|
(0) |
Als «besonders sicher» verkaufte die Finanzteam GmbH Aktien der BFW Liegenschaften AG. Doch statt der versprochenen Top-Rendite resultierten bisher nur Verluste.
Die Kinder Yannik (11), Sven (10) und Semira (6) sollen einmal eine gute Ausbildung erhalten. Darum baten René und Bettina Keller aus Glarus den Versicherungsagenten Jean-Pierre Flury von der Finanzteam GmbH in Marthalen ZH um Rat.
Flury, nach eigener Einschätzung ein erfahrener und erfolgreicher Finanzberater, war mit einem Tipp rasch zur Hand: Die Aktien der BFW Liegenschaften AG seien zum momentanen Preis von 33 Franken ein Schnäppchen und viel sicherer als «gewöhnliche» Aktien. Das Papier, damals im Jahr 2006 noch an der kleinen Berner Börse kotiert, werde rasch an Wert gewinnen.
Vermittler erhielten damals von der BFW eine Provision von 6 Prozent der Investition – rund drei Mal so viel wie üblich. «Bei so hohen Provisionen ist die Gefahr gross, dass der Berater vor allem für sich anstatt für den Kunden schaut», meint Philipp Kummer selbstkritisch. Er ist Chef der Finanzteam GmbH und war damals Flurys Auftraggeber.
In zwei Jahren 10 000 Franken verloren
«Eine jährliche Rendite von 4 bis 5 Prozent hat mir Herr Flury garantiert», sagt René Keller. Doch die BFW sauste in den Keller: Innerhalb von zwei Jahren verlor die Aktie ein Drittel ihres Werts. Kellers Ersparnisse in der Höhe von 33 000 Franken schrumpften auf 23 000 Franken zusammen.
Jean-Pierre Flury will von «Garantien» nichts wissen. Er habe eine solche Rendite nur «in Aussicht gestellt», aber für realistisch gehalten. Schliesslich sei das BFW-Kapital in Wohnimmobilien investiert. Und das sei wohl eine der sichersten Anlagen überhaupt.
Die professionellen Anleger – vor allem Pensionskassen und Versicherungen, die sich sehr stark in Liegenschaften engagieren, – sahen das anders: Kaum war die Aktie der BFW Liegenschaften an der Zürcher Börse SWX kotiert, stürzte sie ab. Heute ist sie weniger als 22 Franken wert.
Im Gegensatz zu den Kleinaktionären liessen sich die institutionellen Anleger nicht von den grossen Namen blenden, mit denen sich Firmengründer und Ver- waltungsratsmitglied Beat Frischknecht so gerne schmückt. Franz Jaeger, ehemals Wirtschaftsprofessor an der Universität St. Gallen und LdU-Nationalrat, übt heute das Präsidium aus. Ebenfalls im BFW-Verwaltungsrat sitzt der ehemalige Thurgauer CVP-Nationalrat Hansueli Raggenbass, Präsident des Bankrats der Schweizerischen Nationalbank.
Die Aktie ist für Kleinsparer nicht geeignet
Die BFW sieht keinerlei Mitverantwortung für die missliche Situation ihrer Anleger: «Wenn Käufer falsch beraten wurden, ist das nicht unser Fehler», meint Frischknecht. Gewinngarantien seien von der BFW nie abgegeben worden. Und auch den Einwand, dass sich die BFW-Aktie für Kleinstanleger nicht eignet und die BFW also hätte verhindern müssen, dass diese Papiere Kleinsparern angedreht wer- den, wischt Frischknecht vom Tisch. Zudem arbeite seine Gesellschaft mit Gewinn und zahle auch eine Dividende aus.
Der BFW-Verwaltungsratspräsident sieht das etwas differenzierter: «Es war wohl ein Fehler, Kleinsparer zu einem Investment in Aktien der BFW Liegenschaften zu animieren», meint Franz Jaeger. Denn letztlich sei das nicht einmal im Interesse der BFW: «Wir brauchen weitere Grossaktionäre, um unsere Zukunft zu gestalten», sagt Jaeger.
Immerhin: Ganz leer muss Familie Keller nicht ausgehen: Finanzteam-Chef Philipp Kummer sieht eine «Mitverantwortung» und ist bereit, Kellers «in der Höhe von rund 3000 Franken zu entschädigen».
25. August 2008 | Fredy Hämmerli
