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Artikel | Haus & Garten 03/2008

Von Birnen bis zu Schnittlauch

Hilfe vom Fachmann für Hobby-Gärtnerinnen und -Gärtner: Kurt Meister von der Gartenbauschule Oeschberg in Koppigen BE beantwortet Fragen aus der Leserschaft.


Warum trägt der Spalierbaum kaum Früchte?

An der Westwand unseres Hauses steht ein mindestens 15 Jahre alter Birnen-Spalierbaum (Luise). Leider trägt er seit rund drei Jahren immer weniger Früchte. Heuer hatte er einen einzigen Blütenstand! Ich schneide den Baum im Herbst bei fallendem Laub (früher Ende Winter) und entferne dabei die langen, meist nach oben wachsenden Wassertriebe. Das Spalier steht bei der Wasserstelle des Gemüsegartens und trocknet nicht aus, ist aber auch nicht immer nass. Im Herbst gebe ich eine Dosis Gartendünger. Was mache ich falsch?
Heinz Neuhaus, Uetendorf BE


Kurt Meister: Das Schneiden beeinflusst Blühfähigkeit und Anzahl Blüten am Baum. Es gibt Blütenholz und Wassertriebe. Schneiden Sie nur die Wassertriebe heraus, ist das in Ordnung. Schneiden Sie im Winter und nicht schon im Herbst. Nur dann kann der Baum alle Reservestoffe in die Speicherorgane abziehen. Die Blüten entstehen am zweijährigen Holz – also nur die einjährigen Triebe herausschneiden.

Düngen Sie im Frühling und nicht im Herbst: Der Baum stellt im Winter das Wachstum ein, verliert die Blätter und entwässert sich. Gelangt nun zu viel Dünger in die Winterruhe, können sich die Blütenknospen über den Winter nicht entwickeln: Es entstehen nur Blattknospen und im nächsten Frühjahr viele Wassertriebe. Wie viele Früchte entstehen, hängt während der Blütezeit auch vom Flugwetter für die Bienen ab – sofern das Spalier überhaupt Blüten hat.


Brombeeren: Wie bringe ich Wurzeln weg?

Ich möchte einen alten Brombeerstock durch eine Himbeere ersetzen. Wie bringe ich die hartnäckigen Wurzeln definitiv aus dem Boden – und welche Himbeersorte eignet sich?
Vittorio Pozzi, Dietikon ZH


Meister: Den Brombeerwurzeln macht man entweder mit einem systemischen Herbizid (wirkt auf die gesamte Pflanze) den Garaus oder man gräbt tief um und reisst die Wurzeln von Hand aus. Hat man mehr Zeit, sät man am Standort des Brombeerstrauchs Rasen und mäht diesen regelmässig. So werden die jungen Austriebe laufend abgeschnitten. Nach zwei bis drei Saisons treiben die Wurzeln nicht mehr aus.

Es gibt sommer- und herbsttragende Himbeeren. Bei Ersteren ist das zweijährige Holz fruchttragend. Herbsttragende (Blissy-)Sorten fruchten auf dem einjährigen Holz. Vorteil: Im Herbst schneidet man alle Ruten ab. So überwintern keine Krankheiten auf dem Holz. Es erübrigen sich also der Auslichtungsschnitt im Frühling und Pflanzenschutzmassnahmen.

Stellt man ein Drahtgitter mit einer Maschenweite von 10 x 10 cm und einer Höhe von ca. 80 cm auf, muss man die Himbeerstauden auch nicht aufbinden. Deshalb empfehle ich herbsttragende Sorten.


Nützen Leimringe gegen Dickmaulrüssler?

Wir haben zwei schöne, grosse, ca. 30-jährige japanische Zierkirschen sowie Rhododendren, die jeweils von Dickmaulrüsslern befallen werden. Bisher bekämpften wir die Schädlinge mit dem Insektizid Marshal und Nematoden. Geht dies auch mit Leimringen?
Heinz Fuchs, Aesch BL


Meister: Das Problem bei den Dickmaulrüsslern sind nicht unbedingt die Käfer, sondern die Larven im Boden. Diese richten viel grössere Schäden an: Sie fressen Zierpflanzen, Beeren und jungen Obstbäumen die Wurzeln weg. Das kann zum Absterben der Pflanzen führen (siehe auch Haus & Garten 2/06). Deshalb nützen Leimringe nur bedingt – und gar nicht gegen die Larven im Boden.

Dickmaulrüsslerkäfer verursachen an den Pflanzenblättern die typischen Frassbuchten (Briefmarkenmuster am Blattrand). Der Schädling kann nicht fliegen, wandert aber relativ weit: Raten Sie deshalb dem Nachbarn, seinen Befall ebenfalls zu behandeln.

