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Artikel | Haus & Garten 03/2009

Günstig und ökologisch: Ein solides Holzhaus ab 550’000 Franken

Wer vom Eigenheim träumt, ist mit gut einer halben Million Franken Gebäudekosten dabei: Damit lässt sich ein solides Holzhaus bauen, das auch ökologische Ansprüche erfüllt.

Keine simple Holzbaracke, sondern ein voll ausgebautes Haus: Dieses Eigenheim mit fünf Zimmern steht im freiburgischen Ecuvillens und wurde in nur vier Monaten gebaut. Nicht nur energieeffiziente, sondern auch ökologische Aspekte wollten die Besitzer, ein junges Ehepaar, berücksichtigt haben. Die dunklen Fassaden – Weisstanne aus der Region – verbergen die vorgefertigte Holzkonstruktion, die vor Ort innerhalb eines Tages zusammengefügt wurde. Das Haus ist mit einem 22 Zentimeter breiten Mantel aus einheimischen Holzfasern isoliert. Das sichtbare Holz wurde mit natürlichem Öl behandelt, die Böden mit Linoleum ausgelegt – hier ein Gemisch aus Sägemehl und Leinöl.

Die Vorderseite präsentiert sich grosszügig als Glasfront: Die dreifach verglasten Fenster geben den Blick auf die offene Landschaft frei. Ein zentraler, mit Holz befeuerter Kachelofen beheizt das ganze Haus. Ein ausgeklügeltes Lüftungssystem sorgt für den Wärmeaustausch in allen Räumen. Aus wirtschaftlichen Überlegungen wurde auf ein Untergeschoss verzichtet; die technischen Einrichtungen sind in einem rückwärtigen Anbau untergebracht, und auf jeder Etage gibt es grosszügige Abstellräume.


Die Rechnung geht auf, trotz höherer Baukosten

Auf dem traditionellen Ziegeldach sind fünf Quadratmeter Solarpanels für die Warmwassergewinnung montiert. Das Haus verbraucht pro Jahr nur 8000 kW Energie beziehungsweise vier Ster Holz für die Heizung, was rund 800 Litern Heizöl entspricht. Zum Vergleich: Ein konventionelles Haus  benötigt 1800 bis 2000 Liter Heizöl. Die rund 10 Prozent  höheren Bau-kosten werden sich also in absehbarer Zeit amortisiert haben.

Das Haus hat 649 650 Franken gekostet. Im Preis sind – neben den Gebäudekosten – auch alle übrigen Ausgaben für Gebühren, Aushub, Werkleitungen und Umgebungsarbeiten enthalten. Für das Bauland zahlte das junge Ehepaar nichts, denn es gehört der Familie. Wer ein Einfamilienhaus bauen oder ein fertiges Haus kaufen will, klärt mit Vorteil im Voraus ab, welche Aufwendungen mit den Gebäudekosten abgedeckt sind, welche zusätzlich anfallen können und ob das Objekt mit oder ohne Land angeboten wird.


Im Trend: Bauen mit natürlichen Materialien

Das Einfamilienhaus in Ecuvillens ist von Standard und Kosten her kein Einzelfall. Der Basler Architekt Lukas Egli hat in Oberentfelden AG vier Einfamilienhäuser gebaut, die je 650’000 Franken kosten (inklusive Aushub und Werkleitungen, aber ohne Gebühren). Die Häuser mit je 180 Quadtratmetern Wohnfläche sind nicht nur nach Minergie-Standard (siehe unten), sondern auch ökologisch erstellt: «Verwendet wurden nur Schweizer Baustoffe, meist Holz aus der Region und Lehm», sagt Egli. Ökologisch fragwürdige Stoffe wie Polystyrol und Glaswolle kämen nicht in Frage.

Die heute oft ungenügende Gebäudeisolierung werde in den nächsten Jahren zum Auslaufmodell: «Künftig wird der Dämmstandard, vergleichbar mit Minergie, gesetzlich vorgeschrieben», sagt Hans Rupli, Zentralpräsident vom Branchenverband Holzbau Schweiz. «Auch der institutionelle Investor wechselt vom kurzfristigen Renditedenken zur Optimierung der Gebäudekosten über den gesamten Lebenszyklus.»


Mit Holz lässt sich günstig und nachhaltig bauen

Dem stimmt Walter Schär zu. Sein Unternehmen Schärholzbau in Altbüron LU nennt er «Massschneiderei». Die Firma arbeitet eng mit zahlreichen Architekten zusammen, die weit über dem Minergie-Standard bauen – was für Schär nicht zwingend an erster Stelle steht: Nachhaltig und ökologisch, so sein Credo. Seine Konstruktionen erreichen indes problemlos diesen Standard. Was die Kosten betreffe, baue man mit Holz «sehr günstig, sofern die eigenen Ansprüche nicht ausufern».

Mit 550’000 bis 650’000 Franken beziffert auch er die Baukosten für ein Einfamilienhaus. Und «ab der Stange» gebe es auch schlechtere und bessere Objekte. Meistens blende man jedoch den Landpreis und «Gebühren-Klimbim» aus, die finanziell saftig ausfallen.

Das Verhalten privater Bauherren hat sich laut Schär gewandelt. Früher hätten überrissene Ansprüche nur über viele Umwege – und nach zahlreichen unfreiwilligen Abstrichen – zum Ziel geführt. «Heute kommen vermehrt Leute, die ihr Budget und ihre entsprechenden Bedürfnisse kundtun. Man arbeitet bereits im Entwurf lösungsorientiert.» So hatte ein Bauherr für das neue Eigenheim nur 400’000 Franken budgetiert. Auch zu diesem Preis will Schärholzbau das Haus erstellen.


Minergie-Standard

Das Qualitäts-Label Minergie hat vier Standards: Minergie, Minergie-P, Minergie-Eco und Minergie-P-Eco. Minergie ist der Basis-Standard bezüglich Energieeffizienz; Minergie-P ist die hoch effiziente Variante; Eco muss zusätzlich ökologische und gesundheitliche Aspekte erfüllen.

Ein Minergie-Haus hat eine dichte Gebäudehülle, ein effizientes Heizsystem und eine sogenannte Komfortlüftung für den Luft- und Wärmeaustausch. Denn bei einem gut isolierten Haus muss die verbrauchte Luft ständig nach aussen geleitet und Frischluft zugeführt werden. Vorteil: Man muss zum Lüften die Fenster nicht mehr öffnen – nicht zu unterschätzen für Allergiker oder lärmgeplagte Bewohner.

Im Schnitt sind die Baukosten für Minergie-Häuser 10 bis 15 Prozent höher als für konventionelle, dem stehen jedoch weit geringere Energiekosten gegenüber: Sie verbrauchen bis zu 60 Prozent weniger Energie.

15. August 2009 | Regine Elsener


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