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Verkäufer lockten Schweizer mit günstigen «Vorsorgewohnungen» in Österreich. Dazu brauchte es kein Eigenkapital. Doch das Konzept erwies sich als Schönwettermodell. Anleger stehen vor der Pleite.
Wer möchte das nicht: Eine Wohnung kaufen im Wert von 230 000 Franken, dafür nur etwa 110 000 Franken in monatlichen Raten abzahlen – und nach 25 Jahren erst noch Mieterträge als gesicherte Rente beziehen? D. und B. Zürcher wollten das. Und stecken nun tief im Schlamassel.
Ein scheinbar sicheres Modell mit tiefen Kosten
Das Ehepaar aus dem Kanton Bern vertraute auf die Versprechungen der Firma Fokus Invest aus Oberwil BL. Diese vermittelte sogenannte «Vorsorgewohnungen» an der Eduard-Pötzl-Gasse in Wien. Die verlockende Modellrechnung enthielt die folgenden Eckpunkte:
Leider erwiesen sich die Annahmen als Schönwetterprognose. Denn einerseits stiegen die Zinsen massiv an; und auf der Einnahmenseite wurden den Käufern plötzlich weniger Mieteinnahmen gutgeschrieben als prognostiziert. In den Unterlagen hatte es noch geheissen, die preisindexierten Mieten würden kontinuierlich steigen und die Investition in Wien werde «in jedem Fall» eine nennenswerte Vermögensbildung bringen.
Nun droht ein Notverkauf zu tiefem Preis
Das Zahlengerüst geriet also völlig aus dem Lot – und jetzt sollen Zürchers plötzlich Tausende von Franken nachzahlen. Das wollen sie aber nicht, denn sie haben das Vertrauen in das ganze Konstrukt und in die vielen beteiligten Firmen in der Schweiz und in Österreich verloren.
Deswegen drohen nun ernste Konsequenzen. Bereits hat die Bank die Mieteinnahmen gepfändet, und es droht ein Notverkauf der «Vorsorgewohnung» zu einem tiefen Preis.
In diesem Fall würde aber eine Bank-Restschuld bestehen bleiben – unter anderem auch deshalb, weil die Bankderlehen nicht nur die eigentliche Kaufsumme abdeckten, sondern auch noch zusätzliche 13 Prozent der Kaufsumme für Notarkosten, Steuern, Gebühren und sonstige Spesen. Und der Wert der Lebensversicherungen ist gegenwärtig tief.
Bei der Schweizer Vermittlerin Fokus Invest heisst es, ihre österreichische Partnerfirma Fiag habe diverse Zusagen nicht eingehalten und ihre Partner getäuscht. Die Fiag habe zum Beispiel den Abschluss einer Zinsabsicherung gegen steigende Zinsen versprochen, das dann aber nicht eingehalten.
Und die Mieteinnahmen seien immer als Netto-Einnahmen ausgewiesen worden; im Nachhinein stellte sich aber heraus, dass die Mieteinnahmen noch um die Umsatzsteuer gekürzt werden müssen.
Die Fokus Invest verkauft aber weiterhin «Vorsorgewohnungen» in Österreich. Wenn das Modell richtig und mit seriösen Partnern aufgegleist werde, sei das ein taugliches Vorsorgemodell. K-Geld rät aber vom Kauf ab.
08. Dezember 2008 | Ernst Meierhofer, Redaktion K-Tipp
