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Artikel | K-Geld 01/2008

«Beim Umbau kamen wir immer wieder mal an unsere Grenzen»

Wer ein Haus baut oder umbaut, kann bei manchen Arbeiten selbst Hand anlegen. K-Geld-Autor Reto Westermann hat die Probe aufs Exempel gemacht.


Pickel, Vorschlaghammer, Trennscheibe, Schaufel, Zementsäcke – der Keller unserer Mietwohnung sieht aus wie das Magazin einer Baufirma. In wenigen Tagen soll der Umbau unseres Hauses, das wir in Winterthur gekauft haben, starten. Das Gebäude ist 80 Jahre alt, deshalb muss vieles erneuert werden: Elektrische Leitungen, Heizung, Wasserrohre, Böden, Küche, Badezimmer und WC stehen ebenso auf der Liste unseres Architekten wie neue Fenster und die Isolation des Dachs und von Teilen der Fassade.

Unser Ziel ist es, durch den Umbau den Minergie-Standard für renovierte Bauten zu erreichen. Und zudem möchten wir auch die Raumaufteilung des Hauses unseren Bedürfnissen anpassen. Das bedeutet: Wir wollen aus den zwei Wohnungen eine machen. Entsprechend sind einige Wände zu entfernen.


Zwei Wochen Ferien für die gröbsten Arbeiten

Einen erklecklichen Teil der Arbeiten wollen wir zusammen mit Freunden, Verwandten und Bekannten selber ausführen. Auf unserer Liste steht unter anderem: herausreissen aller Böden, Küchen und Bäder, abbrechen von Trennwänden, Parkett in den Schlafzimmern verlegen, Wände in den Zimmern sowie Türen und Holzwerk streichen, Mithilfe bei den Arbeiten des Elektrikers, Garten roden und Kellerdecke isolieren.

Zum einen möchten wir damit etwas Geld sparen, zum anderen finden wir den Gedanken schön, in einem Haus zu wohnen, das wir teilweise selber umgebaut haben. Unser Architekt unterstützt unsere Pläne und hat die Terminplanung entsprechend angepasst. Für die intensive Phase des Herausreissens und Abbrechens haben wir uns zwei Wochen Ferien genommen, den Rest der Arbeiten wollen wir an den Abenden und Wochenenden erledigen.



Abbrucharbeiten: «Am Abend juckt die Haut»

Mit viel Elan starten wir zusammen mit unseren Helfern die Arbeiten auf der Baustelle. Die erste Mulde ist im Nu mit alten Teppichen, Türen und Küchenmöbeln gefüllt. Was wir noch nicht wissen: Acht weitere Mulden mit einem Gesamtgewicht von 15 Tonnen werden ihr noch folgen. Die Abbruch- und Demontagearbeiten sind staubig und körperlich anstrengend. Am Abend sind wir jeweils froh, zurück in unsere saubere Wohnung nach Zürich fahren und unter die Dusche stehen zu können.

Immer mal wieder kommen wir an unsere Grenzen, etwa als wir in der grössten Sommerhitze im Estrich die alte Isolation herausreissen. Am Abend juckt die Haut – die einzige saubere und helle Stelle ist im Gesicht, dort wo die Schutzmaske sass.

So geht es Tag für Tag weiter. Meine Frau und ich arbeiten auf der Baustelle und wechseln uns zusammen mit meinen Eltern beim Betreuen unseres einjährigen Sohnes ab.

Nach den zwei Ferienwochen ist das Haus fast leergeräumt und die neue Raumaufteilung sichtbar. Müde, aber mit einem guten Gefühl im Bauch setze ich mich auf einen Schutthaufen, genau an der Stelle wo ich drei Monate später gemütlich in der Badewanne liegen möchte.

Mit dem Gefühl, das Gröbste hinter uns zu haben, kehren wir an unsere Arbeitsstellen zurück. Denn jetzt sind grösstenteils die Handwerker an der Arbeit. Doch wir haben uns getäuscht: Viele Kleinarbeiten, für die es sich nicht lohnt, extra einen Handwerker aufzubieten, müssen trotzdem erledigt werden. Etwa das Bohren von Durchbrüchen oder die Demontage von alten Abwasserrohren, die im Weg sind.


