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Artikel | K-Tipp 12/2009

Haus+Herd baut Schuldenberg

Handwerker klagen, dass sie von der Generalunternehmung Haus+Herd kein Geld erhalten. Hauskäufer sind beunruhigt.

Der Auszug aus dem Betreibungsregister der Firma Haus+Herd Typenhaus AG mit Sitz in Herzogenbuchsee BE sieht düster aus: Bis Mitte Mai wurden total 32 Betreibungen für insgesamt über 671’000 Franken eingetragen. «Bauen ohne Risiko» lautet ein Motto der Firma. Doch viele Handwerker riskieren, mit dem Typenhausbauer Geld zu verlieren. Das Baugeschäft Bergamin aus Lenzerheide GR zum Beispiel hat noch rund 80'000 Franken ausstehend. «Wir werden seit Monaten hingehalten und waren zu gutgläubig», klagt Mario Bergamin. «Uns wurde angeboten, die Hälfte der Summe zu akzeptieren. Doch das ist zu wenig.»

53’000 Franken fehlen dem Sanitärgeschäft Christen aus Pfäffikon ZH. Mitinhaber Stefan Christen: «Wir müssen unsere Forderung wohl gerichtlich einklagen.» Andere verzichten auf eine Betreibung, weil sie fürchten, dass beim Typenhausbauer eh nichts mehr zu holen sei. Wie Bodenleger Josef Lendi aus Tamins GR: «Mir schuldet Haus+Herd gut 6000 Franken.»


Hausbesitzer warnt künftige Bauherren

Für die betroffenen Hauskäufer ist die Lage ebenfalls ungemütlich. Wie etwa für Hanspeter Löw aus Vaz/ Obervaz GR. Er liess sich 2007 ein Typenhaus von Haus+Herd bauen und leistete pünktlich alle Zahlungen. Zwei Jahre später rufen nun ständig Bauhandwerker bei Löw an und beklagen sich über offene Rechnungen von insgesamt mehreren zehntausend Franken.

Inzwischen warnt Hanspeter Löw vor dieser Firma: «Wir wollen zukünftigen Bauherren und den Baufirmen unsere Probleme ersparen.» Dabei hat Löw noch Glück. Die betroffenen Handwerker haben es in seinem Fall versäumt, ein sogenanntes Bauhandwerker-Pfandrecht eintragen zu lassen. Andere Hauskäufer befürchten hingegen, dass sie gewisse Handwerker noch einmal zahlen müssen, obwohl sie den Hauspreis schon vollständig beglichen haben.

Übrigens: In den Standardverträgen «garantiert» Haus+Herd, bei vertragsgemässen Zahlungen durch die Bauherren würden keine Bauhandwerker-Pfandrechte errichtet. Diese «Garantie» ist eine Augenwischerei: Sie ist für Handwerker nicht bindend, weil diese gar nicht Vertragspartner des Hauskäufers sind.


Betreibung auch von AHV-Ausgleichskasse

Dass es um die Haus+Herd Typenhaus AG kritisch steht, bestätigt selbst Geschäftsführer und Mitinhaber Peter Willisch: «Ob wir die Firma liquidieren oder sanieren, ist offen. Entscheidend ist, wie sich das wirtschaftliche Umfeld in der Schweiz entwickelt.» Seine Firma wird nicht nur von Handwerkern, sondern auch von Versicherungen und der AHV-Ausgleichskasse betrieben. Willisch entgegnet, man habe mit der Ausgleichskasse eine Zahlungsvereinbarung abgeschlossen.

Auf der Homepage rühmt sich Haus+Herd mit 8000 erstellten Objekten als Schweizer Typenhaus-Pionier. Doch die Firmengeschichte ist auch eine Pleitengeschichte. 1996 ging die Firma unter dem Namen Haus+Herd Bau Service AG in der Immobilienkrise bankrott, wurde dann aber von einer Auffanggesellschaft des Swatch-Miterfinders Ernst Thomke übernommen. 2002 stieg Thomke wieder aus.


Nachfolgefirma ist bereits aktiv

Der Markt für Typen- und Systemhäuser sei  stark eingebrochen, erklärt Haus+ Herd-Chef Willisch. Dieses Jahr wurden noch zwei Häuser erstellt, 2006 waren es fast 70. Über 20 Beschäftigte erhielten bereits die Kündigung. Willisch will in Zukunft «vermehrt individuelle Häuser bauen». Mit einer neuen Firma, der Haus+Herd AG, die bereits aktiv ist.

15. Juni 2009 | Bernhard Raos


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