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Artikel | K-Tipp 09/2008

Gratis-Lotsen aus dem Netz

Routenplaner im Internet oder elektronische Navigationssysteme? Fest steht: Routenplaner sind zuverlässige Lotsen für Autofahrer – und erst noch gratis.


Nicht jeder Autofahrer mag Strassenkarten studieren und ausführlich planen. Als praktische Helfer würden sich elektronische Navigationssysteme (GPS) anbieten. Doch diese haben noch nicht alle Kinderkrankheiten überwunden, wie zahlreiche Tests ergaben. Weiterer Nachteil: Sie sind noch recht teuer.

Eine Alternative sind kostenlose Routenplaner im Internet. Der K-Tipp hat sechs der grössten Anbieter geprüft. Bewertet wurden Übersichtlichkeit, Schnelligkeit, Qualität des Ausdrucks, Optionen für die Routenberechnung sowie Zusatzfunktionen.

Resultat: Alle erfüllen ihre wichtigste Aufgabe prompt und zuverlässig. In Sekundenschnelle liefern sie die richtige Empfehlung für die schnellste Strecke von A nach B (siehe auch Tabelle im pdf-Artikel).

Die Bedienung auf den Websites ist denkbar einfach: Der Nutzer trägt in der Eingabemaske Start- und Zielort ein, klickt und erhält sofort das gewünschte Ergebnis. Die Route kann er – in Textform und als Übersichtskarte – ausdrucken und ins Auto mitnehmen. Die Beschreibung der Strecke ist detailliert. Jede Abzweigung mit der jeweils einzuschlagenden Richtung wird exakt aufgelistet, mitsamt Kilometerstand. Das erleichtert die Orientierung selbst jenen, die mit Kartenlesen und räumlicher Vorstellung Mühe haben: Stellen Sie den Tageskilometer bei Fahrtbeginn auf null und vergleichen Sie fortan die Kilometerangaben mit den entsprechenden Ortsangaben auf dem Ausdruck, so wissen Sie jederzeit, wo Sie gerade sind.

Die Unterschiede zwischen den Routenplanern liegen in den Details: den wählbaren Optionen und Zusatzfunktionen. Zum Standard gehört überall, dass nebst der schnellsten auch die kürzeste Strecke abgefragt werden kann. Die besten Anbieter liefern zusätzlich Vorschläge nach Kriterien wie Wirtschaftlichkeit, Bequemlichkeit und wie viele Autobahnen der Reisende zu benutzen wünscht. Die Routenplaner von Falk und Via Michelin berechnen ferner automatisch die Benzinkosten und allfällige Strassengebühren. Auf Wunsch können gebührenpflichtige Strecken (z. B. Autobahnen im Ausland, Tunnels, Fähren, Brücken mit Mautstellen usw.) auch ausgeklammert werden.

Wichtige Punkte (wie Hotels, Restaurants, Tankstellen, Raststätten) lassen sich direkt einblenden oder über Links abrufen. Die grösste Auswahl bieten hier Map24, Falk und Via Michelin, deutlich weniger gibts bei Bluewin und Google. Kein Routenplaner verzichtet hingegen auf die Zoomfunktion, welche die Übersichtskarte in eine Detailkarte grossen Massstabs verwandelt. Das ist nützlich für die Orientierung am Zielort.

Klarer Sieger in der K-Tipp-Stichprobe wurde dank der übersichtlichsten Kartengrafik Via Michelin. Auch die Routenplaner von Falk, Google und Map24 überzeugten. Weniger Sterne erhielten Klicktel und Bluewin. Letzterer ist nicht nur schlanker, sondern auch langsamer als die anderen Anbieter und beschränkt sich auf die Schweiz. Und Klicktel ist nur Autofahrern zu empfehlen, die bei internationalen Strecken Autobahnen bevorzugen.


Trotz insgesamt guter Noten haben Routenplaner auch Mängel:

  • Ihre Karten sind deutlich schlechter als normale Strassenkarten. Ausnahme Via Michelin: Die Routen sind mit der regulären Michelin-Karte unterlegt.
  • Klar im Nachteil gegenüber satellitengestützten Navigationssystemen sind die Online-Routenplaner hinsichtlich Aktualität und Flexibilität. Muss unterwegs die geplante Route wegen einer Baustelle oder eines Staus geändert werden, ist der Ausdruck aus dem Internet nicht mehr zu gebrauchen. Anbieter wie Falk und Map24 bieten für diese Notsituation Hilfe übers Handy an.


Die kürzeste Strecke ist nicht überall gleich lang


Der schnellste Weg von Luzern nach Zürich führt bei allen Routenplanern über die A4, Sihlbrugg, Hirzel und die A3. In Stosszeiten ist dies aber heikel, dann droht in Sihlbrugg der Stau. Und der schnellste Weg von Bern nach Luzern – auch da herrscht Einigkeit – führt über die A1 und die A2. Am schnellsten von Zürich nach München gehts ferner über St. Margrethen SG und das Allgäu.

Unterschiedliche Resultate ergeben die Routenplaner jedoch bei der kürzesten Strecke. Für den Weg von Luzern nach Zürich schlagen sie vier Routen vor: über Sihlbrugg, das Sihltal, Affoltern und das Säuliamt sowie über Mettmenstetten (Variante A: bis Cham auf A4; Variante B: ganze Strecke auf der Kantonsstrasse) und den Albis. Noch krasser die Ergebnisse beim kürzesten Weg von Bern nach Luzern: Dieser führt nämlich übers Entlebuch, nicht via Burgdorf–Huttwil, wie Falk und Via Michelin empfehlen.

Als kürzeste Route von Zürich nach München schlägt Falk die Fähre Romanshorn–Friedrichshafen über den Bodensee vor. Damit wird die Strecke zwar kürzer, die Reise nach München dauert deswegen aber fast zwei Stunden länger als auf dem reinen Landweg.


Weitere nützliche Adressen

  • www.tcs.ch > Verkehrsinfo: der Touring-Club bietet hier eine schlanke Version des Routenplaners von Via Michelin und liefert ausführliche Informationen zu Strassenzustand, Baustellen, Sperrungen, Staus usw.

 

05. Mai 2008 | Pirmin Schilliger


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