|
(0) |
Wer im Garten die richtigen Pflanzen zueinandersetzt, verkleinert das Risiko von Schädlingen an Gemüse, Früchten und Kräutern. Eine Garantie gibt es aber nicht.
Oberhalb von Spiez BE, eingebettet in die hügelige Moränenlandschaft von Hondrich, liegt die bäuerlich-hauswirtschaftliche Fachschule Inforama. Dort lehrt Paul Stalder die Bäuerinnen, wie sie Gemüse, Früchte und Kräuter am besten zum Gedeihen bringen. Dabei tauscht der gelernte Gärtner das Klassenzimmer vorzugsweise mit der betriebseigenen Pflanzanlage. Diese gilt als Musterbeispiel dafür, wie sich eine richtige Durchmischung positiv auf Wachstum und Qualität der Pflanzen auswirkt.
Hinter Stalders Garten steht eine gezielte Planung. Mit seinem Wissen führt der Experte die Gewächse auf den erfolgversprechenden Pfad. Das heisst unter anderem: Er bestimmt, welche Arten von Grünzeug nebeneinander zu gedeihen haben.
Pflanzen schützen und fördern sich gegenseitig
Vorbild ist die Natur. Monokulturen gibts dort keine. Es finden sich Pflanzen zusammen, die eine Koexistenz bilden. Sie schützen sich im Verbund gegen Schädlinge und fördern gegenseitig das Wachstum. Das wussten bereits die Gärtner der antiken Hochkulturen und erzielten so höhere Ernte-Erträge.
Die Pflanzen folgender Gruppen von Gewächsen sollten laut Paul Stalder nicht in unmittelbarer Nachbarschaft wachsen:
Nachtschattengewächse: u.a. Tomaten, Peperoni und Kartoffeln
Liliengewächse: u.a. Lauch und Zwiebeln
Kreuzblütler: u.a. Radieschen, Blumenkohl und Broccoli
Schmetterlingsblütler: u.a. Bohnen und Erbsen
Die wechselseitige positive oder negative Wirkung von Pflanzen untereinander wird in der Fachsprache als Allelopathie bezeichnet. Dazu sagt Hans Peter Althaus, Gartenberater bei Bioterra, der Bio-Organisation für Garten, Konsum und Landwirtschaft: «Im Erdreich läuft dieser Prozess über die Wurzelausscheidungen ab, beim sichtbaren Teil der Pflanze über den Duft, der von Blättern und Blüten abgegeben wird.»
So orientieren sich Schadinsekten am Geruch ihrer Wirtspflanze. Steht in unmittelbarer Nähe jedoch ein viel stärker duftendes Gewächs, werden die Insekten verwirrt. Die unerwünschte Eiablage bleibt aus. Die Wurzelausscheidungen gewisser Pflanzen wie Tagetes und Ringelblumen wirken gegen die Fadenwürmer im Boden.
Die Wechselbeziehung funktioniert nicht immer
Bioterra-Experte Althaus aber warnt: «Zur Wechselwirkung von Pflanzen gibt es keine Garantien. Jeder muss in seinem Garten selber testen, welche Konstellationen zum Erfolg füh-ren.» Witterung, Bodenbeschaffenheit und Widerstandsfähigkeit sind nur einige Phänomene, die ständigen Rhythmen unterworfen sind. Diese Faktoren sind jedoch ebenfalls ausschlaggebend dafür, dass die Wechselbeziehung unter Pflanzen funktioniert. Also: Auch bei fachkundiger Durchmischung der Pflanzen bleibt immer ein Restrisiko.
Wer mit wem und warum: Die idealen Nachbarn
Weitere Infos
Bioterra Schweiz, Dubsstrasse 33, 8003 Zürich, Tel. 044 454 48 48, www.bioterra.ch
THOMAS HEER
18. August 2008
