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Absurd: Coop verkaufte noch im Mai Spargeln aus Peru. Und die Früchte des «Saison-Joghurts Erdbeer» in der Migros stammen zum Teil aus China.
Spargel-Liebhaber wissen es: Je frischer gestochen, desto besser schmecken die weissen oder grünen Stangen. Umso erstaunlicher: Mitten in der europäischen Spargelsaison bietet Coop Spargeln aus Peru an. Auf dem Weg in die Schweiz hat das Gemüse über 10 000 Kilometer per Schiff und über 1000 Kilometer im Camion zurückgelegt. Reisezeit: zwei bis drei Wochen!
Peru könne das ganz Jahr liefern, nennt Coop-Sprecherin Susanne Erdös als Grund für die Spargeln aus Südamerika. Sie ergänzten das teilweise noch zu knappe Angebot aus Europa. Diese Aussage erstaunt, fallen doch im Mai massenhaft europäische Spargeln an.
Aber die haben ihren Preis – hier dürfte denn auch der wahre Grund für diesen ökologischen Unsinn liegen: Den Einkaufspreis der Peru-Spargeln will Coop zwar nicht verraten. Der K-Tipp aber weiss direkt vom Coop-Produzenten: Es sind rund Fr. 3.50 pro Kilo. Bei einem Ladenpreis von Fr. 10.50 bleibt ein satter Gewinn.
Zum Vergleich: Spargeln aus Süddeutschland werden derzeit auf dem Grossmarkt für knapp 6 Franken gehandelt, sind also fast doppelt so teuer. Im Endverkauf kosten sie aber nur etwa zwei Franken mehr.
Ebenfalls Saison haben derzeit Schweizer Erdbeeren. Wer jetzt aber meint, im «Saison-Joghurt Erdbeer-Melisse» der Migros habe es Erdbeeren aus der Schweiz oder zumindest aus der näheren Umgebung, der liegt falsch.
Genaue Herkunft wird verschwiegen
Eine Nachfrage bei der Migros zeigt: Die Früchte stammen aus Spanien, Marokko, der Türkei und sogar aus China. Das Reich der Mitte ist mittlerweile auch bei der Produktion und beim Export von Erdbeeren weltweit die Nummer 1.
Über die genaue Herkunft des Fruchtanteils sagt die Etikette jedoch nichts aus. Stattdessen werden die Konsumenten mit schwülstiger Poesie eingedeckt. Die Rede ist von «Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund» und von «sublim-erotischem Frühlingsgenuss».
30. Mai 2008 | sd