Als Alternative zum Spritzen bekämpft man die Larven biologisch: Man setzt insektenparasitische Nematoden ein, auch Fadenwürmer oder Älchen genannt. Diese suchen im Boden intensiv nach Dickmaulrüssler-larven, befallen sie und bringen sie innert kürzester Zeit zum Absterben. Sind keine Larven mehr da, sterben die Nematoden auch ab.

Die Frassperioden der Larven dauern von Ende April bis Anfang Juni und Anfang September bis Mitte Oktober. In diesen Perioden behandelt man mit Nematoden. Die Bodentemperatur muss über 10 Grad sein. Deshalb sollten Sie Nematoden nicht vor Anfang Mai aussetzen. Den Boden anschliessend 10 bis 14 Tage feucht halten, damit sich die Fadenwürmer bewegen können. Nematoden findet man in grösseren Gartencentern, eine Packung reicht für zirka 10 Quadratmeter.


Wie kuriere ich meinen Olivenbaum?

Die Blätter meines Olivenbaums verfärben sich immer bräunlich und fallen ab. Ich habe mit allen gängigen Mitteln gespritzt – ohne Erfolg. Was tun?
Ursula Marti, Schüpfen BE


Meister: Olivenbäume sind robust und nicht sehr krankheitsanfällig. Schädlinge wie die Olivenfliege, Blatt- und Schildläuse können zwar vereinzelt auch diese Gewächse befallen. Bei Ihrem Baum schliesse ich das jedoch aus. Die Ursache liegt vermutlich tiefer. Hier einige Wachstumsfaktoren:

  • Der Olivenbaum ist sonnenhungrig und liebt ganztägig volle Sonne.
  • In der Wachstumsperiode ist der Baum auf sehr warme Temperaturen angewiesen, im Winter genügen 10 Grad. Oliven sind nicht frostresistent – vor allem die Wurzeln nehmen sofort Schaden. Kübelpflanzen mit ihren ungeschützten Wurzeln sind besonders gefährdet.
  • Das Substrat soll vor allem gut wasserdurchlässig sein, bei grösseren Pflanzen lehmig/sandig. Optimal sind sandige Böden oder Substrate.
  • Der Wasserbedarf ist eher gering. Oliven wachsen in der Natur vorwiegend in Trockengebieten. Das Substrat darf nicht zu feucht sein, soll aber auch nicht komplett austrocknen – obwohl Oliven auch kurzzeitige Trockenheit vertragen.
  • Staunässe vermeiden! In ihrer Heimat bekommen die Bäume oft lange keinen Wassernachschub: Sie müssen mit ihren extrem weit verzweigten Wurzeln die spärliche Restfeuchtigkeit aus dem Boden aufnehmen. In Kübelkulturen hat das Wurzelsystem zwangsläufig nur einen geringen Umfang, deshalb das Substrat stets leicht feucht halten. Das heisst aber auch: im Sommer sparsam giessen.

Mit Blick auf den letztjährigen nassen Sommer sehe ich die Ursache am ehesten im Wasserhaushalt: Bei stehender Nässe sterben die feinen Wurzeln ab, und die Olive kann bis zur Neubildung der Wurzelhaare kein Wasser mehr aufnehmen. Die Wurzeln bilden sich nur neu, wenn das Substrat wieder abgetrocknet ist. Steht der Baum in sehr feuchter Erde, hilft Umtopfen am schnellsten.

Fazit: Überprüfen Sie Wasserhaushalt und Substrat.


Wie dämme ich Schnittlauch ein?

Mein ganzer Ziergarten ist voll von wildem Schnittlauch. Ich reisse ihn aus, doch er wächst immer mehr. Was tun?
Jean-Claude Loosli-Suter, Aesch BL


Meister: Schnittlauch verbreitet sich relativ schnell, entweder durch Absamen oder unterirdisch. Wichtig ist deshalb, den Schnittlauch möglichst vor dem Blühen, sicher aber sofort nach der Blüte abzuschneiden.

Beim Ausreissen gegen unterirdische Verbreitung: Achten Sie darauf, den Schnittlauch samt Wurzeln auszuziehen, sonst wächst sofort eine neue Pflanze. Den Schnittlauch in einem begrenzten Bereich auspflanzen: etwa samt einem grossen Topf in die Gartenerde.


Sie Fragen, wir Antworten

Haben Sie Fragen rund um den Garten oder zu den Pflanzen auf Ihrem Balkon oder in Ihrer Wohnung? Oder haben Sie eigene Anregungen?
Bitte erwähnen Sie in Ihrer Frage Bodenbeschaffenheit, Lage und Standort der Pflanzen. Wenden Sie sich schriftlich an:

Redaktion Haus & Garten
«Kummerkasten»
Postfach 431
8024 Zürich
redaktion@hausundgarten.ch (bitte Absender angeben).

18. August 2008


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Von Birnen bis zu Schnittlauch
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