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Artikel | saldo 08/2008

1,5 Millionen Franken pro Jahr fürs Image

Die teure Werbekampagne der Invalidenversicherung stösst auf Kritik: Sie sei reine Geldverschwendung, sagen Behinderten- und Patientenverbände.


Die ersten Inserate sind in der «Neuen Zürcher Zeitung», in der «Handelszeitung» und in der Genfer «Le Temps» erschienen: Sie zeigen eine offene Hand und fiktive Lebensläufe von Verunfallten oder Behinderten, die dank Unterstützung der IV angeblich den Weg zurück ins Berufsleben gefunden haben.

1,5 Millionen Franken im Jahr lässt sich die hochverschuldete Invalidenversicherung (IV) die Zeitungsinserate und die TV-Spots bei der SRG und bei privaten Sendern kosten. Behinderten- und Patientenverbände halten die Aktion für hinausgeworfenes Geld. «Durch die Werbung wird kein zusätzlicher IV-Bezüger beruflich eingegliedert», kritisiert Ursula Schaffner von der Agile Behinderten-Selbsthilfe Schweiz. Grafisch sei der Inseratetext fast unleserlich, der Inhalt schwer verständlich. Zudem sei unklar, wen die Werbung überhaupt ansprechen wolle.


Kritiker fordern: IV soll durch gute Arbeit überzeugen

Für eine «Geldverschwendung» hält Margrit Kessler vom SPO Patientenschutz die Reklame, weil sie am falschen Ort erscheine: «Wer die berufliche Eingliederung fördern will, muss gezielt Ärzte und Arbeitgeber ansprechen.»

Christoph Lüthy von Pro Mente Sana bemängelt, dass «die Werbung vor allem der Imagepflege der IV dient». Sinnvoller wäre es, das Geld direkt für Betroffene zu investieren und das Image durch gute Arbeit zu pflegen.

Alard du Bois-Reymond, IV-Verantwortlicher und Vizedirektor des Bundesamtes für Sozialversicherungen, verteidigt hingegen die Kampagne gegenüber saldo als gelungenen Versuch, das falsche öffentliche Bild von der IV als Rentengeberin zu korrigieren: «Wir vermitteln die Botschaft, dass die IV hilft, Menschen zurück in den Arbeitsprozess zu bekommen.» Je mehr Betroffene dies wüssten, desto früher könnten sie sich melden, wodurch ihre Chancen auf Eingliederung wüchsen. Arbeitgeber versuche man zudem durch spezielle Broschüren anzusprechen.

28. April 2008 | Eric Breitinger


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