Belastung wird zu viel: Profis müssen ran

Fast jeden Abend fährt jemand von uns ins Haus und natürlich sind wir auch am Wochenende vor Ort. Schnell wird die Dreifachbelastung aus Job, Kinderbetreuung und Arbeit auf der Baustelle zu viel.

Nach und nach geben wir Arbeiten an die Bauprofis ab: Der Elektriker erledigt alle Arbeiten selbst, der Schreiner verlegt auch die Böden in den Schlafzimmern, der Maler streicht alle Wände und der Gärtner rodet den Garten. Nur Arbeiten, die bis nach dem Einzug warten können, lassen wir auf der Liste stehen. Etwa das Isolieren der Kellerdecke und das Streichen von Holzwerk und Keller.

Rückblickend ist uns klar: Die Mithilfe am eigenen Hausumbau hat Grenzen, vor allem, wenn man daneben arbeitet und eine Familie hat. Zum Glück hatten wir uns von Anfang an vorbehalten, Handwerker mit zusätzlichen Arbeiten zu beauftragen – und das Budget entsprechend angepasst.

Gegen Schluss wird es zwar auch mit Hilfe der Profis knapp, aber wir können termingerecht ins einigermassen fertige Haus einziehen. Zwar müssen wir noch im benachbarten Hallenbad duschen, doch zwei Wochen nach dem Einzug liege ich endlich in der eigenen Badewanne.


Tipps: Nehmen Sie sich nicht zu viel vor

  • Übernehmen Sie nur Arbeiten in Eigenleistung, von denen Sie sicher sind, dass Sie oder Ihre Helfer sie qualitativ gut ausführen können.
  • Erledigen Sie Arbeiten, die nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt fertig sein müssen, sonst könnte der Bauablauf verzögert werden.
  • Gestalten Sie den Zeitplan für die Eigenleistungen so, dass genügend Reserven vorhanden sind, falls Arbeiten länger dauern.
  • Berechnen Sie das Baubudget so, dass finanzielle Reserven vorhanden sind, falls Sie einen Teil der als Eigenleistung geplanten Arbeiten trotzdem von Profis ausführen lassen müssen.
  • Versuchen Sie genügend Helfer im Freundes- und Verwandtenkreis zu mobilisieren. Zusammen arbeitet es sich schneller und die Motivation ist grösser.
  • Seien Sie sich bewusst, dass selber ausgeführte Arbeiten nicht immer die Qualität derjenigen von Profis haben – und dass Sie dafür keinerlei Garantieleistungen in Anspruch nehmen können.


Finanzen: Eigenleistungen rechnen sich nicht immer


Der Entscheid, beim Bauen am eigenen Haus Hand anzulegen, hat oft einen finanziellen Hintergrund. Doch geht die Rechnung auf – und wie stehen die Banken zu Eigenleistungen?

«Nach unseren Erfahrungen tolerieren die Banken 10 bis 20 Prozent des Eigenkapitals in Form von Eigenleistungen», sagt Werner Egli von der Hypothekenbörse in Uster ZH.

Meist sind damit Auflagen verbunden: «Die Bank prüft etwa, ob die Materialkosten in den Eigenleistungen berücksichtigt sind. Zudem sollte der Kunde entsprechend handwerklich begabt sein und die Arbeiten in einer realistischen Frist umsetzen können», sagt Roger Wiesendanger, Leiter Produktmanagement Finanzierungen bei der Zürcher Kantonalbank.

Ähnlich tönt es bei der UBS und den Raiffeisenbanken. Grössere Anteile an Eigenleistungen als Ersatz für Eigenkapital lassen Banken nur zu, wenn der Kreditnehmer die entsprechende fachliche Fähigkeit hat. Also beispielsweise bei einem Schreiner, der seine Küche selbst herstellt.

