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Artikel | Haus & Garten 02/2008

Schutz und Schmuck für die Fassade

Bewachsene Hausmauern wirken romantisch. Kletterpflanzen schützen aber auch Fassaden – sofern man das Wachstum im Auge behält.


Nützen oder schaden Kletterpflanzen einer Fassade? Im Laufe der letzten Jahre hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass es gute Gründe gibt, Hausmauern mit Klettergewächsen zu verschönern. Das Blattwerk der raumgreifenden Pflanzen filtert Abgase und Staub aus der Luft. Zudem schirmen die Pflanzen im Sommer die Hitze ab und speichern die Luftfeuchtigkeit. Nicht zu vergessen: Die belaubte Wand bietet zahlreichen Insekten Wohnstatt und Nahrung.

Bedecken immergrüne Pflanzen die Hausmauern, wärmen sie – speziell an Südfassaden – auch im Winter die Wände:

Einerseits halten die Blätter Wind und Regen ab. Andererseits trocknet mögliche Feuchtigkeit nach einem Dauerregen gut aus – dank der Durchlässigkeit. «Bepflanzungen schützen Betonwände vor Feuchtigkeit und Stampflehm-Mauern gegen Schlagregen», sagt Baubiologe und Lehmfachmann Ralph Künzler. Das ist gut zu wissen. Denn im Aussenbereich werden mittlerweile vermehrt natürliche Baumaterialien eingesetzt. Die Befürchtung, Rankenpflanzen beschädigten Hauswände, hält Künzler für unbegründet: «Die Mauern gehen nicht kaputt – allerdings darf man die Kletterpflanzen nicht wild draufloswachsen lassen.»


Kletterpflanzen nicht wuchern lassen

An Künzlers Haus klettert Efeu empor. Bis vor kurzem überzogen die Pflanzen eine Hauswand bis unters Dach. «Wir haben einen Teil entfernt, denn das Grünzeug wucherte über das Holz der Fenster in die Dachuntersicht – daumendicke Äste waren bis in den Estrich gelangt», berichtet Künzler.

Kletterpflanzen können zwar Schaden anrichten. Zum Beispiel am Übergang verschiedener Materialien wie Holz und Mauerwerk. Künzler: «Dann treibt die Pflanze das Holz auseinander, sie kann auch Dachrinnen verstopfen.» Doch solche Schäden lassen sich vermeiden, «sofern man das Wachstum der Kletterer im Auge behält und die Pflanzen wenn nötig schneidet». Kletterpflanzen erfordern also ein gewisses Mass an Unterhalt. «Doch ohne Pflanzenbewuchs wäre die Wetterseite unseres Hauses wohl längst renovationsbedürftig», ist Künzler überzeugt.

Holt man ein üppig wucherndes Gewächs wie Efeu von der Mauer, bleiben kleine Punkte zurück: Die «Füsschen» kleben an der Fassade, weil Efeu ohne Stützhilfe klettert. Ralph Künzler: «Es kann vorkommen, dass sich beim Entfernen der Pflanzen etwas Farbe löst, aber das Mauerwerk bleibt intakt.»

Steht eine Aussenrenovation an, verschwinden die Pünktchen unter dem neuen Putz oder Farbanstrich. Allerdings leiden bei einer Hausrenovation fast alle Kletterpflanzen. Im Hinblick auf eine spätere Fassadenerneuerung empfehlen sich für Kletterer, die eine Stützhilfe brauchen, abnehmbare Gitter: Sie sind nur mit verdübelten Haken an der Hausmauer befestigt.


Für Fassaden eignen sich mehrjährige Pflanzen besser

Kletterpflanzen wachsen entweder windend, rankend, mittels Haftscheiben – oder sie sind Wurzelkletterer. Bei den beiden letzten Varianten halten sie sich selber mit ihren Füsschen – den Saugplättchen oder Haftscheiben – beziehungsweise mit feinen Würzelchen am Untergrund fest. Dies gilt etwa für Efeu, Kletter-Hortensien, Trompetenblumen und Wilden Wein.

Doch die Mehrzahl der Kletterpflanze benötigt eine Rank- oder Stützhilfe: zum Beispiel Clematis, Geissblatt, Glyzinie, Glockenrebe, Kletterrose und Knöterich. Clematis und Geissblatt gibts in vielen Sorten.

Auch einjährige Pflanzen wie die Schwarzäugige Susanne und die kletternde Kapuzinerkresse verleihen einer Mauer ein farbiges Kleid. Allerdings vereinen eher die mehrjährigen Pflanzen alle positiven Eigenschaften für eine bewachsene Hauswand.

Je nach Standort wählt man ein Klettergewächs, das direkte Sonne liebt (Beispiel: Trompetenwinde), Halbschatten bevorzugt (Gold-Geissblatt) oder im Schatten gedeiht (Pfeifenwinde).


Pflanzanleitung

Je nach Anspruch der Pflanze variiert allenfalls die Zusammensetzung des Substrats.

  • Eine 40 bis 50 cm tiefe Grube ausheben.
  • Etwa 20 cm Geröll und Kies als Drainage-Schicht einfüllen.
  • Ein Gemisch aus Erde, Sand und Kompost zugeben.
  • Den Wurzelballen in die Grube stellen, die obere Fläche des Ballens ebenerdig bündig zum Boden.
  • Mit Substrat auffüllen, gut angiessen.
  • Erdoberfläche mit Mulch oder Kompost leicht decken.
  • Im ersten Jahr den mitgelieferten Stab stehen lassen.
  • Ist genügend Platz vorhanden, setzt man vor Ranken- und Klettergewächse eine Hostia, eine Zwergföhre oder Ähnliches: Der Boden trocknet dann weniger aus. Dennoch muss man auch den grünbunten Fassadenschmuck regelmässig giessen.

 

Draht oder Holz als Kletterhilfen

Viele Kletterpflanzen begnügen sich mit einigen senkrecht oder waagrecht gespannten Drähten. Für andere sind beide hilfreich. Für einige Sorten drängt sich ein Drahtgitter auf, das man in einen Holzrahmen spannt. Auch Scherengitter eignen sich gut. Handwerklich Geschickte stellen solche Hilfen selber her, doch Stützhilfen sind auch im Handel erhältlich.

Will man Rank- und Stützhilfen aus Holz, behandelt man sie mit Lasur oder Öl. So halten sie länger. Keine aggressiven Imprägnierungsmittel verwenden: Verschiedene Pflanzen vertragen sie nicht – und beginnen zu serbeln.

26. Mai 2008 | Regine Elsener


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