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Zuerst Blechschäden, später Unfälle: Unsichere Senioren auf der Strasse gefährden sich und andere. Angehörige sollten im Zweifelsfall einschreiten.
Die beiden Parkschäden, die der 75-Jährige verursachte, waren nicht schlimm: Er war unachtsam aus Parklücken gefahren. Doch beim zweiten Mal wusste der Betagte nicht mehr, wie es zum Schaden gekommen war. Trotzdem wollte er seinen Führerschein nicht abgeben. «Mein Vater war der festen Meinung, er brauche sein Auto zum Einkaufen», erinnert sich seine Tochter Verena Heidelberger. Er fahre schon so lange, da werde nichts Schlimmes passieren. Und er fahre nur Strecken, die er genau kenne.
Sehvermögen und Beweglichkeit lassen nach
Die Ausweisentzüge wegen Gebrechen und Krankheit stiegen letztes Jahr um rund ein Fünftel auf 2500, vor allem wegen der Betagten am Steuer. Dies belegen Zahlen des Bundesamtes für Strassen. Noch ist die Zahl bescheiden bei total 72000 Entzügen. Doch es gibt laufend mehr Alte hinter dem Steuer. Rund eine halbe Million über 70-Jährige besitzen einen Fahrausweis.
Viele Rentner fühlen sich dank dem Auto mobil und können am sozialen Leben teilnehmen. Dies stellt auch der Aargauer Fahrlehrer Heinz Bundi fest. Er führt für Pro Senectute und TCS Kurse für Senioren durch: «Mit zunehmendem Alter vergrössert sich die Reaktionszeit und es dauert länger, Verkehrssituationen richtig einzuschätzen.» Auch Beweglichkeit und Sehvermögen gehen zurück. Fehler beim Linksabbiegen und missachtete Vortrittsregeln sind die häufigsten Unfallursachen.
Im Jahr 2006 haben über 70-jährige Lenker laut dem Bundesamt für Statistik 1587 von 23700 Verkehrsunfällen verursacht. Das sind dreimal weniger als die 5015, die aufs Konto von jungen Lenkern gehen. Pro gefahrenen Kilometer sind die alten Fahrer aber für gleich viele Unfälle verantwortlich wie die Jungen. Dabei kam es immerhiin zu nicht so vielen Toten wie bei den 21- bis 29-Jährigen: 59 Menschen starben bei Unfällen mit Alten, 76 bei Jungen.
In der Verantwortung stehen nicht nur Angehörige. Auch Hausärzte sollten Risikopatienten aus dem Verkehr ziehen. Doch sie stehen oft in einem Dilemma, wie der Arzt Heini Zürcher aus Windisch ZH bestätigt: «Einerseits kennen die Hausärzte die Patienten meist schon lange und können ihren Zustand gut einschätzen. Anderseits gibt es Ärzte, die es mit ihren Patienten nicht verscherzen wollen und zu milde sind im Urteil.» Selbst bei Symptomen von Demenz. Fahrlehrer Bundi warnt vor verdächtigen Anzeichen. «Etwa wenn ein Automobilist kleine Fehler nicht mehr von grossen unterscheiden kann. Oder wenn die Selbsteinschätzung verzerrt ist.»
Ärztliche Kontrolle: Im Zweifelsfall entscheidet eine Testfahrt
Ab 70 Jahren ist für Automobilisten alle zwei Jahre eine Kontrolle beim Arzt obligatorisch. Dieser klärt ab, ob Augen und Gehör in Ordnung sind, auch Nervensystem und Psyche prüft er. Zudem beurteilt der Arzt, ob Medikamente das Autofahren beeinträchtigen. In einzelnen Kantonen kann der Hausarzt Patienten an den Vertrauensarzt des Strassenverkehrsamtes weiterleiten. Die Behörde entscheidet dann, ob der Senior Auto fahren darf. Im Zweifelsfall gibts eine Testfahrt.
Bei Verena Heidelbergers Vater stellte der Arzt Anzeichen von Demenz fest. Das Strassenverkehrsamt annullierte darauf seinen Fahrausweis. In der Zwischenzeit musste die Tochter den Autoschlüssel des Vaters verstecken. Verena Heidelberger ist froh, drastisch durchgegriffen zu haben. «Mein Vater hätte nicht nur sich selber, sondern auch andere massiv gefährden können. Es war richtig, dies gegen seinen Willen zu verhindern.»
Fahrtüchtigkeit: Das können Angehörige beitragen
Tipps und Adressen:
18. Oktober 2008 | Regula Schneider
