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Artikel | K-Geld 02/2009

«Börselen» im Internet: Grosse Differenzen bei den Gebühren

Swissquote und Postfinance sind günstig, die UBS am teuersten: Das zeigt der Gebührenvergleich für den Online-Wertschriftenhandel.

Das Resultat verblüfft: Ein vermögender Kunde zahlt bei der UBS für einige wenige Online-Transaktionen Gebühren von 3600 Franken im Jahr. Bei www.swissquote.ch kann er exakt das Gleiche für Fr. 865.40 abwickeln.

Grundlage für den Vergleich bilden drei Musterdepots:

  • Kunde A verfügt über ein kleines Depot (50’000 Franken) und tätigt im Lauf des Jahres nur zwei Börsentransaktionen mit Anlagefonds.
  • Die Kunden B und C verfügen über einen Wertschriftenbestand von 500’000 Franken. Beide weisen in ihren Depots je den gleichen Vermögenswert in Schweizer und ausländischen Aktien sowie in Aktien- und Obligationenfonds auf. Kunde C hat aber bei allen Anlagekategorien die doppelte Anzahl Posten, also zum Beispiel zehn statt fünf verschiedene Obligationenfonds, und er tätigt doppelt so viele Transaktionen.



Depotgebühr

Die Anzahl Posten hat bei einigen Online-Portalen Auswirkungen auf die Depotgebühr (in der Tabelle im pdf-Artikel mit DG abgekürzt): Bei einigen Anbietern zahlen die Kunden B und C trotz unterschiedlicher Anzahl verschiedener Aktien gleich viel. Die anderen Portale verrechnen ihren Kunden eine Postengebühr (Zuschlag je Position). Um das Beispiel überblickbar zu halten, wurde für alle Depots die Annahme getroffen, dass auf einen Verkauf gleichentags ein Kauf zum gleichen Betrag erfolgt. So bleibt der Depotbestand im Jahresverlauf unverändert.


Kauf-/Verkaufsgebühren bei Aktien

Wer Aktien kauft, zahlt zunächst die Courtage des entsprechenden Börsenplatzes. Dazu kommen die Börsentaxen sowie die eidgenössische Stempelsteuer. Für Aktien von ausländischen Firmen, die in der Schweiz nicht gehandelt werden, sind die Gebühren der entsprechenden Handelsplätze wie Frankfurt, London oder New York sowie ebenfalls die eidgenössische Stempelabgabe zu bezahlen. Die Tabelle zeigt jeweils das Total aller anfallenden Kosten beim Kauf bzw. beim Verkauf.


Kauf-/Verkaufsgebühren bei Anlagefonds

Wenig transparent ist hingegen das Geschäft mit Anlagefonds. Der Grund: Viele Banken verkaufen bankeigene Fonds günstiger, während sie beim Handel mit Fonds von Drittanbietern den vollen Gebührentarif anwenden. Um solche verfälschenden Rabatte auszuschliessen, galt beim Gebührenvergleich die Vorgabe, dass der Kunde Fonds von fremden Banken kauft bzw. verkauft. Im Vergleich enthalten sind also die Kosten für Ausgabe (Emission) und Rücknahme durch die jeweilige Fondsgesellschaft.

Allerdings: Produkte von Vertriebspartnern waren zugelassen. Zum Beispiel bei den Kantonalbanken: Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) führt eigene Fonds (die waren nicht erlaubt), das Gros der angebotenen Anlagevehikel wird jedoch von Swisscanto gemanagt, dem Gemeinschaftsunternehmen der Kantonalbanken. Die Folge: Kundinnen und Kunden der ZKB erhalten auf Swisscanto-Fonds auf die Depotgebühren einen Rabatt von 30 Prozent.

Die beiden Online-Anbieter Raiffeisen und Saxo Bank figurieren ausserhalb des direkten Vergleichs, weil Raiffeisen erst ab dem vierten Quartal 2009 Fonds von Drittanbietern im Online-Angebot hat. Die Saxo Bank (ehemals Synthesis Bank) bietet nur börsengehandelte ETF (Exchange Traded Funds, Indexfonds) zum Handeln an. Swissquote hat die Gebührenstruktur auf den 1. April 2009 geändert; für das gesamte Depot wird nun über das Jahr eine Fixgebühr (Flatrate) berechnet.

Für Kunde A beträgt diese Fr. 53.80 (inklusive Mehrwertsteuer). Für die Kunden B und C sind es je Fr. 107.60 (siehe Tabelle im pdf-Artikel). Das könnte Konsequenzen haben: Es ist gut möglich, dass diese Preissenkung die Konkurrenten ebenfalls dazu bringt, die Struktur ihrer Depotgebühren zu überdenken.

Warum sind UBS und Credit Suisse so teuer? Reine Online-Anbieter wie etwa Swissquote oder Trade-Jet richten ihr Angebot auf aktive Händler aus, die eifrig «börselen» und zahlreiche Transaktion machen. Grossbanken und Kantonalbanken hingegen sehen das Internet als Teil eines Gesamtpakets. So gibt ein Sprecher der Credit Suisse zu bedenken: «Die CS bietet ihren Kunden Online-Banking als einen von mehreren Kanälen für den Geschäftsverkehr mit der Bank an. Unsere Kunden können auf eine persönliche Beratung in unseren Geschäftsstellen zurückgreifen. Unsere Tarife sind entsprechend nicht direkt vergleichbar mit jenen  einer reinen Online-Bank.»

29. März 2009 | Werner Grundlehner


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