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Artikel | K-Tipp 06/2009

Gut getarnte Geldgier

Sagenhafte 3000 Prozent Gewinn verspricht der Thurgauer Verein DFF-Bildung. Schön wärs! Bereits ermittelt die Polizei. Der K-Tipp war an einem Geheimtreffen des Vereins dabei.

Donnerstag, 12. März, 18.45 Uhr: Vor dem Business Center in Zug stehen eine Handvoll Leute in der Kälte. Sie alle wollen zum «Informationsvortrag» der DFF-Bildung im vierten Stock des noblen Gebäudes. Doch Zutritt erhält nur, wer in Begleitung eines DFF-Vereinsmitglieds kommt. «Wir achten strikt darauf», erklärt eine ältere Dame bestimmt. Mit einigen Tricks schafft es der K-Tipp dennoch.

Zwölf Personen sitzen im engen Raum. Aus einem Lautsprecher tönt psychedelische Musik. DFF-Finanzchef und Pferdezüchter Hansjörg Wiederkehr stellt zunächst den Verein und seine zahlreichen Vortragsangebote vor. Dann kommt er schnell zur Sache: «Ist eine Investition in ein Bildungspaket nicht sinnvoll?», fragt er die Zuhörer. Einige nicken. «Dann investieren Sie doch in unseren Strukturaufbau mit vier Bonusstufen!», fordert er die Zuhörer auf. Lediglich 15'000 Franken seien nötig. Der Gewinn: 470'000 Franken! Wiederkehr: «Einzige Bedingung: Sie überzeugen zwei Freunde zum Mitmachen.»


Die Rechnung kann niemals aufgehen

«Network Marketing» nennt er das. In Tat und Wahrheit ist es allerdings ein verbotenes Schneeballsystem (siehe unten). Und so solls funktionieren: Wer zwei Freunde gefunden hat, rutscht eine Stufe höher. Nun müssen die beiden Freunde wiederum je zwei Freunde finden, und so weiter und so fort. In der vierten von 16 Stufen ist die erste Bonusstufe erreicht. Dort gibts erstmals Geld: 80'000 Franken – angeblich. «Ausbezahlt werden aber nur einige tausend», sagt Paul M.*, der kürzlich ein Geheimtreffen in Frauenfeld besucht hat. Der Löwenanteil der ersten Bonusstufe werde in die zweite Bonusstufe reinvestiert. Ist diese erreicht, gibts – so wird behauptet – 110'000 Franken Gewinn, in der dritten sollen es 120'000 und in der vierten 160'000 Franken sein – total also 470'000 Franken.

Nur: Um es so weit zu bringen, müssten sich rein rechnerisch 65'534 Personen beteiligen. Nach Angaben eines Vereinsmitgliedes sollen aber erst rund 1000 Leute investiert haben. Damit sie alle den Gewinn von 470'000 erhalten, müssten über 65 Millionen Personen mitmachen.

Um den illegalen Hintergrund zu kaschieren, gibt sich der Verein mit Sitz in Aadorf TG als Bildungsinstitution aus. Mitglieder können zu ermässigten Preisen Referate, Seminare und Workshops zu den verschiedensten Themen besuchen, verspricht Wiederkehr. Kürzlich referierten die bekannte Wirtschafts- und Politberaterin Sonja A. Buholzer sowie die Astrologin Monica Kissling vor Vereinsmitgliedern.


Referentinnen distanzieren sich

Der Finanzchef prahlt in den Geheimtreffen denn auch mit diesen Namen und versucht so, Seriosität vorzugaukeln. Die Referentinnen zeigten sich konsterniert, als sie von K-Tipp erfuhren, was hinter dem Verein DFF-Bildung tatsächlich steckt. Sonja A. Buholzer: «Das wussten wir nicht. Wir distanzieren uns klar davon.»

Präsidentin von DFF-Bildung ist Franziska Graden Wiederkehr, die Frau von Kassier Hansjörg Wiederkehr, Vizepräsidentin ist ihre Geschäftspartnerin Eveline Bruggman. Franziska Graden Wiederkehr weist alle Vorwürfe von sich: «Wir betreiben Network-Marketing, sicher kein Schneeballsystem.» Fakt ist aber: Das Bezirksamt Frauenfeld hat aufgrund von Hinweisen bereits ein polizeiliches Ermittlungsverfahren gegen die Verantwortlichen des Vereins eröffnet.


Verbotenes Schneeballsystem

Pyramidenförmig aufgebaute Finanzsysteme fallen unter das Lotteriegesetz. Laut Artikel 43 der Lotterie-Verordnung sind sie verboten. Allerdings machen sich nicht alle Teilnehmer strafbar, wie das Bundesgericht im März 2006 festhielt. Strafbar mache sich nur, wer ein Schneeballsystem gründet oder Durchführungshandlungen vornimmt.

*Name geändert

22. März 2009 | Daniel Jaggi, Redaktor K-Tipp


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Kommentare (1)

 
  • UnserRecht | 28.03.2009, 22:26

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