SternSternSternStern (2)Kommentare lesen  Tags  Drucken  Beitrag weiterempfehlen

Artikel | saldo 19/2009

Inkasso: Intrum Justitia gibt «Herbstrabatt»

Die Geldeintreibe-Firma Intrum Justitia versucht, mit Rabatten unberechtigte Geldforderungen einzutreiben.

Das Inkasso-Unternehmen Intrum Justitia hat sich etwas Neues einfallen lassen. Im Oktober versandte Intrum Mahnungen an angebliche Schuldner – und offerierte einen Herbstrabatt: Wer die offene Rechnung innerhalb von 15 Tagen bezahle, erhalte eine «Herbstreduktion» von 30 Prozent. Nach Ablauf der Frist würde wieder der ganze Betrag fällig.


Intrum überprüft die Rechtmässigkeit einer Forderung nicht

Unter den Empfängern der Intrum-Post war auch saldo-Leser Benno S. aus dem aargauischen Seon. Er war Kunde des Telekomanbieters Tele 2 und wollte auf ADSL umsteigen. Als dies nicht funktionierte, wechselte er zur Swisscom. Dennoch sandte ihm Tele 2 weiterhin ADSL-Rechnungen, insgesamt über Fr. 299.60. Benno S. verweigerte die Zahlungen und reagierte auch nicht auf die grundlosen Mahnungen von Tele 2. Für Benno S. ist deshalb auch die herbstliche Reduktion des geforderten Betrages kein Thema. Er schuldet weder Tele 2 noch Intrum einen Rappen.

Der Inkasso-Firma ist das egal. Denn Intrum überprüft vor dem Inkasso nicht, ob eine Forderung überhaupt berechtigt ist oder nicht (saldo 20/08). Dazu Medien-Sprecher Sacha Wigdorovits: «Wir können bei zwei Millionen Fällen im Jahr nicht jeden einzelnen auf seine Korrektheit hin überprüfen.» Intrum untersuche eine Forderung auf ihre Berechtigung erst, wenn ein Empfänger reklamiere.


Hinter Folgebriefen von angeblichen Juristen steckt auch die Intrum

Das grösste Inkasso-Unternehmen der Schweiz kauft Unternehmen die angeblichen offenen Rechnungen paketweise ab und versucht das Geld mit teilweise einschüchternden Begleitschreiben und rechtlich unzulässigen Zuschlägen einzufordern (saldo 20/08). Wer von Intrum Justitia Mahnungen bekommt, erhält nach einer gewissen Zeit auch Zahlungsaufforderungen von «Marending, Dannacher & Lombriser Rechtsberater». Auf den Briefen steht auch, ein gewisser M. Dannacher sei «Leiter Rechtsabteilung». Was optisch wie das Schreiben eines Anwaltsbüros daherkommt, ist jedoch nur ein weiteres Schreiben der Intrum Justitia. Sie versucht damit, die Schuldnerinnen und Schuldner zu beeindrucken. Die Mitarbeiter der Rechtsabteilung von Intrum sind keine Juristen, wie Intrum gegenüber dem «K-Tipp» zugeben musste.

15. November 2009 | Gertrud Rall


Beitrag als PDF
Inkasso: Intrum Justitia gibt «Herbstrabatt»
Download PDF 36 KB
SternSternSternStern Artikel bewerten Stichwort hinzufügen
Artikel weiterempfehlen Artikel drucken

Kommentare (2)

 
  • annaT | 27.01.2010, 21:26

    Firmen meiden, neue Datenbank

    Unternehmungen, die ihre offenen Debitoren der intrum justita
    verkaufen, sollten gemieden, sogar verpöhnt werden. Dazu sollte
    eine neue Datenbank aufgebaut werden, in welcher die Unternehmung und
    ihr jeweiliges Inkassobüro aufgeführt wird. Aber auf keinen
    Fall darf iRRtum justitia diese neue Datenbank aufbauen, denn ihre
    Datenqualität kennen wir ja schon ...
  • annaT | 27.01.2010, 21:19

    iRRtum justita sollte verboten werden

    Da will man alles regulieren und eingrenzen und kontrollieren und
    vorschreiben, was eigentlich im Markt gut läuft, aber diesen
    Laden sollte man schliessen, verbieten.
    Ich unterstütze als Volontär junge verschuldete Leute in
    administrativen Belangen. Und immer wieder kommt diese intrum justitia
    vor. Es gibt auch Schuldner, die unverschuldet in den Schlamassel
    geraten. Nicht alle Schuldner sind Abzocker, faule Säcke etc.
    Dass man dann alle in einen Topf wirft und mit unwahren und sogar
    illegalen Zitaten aus Gesetzesartikel unter Druck setzt und schon fast
    bedroht, finde ich unterste Schublade, eine Frechheit und sogar
    fragwürdig, dass man das ungestraft durchlässt. Da
    müsste der Rechtsstaat eingreifen und einen Riegel vorschieben.
    Bei solch einer Unternehmung mit solch einer Geschäftspolitik
    würde ich NIE arbeiten, ich würde mich schämen, nie
    mehr in den Spiegel schauen können.
    Nicht ohne Grund nenne ich die deshalb iRRtum Justitia.
Lebensmittel
Coop-Kunden sollen nicht mehr erfahren, aus welchem Land Importprodukte kommen. «Hergestellt in der EU» genüge. Was halten Sie davon?
Das Herkunftsland muss weiterhin deklariert werden.
Nur das Herkunftsland reicht nicht. Es sollte noch viel detaillierter deklariert werden.
Kein Problem. Ich achte sowieso nicht drauf.
Alle Umfragen

Alle Testsieger im Handy
Alle Testsieger im Handy
Hunderte von Tests in der Hosen­tasche: Die neue App «Testsieger» machts möglich. (beide Apps haben den gleichen Inhalt)
Verwandte Artikel
Leere Drohung von Olaf Kaltbrenner In die Inkasso-Falle getappt Unsaubere Praktiken von Inkassobüros
Testsieger
Testsieger
Die besten Produkte aus unseren Tests auf einen Blick.
Aktuelle Beratungstexte
Darf mein Chef alle Spinde öffnen? Hafte ich nach dem Auszug? Werden auch Einkäufe in die Pensionskasse geteilt? Alle Beratungs-Artikel
Aktuelle Tests
Warmluft-Stylingbürsten Fleckenmittel ­Bad­reiniger Alle Test-Artikel
Aktuelle Diskussionen
10.02.2012, 15:14 | 10 AntwortenHilcom Computer Onlinehandel--) andere Geschädigte gesucht!!! 10.02.2012, 10:48 | 2 AntwortenAutoverkauf 10.02.2012, 09:16 | 0 AntwortenWarnliste Telefonbelästigung 09.02.2012, 16:31 | 11 AntwortenSVAG Schweizer Vermögensberatung seriös?
Aktueller Ratgeber
Aktueller Ratgeber
Gesund und aktiv bleiben, das Leben im Ruhestand geniessen. (1. Auflage 2011)
Benutzer-Favoriten