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Die Geldeintreibe-Firma Intrum Justitia versucht, mit Rabatten unberechtigte Geldforderungen einzutreiben.
Das Inkasso-Unternehmen Intrum Justitia hat sich etwas Neues einfallen lassen. Im Oktober versandte Intrum Mahnungen an angebliche Schuldner – und offerierte einen Herbstrabatt: Wer die offene Rechnung innerhalb von 15 Tagen bezahle, erhalte eine «Herbstreduktion» von 30 Prozent. Nach Ablauf der Frist würde wieder der ganze Betrag fällig.
Intrum überprüft die Rechtmässigkeit einer Forderung nicht
Unter den Empfängern der Intrum-Post war auch saldo-Leser Benno S. aus dem aargauischen Seon. Er war Kunde des Telekomanbieters Tele 2 und wollte auf ADSL umsteigen. Als dies nicht funktionierte, wechselte er zur Swisscom. Dennoch sandte ihm Tele 2 weiterhin ADSL-Rechnungen, insgesamt über Fr. 299.60. Benno S. verweigerte die Zahlungen und reagierte auch nicht auf die grundlosen Mahnungen von Tele 2. Für Benno S. ist deshalb auch die herbstliche Reduktion des geforderten Betrages kein Thema. Er schuldet weder Tele 2 noch Intrum einen Rappen.
Der Inkasso-Firma ist das egal. Denn Intrum überprüft vor dem Inkasso nicht, ob eine Forderung überhaupt berechtigt ist oder nicht (saldo 20/08). Dazu Medien-Sprecher Sacha Wigdorovits: «Wir können bei zwei Millionen Fällen im Jahr nicht jeden einzelnen auf seine Korrektheit hin überprüfen.» Intrum untersuche eine Forderung auf ihre Berechtigung erst, wenn ein Empfänger reklamiere.
Hinter Folgebriefen von angeblichen Juristen steckt auch die Intrum
Das grösste Inkasso-Unternehmen der Schweiz kauft Unternehmen die angeblichen offenen Rechnungen paketweise ab und versucht das Geld mit teilweise einschüchternden Begleitschreiben und rechtlich unzulässigen Zuschlägen einzufordern (saldo 20/08). Wer von Intrum Justitia Mahnungen bekommt, erhält nach einer gewissen Zeit auch Zahlungsaufforderungen von «Marending, Dannacher & Lombriser Rechtsberater». Auf den Briefen steht auch, ein gewisser M. Dannacher sei «Leiter Rechtsabteilung». Was optisch wie das Schreiben eines Anwaltsbüros daherkommt, ist jedoch nur ein weiteres Schreiben der Intrum Justitia. Sie versucht damit, die Schuldnerinnen und Schuldner zu beeindrucken. Die Mitarbeiter der Rechtsabteilung von Intrum sind keine Juristen, wie Intrum gegenüber dem «K-Tipp» zugeben musste.
15. November 2009 | Gertrud Rall
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