Artikel | K-Tipp 17/2009
Digitalradio: Klang ist kein Hit
Mässige Tonqualität, nur wenige Sender und kaum Autoradios: Das neue digitale Radio entpuppt sich als Reinfall.
Wer seinen Radio einschaltet, hört die Sender über UKW. Seit zehn Jahren versucht aber die SRG den neuen digitalen Radiostandard DAB (technische Details siehe unten) durchzusetzen. Laut Gerüchten sollen rund 70 Millionen Franken investiert worden sein. Er soll UKW ablösen, ist aber ein Flop. Die Gründe:
- Tonqualität enttäuscht: «DAB erreicht nahezu CD-Qualität,» heisst es auf der Webseite von Radio DRS. Doch davon kann keine Rede sein. So musste Ernst Werder, Produkt-manager für digitales Radio bei der SRG, vor einem Jahr zugeben: «Die Tonqualität ist nicht besser als beim normalen Radio.» Mit einer Weiterentwicklung des digitalen Radios (DAB+) soll jetzt alles besser werden. Denn die Tonqualität hängt stark von der sogenannten Datenrate (kb/s) und der Umwandlung der Musik in die digitale Form (Kodierung) ab.
Letzteres wurde optimiert. Nun soll bessere Musik aus dem Lautsprecher kommen. Experten haben für den K-Tipp die Qualität neuer DAB+-Stationen beurteilt – und das bei Sendern wie DRS 4, Radio Top two und Radio Eviva: «Reine CD-Qualität wird nach wie vor nicht erreicht», sagen sowohl der deutsche Fachmann Matthias Rose als auch Markus Ruoss vom Verband Schweizer Privatradios.
- Geringe Anzahl Sender: Gerade kleine regionale Radiostationen können sich die teure DAB-Technik gar nicht leisten. Das hat eine Umfrage des K-Tipp gezeigt. So erklärt zum Beispiel Marc Friedli, Geschäftsleiter des Berner Regionalsenders Capital FM: «DAB ist für Regionalsender denkbar ungeeignet. Das wird sich nie rechnen.» Aber auch bei den SRG-Programmen gibt es grosse Lücken: So wird das beliebte Regionaljournal nicht über DAB gesendet. Und wer im Tessin DRS 1 hören will, muss sich einen neuen DAB+-Empfänger kaufen. Ein normales DAB-Gerät funktioniert nicht.
- Nur wenige Autoradios: Es gibt erst sehr wenige Autoradios, die DAB-kompatibel sind. Und für DAB+ gar keine. Dabei wäre gerade die ständige Frequenzsuche beim normalen Autoradio ein Grund, auf digitales Radio umzusteigen. Dort muss man das nämlich nicht. Tipp: Die Radiolandschaft ist zurzeit im Umbruch. Warten Sie ab. Geht das nicht, kaufen Sie am besten ein Gerät, das sowohl UKW- als auch DAB+-fähig ist.
Das müssen Sie wissen
Die wichtigsten Begriffe rund ums neue Radio, kurz erklärt:
- UKW: Seit rund 60 Jahren kann man in der Schweiz über UKW (Ultrakurzwellen) Radio hören. Zwischen 87,5 und 108,0 Megahertz kann man rund 12 Sender empfangen – über Kabel sind es mehr.
- DAB: neuere Technik, digitale Radiosignale kabellos zu übertragen. Grosser Vorteil gegenüber UKW: Beim digitalen Radio gibt es kein Rauschen und Knacken. Aber: Alte UKW-Radios können kein DAB empfangen. Ob Sie bei sich zu Hause digitales Radio hören können, erfahren Sie im Internet unter www.broadcast.ch
- DAB+ ist vom Prinzip her das Gleiche wie DAB, soll aber eine bessere Tonqualität und mehr Radiosender ermöglichen. Problematisch: Alte DAB-Radios sind selten DAB+-kompatibel. Ab 15. Oktober senden im Grossraum Basel, Bern und Zürich elf Radiostationen auf DAB+. Darunter sind erstmals sechs Privatradios: Radio Basel DAB, Radio Eviva, Radio Energy, Radio Top two, LifeChannel und Open Broadcast Radio.
- Internetradio: Alle Radiostationen senden auch im Internet. Damit stehen über 10’000 Sender aus aller Welt zur Auswahl. Man benötigt dafür einen schnellen Internetanschluss und ein spezielles Internetradio (Praxistest im K-Tipp 02/09) oder einen Computer. Weil diese Geräte ständig eine Internetverbindung brauchen, sind sie unterwegs nicht zu gebrauchen.
10. Oktober 2009 | Christian Birmele, Redaktor K-Tipp
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