. Schon nach zwei Tagen hatten Reporter mehrere Nutzer anhand deren Suchanfragen identifiziert. Das zeigt: Wenn böswillige Hacker an die riesigen Datenmengen der Suchmaschinenbetreiber kommen, kann die Anonymität nicht mehr gewährleistet werden.
Das Sammeln von nutzerbezogenen Daten funktioniert nur, wenn Google und Co. die Suchanfragen einem bestimmten Computer zuordnen können. Dazu nutzen die Suchmaschinenbetreiber einen Trick: Beim ersten Besuch auf ihrer Homepage legen sie unbemerkt ein Cookie auf der Festplatte an.
Diese kleinen Textdateien dienen hauptsächlich dazu, persönliche Einstellungen des Nutzers für eine bestimmte Internetseite abzuspeichern, damit sie beim nächsten Besuch gleich richtig angezeigt wird. Die Suchmaschinen schreiben aber auch eine Nutzer-Identifikationsnummer in das Cookie. Gleichzeitig wird auf den Servern des Suchmaschinenbetreibers für diese ID ein Logbuch angelegt, in dem alle Suchanfragen protokolliert werden, und zwar ohne zeitliche Begrenzung. Erst auf Drängen von EU-Datenschützern hatten Google, Yahoo und Microsoft im Sommer angekündigt, künftig ID-Logbücher nach 18 beziehungsweise 13 Monaten zu löschen.
Beim nächsten Besuch der Suchmaschine schickt der Internetbrowser automatisch das Cookie an deren Server. Dieser erkennt nicht nur die Einstellungen, sondern anhand der ID auch genau, welcher Nutzer die Suchanfrage stellt.
Wenn man bei der Internet-Suche nicht unfreiwillig Datenspuren hinterlassen will, sollte man sich deshalb an folgende Regeln halten:
-- Beim Internet Explorer hingegen teilt sich die Cookies-Verwaltung in Extras/Internetoptionen/Datenschutz/ Erweitert respektive Sites. Über die Cookie-Verwaltung kann der Nutzer gezielt Cookies entfernen und festlegen, von welchen Internetseiten Cookies grundsätzlich geblockt oder angenommen werden dürfen.Die Suchmaschinen funktionieren auch ohne Cookies. Einziger Nachteil: Benutzerdefinierte Einstellungen wie die bevorzugte Sprache oder die Anzahl Suchergebnisse pro Seite sind nur mit Cookie möglich. Dass es auch anders geht, zeigt die deutsche Meta-Suchmaschine Metager, die persönliche Einstellungen ohne Cookie speichert.
-- Nutzen Sie Meta-Suchmaschinen: Meta-Suchmaschinen versenden die Suchanfrage an mehrere Suchmaschinen gleichzeitig und ordnen die zurücklaufenden Ergebnislisten nach Relevanz. So kommt man als Nutzer zu umfassenden und aktuellen Suchresultaten, ohne jedoch selbst verwertbare Daten zu hinterlassen. Denn für die angefragten Suchmaschinen ist nur die Meta-Suchmaschine Ansprechpartner. Das heisst: Weder die IP-Adresse noch Cookies des Nutzers werden übertragen. Viele Meta-Suchmaschinen wie eTools oder Metager verzichten auch ihrerseits darauf, Daten des Suchenden zu sammeln (siehe Tabelle im pdf).
-- Unterdrücken Sie die dynamische IP-Adresse: Die sogenannte IP-Adresse, die jeder Computer im Internet erhält, eignet sich meist nicht, um Nutzerdaten zu sammeln. Denn die allermeisten Nutzer erhalten von ihrem Internetzugangsprovider bei jeder Internetsitzung eine neue, sogenannte dynamische IP-Adresse.
Aber auch dynamische IP-Adressen können zur Falle werden. Denn jede besuchte Internetseite speichert sie automatisch zusammen mit Datum und Uhrzeit ab. Schnell gelangen Surfer im Internet auch mal unbeabsichtigt auf illegale Seiten, die sich oft hinter Links verstecken. Wird der Server dieser Homepage bei einer polizeilichen Razzia durchsucht, kann die Spur so auch zum eigenen Computer führen. Denn auf richterliche Anordnung muss der eigene Internetzugangsanbieter preisgeben, welcher Nutzer zu
diesem Zeitpunkt mit dieser IP-Adresse im Internet unterwegs war.
Besserer Datenschutz mit Anonymisierungsprogrammen
Man kann aber legal die eigene IP-Adresse verschleiern; zum Beispiel mit Anonymisierungsprogrammen wie JAP oder Tor. Der Aufruf einer Internetseite wird dann nicht wie gewohnt direkt vom Computer des Nutzers gesendet, sondern über mehrere Zwischenstationen (Proxies) verschlüsselt umgeleitet. So wird eine Zurückverfolgung der Verbindung zum eigenen Rechner stark erschwert. Der Nachteil: Aufgrund der Verschlüsselung und der Umlenkung dauert das Aufrufen einer Internetseite etwas länger als normal.
Mittlerweile ist der Datenschutz auch bei den Suchmaschinenanbietern selbst zum Thema geworden. So wollen Ask und Microsoft (in der Schweiz unter www.live.ch) bis Ende Jahr als erste grosse Suchmaschinen alternativ auch anonymes Suchen ermöglichen. Andere werden möglicherweise folgen.
Der Verlust an Nutzerdaten ist für sie jedoch zu verschmerzen. Denn alle grossen Anbieter können neben der Suchmaschine noch andere Datenquellen wie ihre E-Mail-Dienste, Online-Fotoalben, Blogs usw. anzapfen, bei denen sich der Nutzer oftmals gleich namentlich anmelden muss.
03. November 2007 | Andreas Grote
