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Artikel | Haus & Garten 04/2008

Den Wildwuchs in die Schranken weisen

Ein Garten, der gedeiht, macht Freude. Manche Gewächse breiten sich jedoch unkontrolliert aus. Dann finden Nachbarpflanzen kaum mehr Platz, Licht und Nährstoffe. Hier die Tipps, wie Sie das Grünzeug in Grenzen halten.

Nicht nur Unkraut, auch gewisse Küchenkräuter und Stauden breiten sich schneller aus, als dem Gartenfreund lieb ist. Um den Wildwuchs einzudämmen, begrenzt man ihren Raum: Man pflanzt sie in Töpfe, fasst ein Plätzchen im Garten mit hochkant versenkten Betonplatten (Stellriemen) ein oder legt eine Sperre gegen unterirdische Wurzeln (siehe Kasten «Rhizom-Sperre»). Die etwas brachialere Variante: überzählige Triebe ausreissen. Das gilt vor allem für Unkräuter, die liebend gern und überall wachsen.

«Wuchernde Pflanzen sind mehrjährig, anspruchslos und meist winterhart», sagt Hans Frei von der Gärtnerei Weinlandstauden im zürcherischen Wildensbuch. Sie vermehren sich durch Absamen, Zwiebelteilung oder mit Ausläufern: in der Erde mit horizontal wachsenden Rhizomen oder mit oberirdischen Stolonen.


Kräuter und Beeren

  • Minze: Diverse Arten, Verbreitung durch Rhizome. In Töpfe pflanzen (Winterschutz!) oder im Garten begrenzen.
  • Schildampfer: Wuchernde Staude. In Töpfe pflanzen oder im Garten begrenzen.
  • Breite Kresse: Wurzeln können durch das Loch im Topfboden weit ins Erdreich wachsen und sorgen für Vermehrung auch wenn man den Topf wegstellt. Regelmässig kontrollieren.
  • Bärlauch: Vermehrt sich durch Zwiebelteilung und durch Absamen. Blüten entfernen.
  • Wilder Lauch, Weinberglauch: Produziert winzige Zwiebelchen zwischen den Blüten, die zu Boden fallen und sich vermehren. Im Garten begrenzen, für Töpfe ungeeignet.
  • Erdbeeren: Vermehren sich durch Stolonen. Pflanzen lassen sich leicht ausreissen.


Blumen und Stauden

  • Garten-Gilbweiderich und Mädchenauge: Beide verdrängen langfristig schwächere Umgebungspflanzen. Im Garten begrenzen oder in Töpfe pflanzen.
  • Wilder Gilbweiderich: Vermehrt sich an feuchten Standorten schnell mit unterirdischen Ausläufern. Im Garten begrenzen.
  • Bambus: Zahlreiche Sorten, vermehrt sich rasend schnell über Rhizome. In Töpfe pflanzen oder Rhizomsperren legen (siehe unten). Ausnahme: Die Art Fargesia bildet keine Ausläufer und braucht deshalb keine Sperre.
  • Maiglöckchen: Vermehren sich unterirdisch bis hin zur Plage. Ausgraben oder in Töpfe pflanzen.
  • Schilf: Sehr raumgreifend, entzieht andern Pflanzen Nährstoffe. Im Bereich eines Teichs begrenzt pflanzen.
  • Feuerbusch: Wenn er wuchert, hilft nur ausgraben. Die Staude ist Wirtspflanze für den gefürchteten Feuerbrand.


Unkräuter

Am besten reisst oder gräbt man Unkräuter aus. Möglichst keine Herbizide verwenden.

  • Grüner und weiss-grün changierter Baumtropf: Hartnäckiges Unkraut. Neue Triebe zeitig im Frühjahr ausrupfen.
  • Gänse- oder Milchdistel und Ackerdistel: Gründlich jäten. Bleibt beim Ausreissen nur ein winziges Stück Wurzel zurück, entwickeln sich neue Triebe.
  • Schnurgras, Quecke: Hartnäckiges Ackerunkraut. Vermehrt sich durch Samen und über lange Rhizome.
  • Hahnenfuss: Vermehrt sich durch Stolonen (wie Erdbeeren), wurzelt jedoch tiefer. Deshalb ist er schwierig zu bekämpfen. Trotz Jäten bleiben Samen im Boden und sorgen für Vermehrung. Ein ewiger Kampf!


Rhizomsperre: So Bleibt der Bambus An Seinem Ort

Am besten legt man eine Rhizomsperre gleich beim Einpflanzen des Bambus. Das erspart viel Arbeit, weil man sich nicht durch bereits wuchernde Rhizome graben muss. Und so gehts:

  • Für einen handelsüblichen Bambus graben Sie ein rund 70 cm tiefes Pflanzloch mit einem Durchmesser von ca. 1,2 m.
  • Die Grösse des Sperrmaterials berechnet man grob nach folgender Faustregel: Durchmesser des Pflanzlochs x 3. Mit 20 cm Zuschuss ergibt dies 3,8 m.
  • Die Sperre um den Grabenrand legen. Das Material darf nicht überlappen, sonst bietet es den Rhizomen Angriffsfläche. Für den Verschluss zwei Alu-Flachschienen sorgfältig verschrauben. Rhizome können einen unsachgemäss angebrachten Verschluss sprengen.
  • Wenn möglich Sperre so einbauen, dass die obere Öffnung etwas breiter ist. So werden Rhizome nach oben gelenkt.
  • Lockerer Boden oder Gefälle benötigen eine tiefere Sperre als die üblichen 70 cm.
  • Graben zuschütten. Die Sperre muss knapp 5 cm aus dem Boden ragen. Rhizome, die über die Sperre wachsen, regelmässig abschneiden, sonst «entwischen» sie unbemerkt. Alte Triebe ausdünnen, um neuen Platz zu machen und den Rhizomdruck zu mindern.


Rhizomsperren müssen glatt und widerstandsfähig sein und grossen Druck aushalten. Folgende Materialien kommen in Frage:

  • HDPE-Folie, schwarz, 2 mm dick und 70 oder 100 cm breit, Verschluss mit 2 Alu-Flachschienen, die man verschraubt. Achtung: Teichfolien aus LDPE sind ungeeignet, Rhizome durchstossen sie.
  • Dachfolien und Schutzbahnen für Flachdächer etc.
  • Baumschulcontainer (1000 oder 1500 Liter). Den Boden herausschneiden, Restcontainer als Sperre einsetzen.
  • Rhizomsperren gibts in Gartencentern und in Baumschulen, Dachfolien in Baumärkten.

 

24. November 2008 | Regine Elsener


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