SternSternSternStern (0)Kommentare lesen  Tags  Drucken  Beitrag weiterempfehlen

Artikel | K-Geld 04/2008

Teures Inkasso mit der Intrum Justitia

Wer auf alten Verlustscheinen sitzt, kann sie einem Inkassobüro überreichen. Wer sie allerdings der Intrum Justitia übergibt, macht ein schlechtes Geschäft.


Das kann jeder Firma passieren: Kunden bestellen etwas, nehmen die Ware entgegen – und zahlen dann die Rechnung nicht. Dann leitet die Firma eine Betreibung ein – und falls das nichts bringt, erhalten geprellte Lieferanten am Schluss des Verfahrens einen Verlustschein.

Auch die Geschäftsfrau Jacqueline Ott aus Kerns OW sass auf Verlustscheinen. Weil solche Papiere erst nach 20 Jahren verjähren, übergab sie die Verlustscheine der Intrum Justitia.

Für Gläubiger mit Verlustscheinen ist das eine bequeme Möglichkeit, um doch noch zumindest einen Teil ihres Guthabens zu erhalten. Denn Inkassofirmen bieten auch die Dienstleistung «Verlustschein-Inkasso» an. Sie melden sich dann beim Schuldner und versuchen, auf einvernehmliche Weise oder auf dem Gerichtsweg wenigstens einen Teil der alten Schuld einzutreiben.

Doch für Jacqueline Ott endet die Übergabe an die Intrum mit einem Riesenfrust. «Nie mehr Intrum Justitia», sagt Ott heute. Wer nämlich Verlustscheine der Intrum gibt, muss einen sogenannten «Partnerschaftsvertrag» unterschreiben. Anders gehe es nicht, bestätigt die Intrum Justitia. Und das kostet eine Jahresgebühr von 450 Franken.

Und: Wenn es der Intrum gelingt, den Verlustschein zu «realisieren», also beim ehemaligen Schuldner Geld zu holen, kassiert sie auch noch 50 Prozent der eingetriebenen Summe als Erfolgshonorar.


Jahresgebühr steht schief in der Landschaft

Was Ott besonders ärgert: Am Telefon habe ihr eine Intrum-Mitarbeiterin gesagt, es entstünden für sie gar keine Kosten. Darauf hat sie sich verlassen – doch jetzt verlangt die Intrum von ihr trotzdem eine Jahresgebühr.

Die hohe Intrum-Jahresgebühr steht schief in der Landschaft. Eine Umfrage von K-Geld bei rund 15 anderen Inkassofirmen hat gezeigt: Die meisten «versilbern» Verlustscheine ohne eine fixe Gebühr oder Pauschale und damit auf reiner Erfolgsbasis (oder in seltenen Fällen gegen eine «Eröffnungsgebühr» für beispielsweise 45 oder 100 Franken).

Üblich für die Inkassofirma ist aber die Erfolgsprovision, die zwischen 35 und 55 Prozent schwankt. Einige Inkassofirmen ziehen dem Gläubiger zusätzlich noch Kosten ab, andere nicht.

Der Tipp ist klar: Wer Verlustscheine einer Inkassofirma übergibt, sollte sich vorher nach den genauen Konditionen erkundigen. Übrigens: Wer mit der Arbeit des Inkassobüros nicht zufrieden ist und die Verlustscheine zurückverlangt, muss bei fast allen Inkassofirmen die aufgelaufenen effektiven Kosten zahlen.


Buchtipp: Neuer Ratgeber zum Thema Betreibung

Wie leitet man eine Betreibung ein? Was kostet das? Wie erhebt man Rechtsvorschlag? Wie lassen sich Ansprüche vor Gericht durchsetzen? Wie verlangt man eine Pfändung? Was bringt ein Privatkonkurs? Und was kann man tun, wenn am Schluss nur ein Verlustschein resultiert?

Der neue Saldo-Ratgeber «Betreibung, Pfändung, Privatkonkurs» beantwortet alle wichtigen Fragen zu diesen Themen. Gläubiger, die Geld zugut haben, erfahren, was sie tun können, um ihren Schuldnern Beine zu machen. Und Schuldner können nachlesen, was sie sich gefallen lassen müssen – und was nicht.

Bestellen Sie den 210-seitigen Ratgeber müber Tel. 044 253 90 70.

25. August 2008 | Ernst Meierhofer


Beitrag als PDF
Teures Inkasso mit der Intrum Justitia
Download PDF 36 KB
SternSternSternStern Artikel bewerten Stichwort hinzufügen
Artikel weiterempfehlen Artikel drucken

Kommentare (0)

 
Urheberrechte
Smartphones und Tablet-Computer sollen teurer werden. Grund ist eine neue Gebühr für Urheberrechte. Was halten Sie davon?
...zum Artikel
Das ist Unsinn. Beim Kauf von leeren CDs und DVDs ist die Gebühr schon enthalten.
Richtig so. Damit werden Künstler unterstützt.
Alle Umfragen

Verwandtes Buch
Betreibung, Pfändung, Privatkonkurs
Betreibung, Pfändung, Privatkonkurs
Vom Zahlungsbefehl bis zum Verlustschein

Detail-Infos
Buchshop
 
Jetzt unterzeichnen: Volksinitiative
Jetzt unterzeichnen: Volksinitiative
Die Bundesbetriebe sollen nicht Gewinn erwirtschaften, sondern den Bürgern einen guten und bezahlbaren Service bieten.
Verwandte Artikel
Betrug statt Finanzsanierung Konto-Überzug: Die Banken schröpfen ihre Schuldner Verlustscheine können zur Pfändung führen
Testsieger für Android-Handys
Testsieger für Android-Handys
Hunderte von Tests in der Hosen­tasche: Die neue App «Testsieger» machts möglich. (beide Apps haben den gleichen Inhalt)
Aktueller Ratgeber
Aktueller Ratgeber
Die Steuerabzüge für Angestellte und Selbstständige (16. Auflage 2012)
Aktuelle Beratungstexte
Hat mein Bruder einen Pflichtteil zugut? Muss ich den Vermieter für die Umtriebe entschädigen? Darf mein Chef Beiträge an AHV, IV und EO abziehen? Alle Beratungs-Artikel
Aktuelle Tests
Elektro-Rasenmäher IPL-Enthaarungsgerät Pommes frites Alle Test-Artikel
Aktuelle Diskussionen
24.05.2012, 13:37 | 4 AntwortenWoher kommen die Albträume? 24.05.2012, 13:28 | 7 AntwortenWas hilft gegen Cluster-Kopfweh? 24.05.2012, 13:27 | 3 AntwortenMyom: Welche Operation ist empfehlenswert? 24.05.2012, 13:26 | 4 AntwortenWie bringe ich den Zungenbelag weg?
Benutzer-Favoriten