|
(0) |
Schon 18-Jährige sollen den Blutdruck messen: Das fordert die Herzstiftung, unterstützt von Pharmafirmen. Fachleute finden das übertrieben.
Seit Anfang Juni läuft die «Nationale Blutdruck-Offensive» der Schweizerischen Herzstiftung. Im Rahmen der Kampagne empfiehlt die Stiftung, alle Schweizer sollten ab 18 «mindestens einmal pro Jahr» den Blutdruck messen. Ärzte distanzieren sich von der «Blutdruck-Offensive». Bernhard Meier, Direktor der Klinik für Kardiologie am Berner Inselspital, empfiehlt: Man sollte den Blutdruck ab dem 30. Lebensjahr messen. Nur bei familiärer Belastung oder bei Übergewicht sei dies früher nötig. Thomas Lüscher, Direktor der Klinik für Kardiologie am Uni-Spital Zürich: «Es genügt, den Blutdruck alle fünf Jahre zu messen, solange der Grenzwert nicht erreicht wird.»
Die «Blutdruck-Offensive» wird von fünf Pharmafirmen finanziell unterstützt. Auf der Internetseite der «Offensive» steht denn auch, dass die meisten Blutdruck-Patienten Medikamente benötigen würden. Gesundheitstipp-Arzt Thomas Walser rät hingegen, den Blutdruck zu senken, indem man den Lebensstil ändere. Nur wenn dies nichts nütze, solle man in Absprache mit dem Arzt zu Medikamenten greifen. Der Zürcher Allgemeinpraktiker Bruno Maggi argumentiert ähnlich und ergänzt: «Ich finde die Kampagne überflüssig.»
Zur Kritik sagt die Herzstiftung, die «Offensive» sei nötig, weil ein Drittel der Menschen mit hohem Blutdruck dies nicht wüssten. Die Herzstiftung habe die Empfehlungen mit Ärzten diskutiert. Je früher hoher Blutdruck behandelt werde, desto geringer seien die Folgen.
06. Juni 2009 | ag