In solchen Fällen dürften sich die investierten Stunden rechnen. Sind aber Laien am Werk, ist das Sparpotenzial eher bescheiden.

Die Arbeitsstunde hat einen Wert von 30 bis 50 Franken. Bei 400 Stunden Eigenleistung – wie beim Winterthurer Haus (siehe Haupttext) – entspricht das 12 000 bis 20 000 Franken – weniger als 10 Prozent der gesamten Umbaukosten.

Nach Werner Eglis Erfahrungen ist es oft sinnvoller, im Beruf Überstunden zu leisten oder für einige Zeit einen Zusatzjob anzunehmen statt auf der Baustelle zu arbeiten: «So kommt meist mehr Geld herein, als man auf der Baustelle durch Eigenleistungen spart.»


Werkzeuge, Materialien, Sicherheit: So sind Sie bei Baubeginn gut gerüstet


Mit der Übernahme von Eigenleistungen beim Bau oder Umbau des eigenen Hauses betritt man als Laie oft Neuland. Sei es bei der Wahl der richtigen Werkzeuge und Materialien oder bei der Sicherheit auf der Baustelle. Es lohnt sich deshalb, rechtzeitig die nötigen Utensilien und Infos zusammenzutragen. K-Geld zeigt, wie es geht:


Werkzeuge

Der Inhalt des eigenen Werkzeugschranks reicht in der Regel nicht. Gerade für schwere, länger dauernde Arbeiten, braucht es ProfiWerkzeuge. Zum Kauf gibt es jedoch Alternativen:

Vielenorts können Maschinen und Werkzeuge stunden- oder tageweise gemietet werden. Etwa in den Heimwerkermärkten von Obi und bei lokalen Anbietern.

Häufig sind am Bau beteiligte Handwerkerfirmen bereit, Werkzeuge und Maschinen am Abend oder am Wochenende gegen ein Entgelt auszuleihen. Bei Online-Auktionshäusern wie Ricardo und Ebay finden sich Profi-Maschinen zu günstigen Preisen.


Baumaterialien

Für die Beschaffung von Baumaterialien stehen neben den Baumärkten weitere Bezugsquellen zur Verfügung:

Grosshändler wie die in der ganzen Schweiz tätige Firma Baubedarf AG liefern Materialien in grösseren Mengen direkt auf die Baustelle.

Nicht immer sind neue Materialien nötig, gebrauchte Waschbecken, Heizkörper oder Badewannen sind in guter Qualität und günstig bei den Bauteilbörsen zu finden (www.bauteilnetz.ch).

Die Bau-Börse im Zürcher Oberland verkauft Restposten neuer Baumaterialien zu günstigen Preisen und liefert in die gesamte Schweiz.
Die Online-Auktionshäuser Ricardo und Ebay sind auch für Baumaterialien eine gute Adresse.


Sicherheit

Die Arbeit auf einer Baustelle ist nicht ungefährlich. Es lohnt sich deshalb, sich entsprechend zu schützen und Vorkehrungen zu treffen:
  • Robuste Schuhe (eventuell mit Stahlkappen) – wichtig bei Arbeiten mit schweren Bauteilen.
  • Schutzhelm, falls Bauteile herunterfallen könnten.
  • Gehörschutz und Schutzbrille für die Arbeit mit lauten und gefährlichen Maschinen, wie Spitzhammer, Trennscheibe oder Fräse.
  • Gefährliche Arbeiten besser den Profis überlassen.
  • Notfallapotheke mit Verbänden, Pflastern, Desinfektionsmittel sowie ein Handy zum Aufbieten eines Arztes in Reichweite.


Versicherungen

Sollte trotzdem ein Unfall passieren, ist der richtige Versicherungsschutz wichtig. Vor Baubeginn unbedingt abklären, ob die bestehenden Versicherungen – auch jene der Helfer – Folgen von Unfällen auf der Baustelle decken.

03. Februar 2008 | Reto Westermann


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