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Die Pharmabranche gelobt mehr Transparenz bei ihren Spenden an Patientengruppen. Doch damit ist es nicht weit her.
Pharmafirmen pumpen Geld in Patienten-Selbsthilfegruppen wie die Restless-Legs-Gruppe (saldo 18/08). Damit unterwandern sie diese Gruppen, schrieb vor kurzem «Der Spiegel». «Sie missbrauchen Patienten als Werbeträger», mutmasst Erika Ziltener von der Dachstelle der Schweizer Patientenstellen. Die Patientengruppen bestreiten jede Beeinflussung.
Nun versprechen die Verbände der Pharmaindustrie der Schweiz, mehr Licht ins Sponsoring zu bringen. In einem revidierten «Pharmakodex» verpflichten sich die Firmen dazu, Namen begünstigter Organisationen und die Art der Unterstützung öffentlich zu machen.
Eine saldo-Umfrage bei zwölf Schweizer Firmen zeigt aber: Die meisten nennen Namen begünstigter Organisationen, verschweigen jedoch die exakte Höhe der jeweiligen Spende. Hierzu zählen Novartis, Roche, Bayer, Astra Zeneca, Pfizer, Merck. Boehringer Ingelheim verweigerte jegliche Auskunft. Eli Lilly, Novo Nordisk und Sanofi-Aventis blieben Antworten schuldig. Janssen-Cilag sagte Infos bis zum 31. März 2009 zu.
«Ohne Offenlegung der Zahlen eine Farce»
«Die halbherzige Bekanntgabe ist eine Alibiübung», kritisiert Erika Ziltener. «Der Kodex ist ein Fortschritt. Aber ohne Zahlen offenzulegen, ist er eine Farce», sagt Vreni Vogelsanger von der Stiftung Kosch, Koordination und Förderung von Selbsthilfegruppen in der Schweiz.
Auch der Branchenverband SGCI Chemie Pharma Schweiz sieht Nachholbedarf: Er empfiehlt Kodex-Unterzeichnern, Spenden exakt in Schweizer Franken anzugeben. «Es dient der Transparenz, offen zu zeigen, was man tut», so Dieter Grauer vom SGCI. Zugleich verlängert der Verband die Frist zur Umsetzung des Kodexes bis 31. März. Offenheit bewies bei der Stichprobe nur Glaxo Smith Kline in Münchenbuchsee BE. Das Unternehmen führt detailliert auf, welche Patientenorganisation es zu welchem Zweck mit wie viel Geld bedachte.
Von der Offenlegung verspricht sich Grauer ein Ende der Vorwürfe: «Dann wird klar, dass die Beträge zu klein sind, um Einfluss auf Patientengruppen zu nehmen.» Das halten Kritiker für reine PR: Vreni Vogelsanger vermutet, dass zwar viele Gruppen nur kleine Beträge erhalten. Doch würden diese den Herstellern zu einem kundenfreundlichen Image verhelfen. «Das ist Beeinflussung zum Schnäppchenpreis», sagt Vogelsanger.
Patientenwerbung für Firmen sehr effektiv
Diese Sicht bestätigte der deutsche Arzneimittelexperte Gerd Glaeske. Er verweist auf Zahlen aus den USA, wonach der Effekt direkter Patientenwerbung dreimal so gross sei, wie wenn der Konzern den Arzt beschenke. Die Hersteller überzeugten durch das Sponsoring von Selbsthilfegruppen Patienten vom Nutzen ihrer Produkte. «Die gehen zum Arzt und verlangen genau diese Medikamente.»
17. November 2008 | Eric Breitinger
