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Die Lungenliga will mit Plakaten die Krankheit Schlafapnoe bekannter machen: Müde und schnarchende Menschen sollen einen Test machen. Fachleute sind skeptisch.
Die Menschen in der Lungenliga-Kampagne schlafen im Tram, Bus und Zug. Die Gesichter füllen die Plakate – und in grosser Schrift steht darunter: «Wir empfehlen: Schlafapnoe-Risikotest.» Den Test kann man auf der Internetseite der Lungenliga machen. So erfahren Interessierte, ob sie sich beim Arzt auf Schlafapnoe abklären lassen sollen. «Menschen, die tagsüber unter extremer Müdigkeit leiden oder gar einschlafen, leiden vielleicht an Schlafapnoe», schreibt die Lungenliga in einer Medienmitteilung. 20‘000 Menschen hätten den Online-Test im Januar gemacht.
Fachleute kritisieren die Werbung. Der Zürcher Hausarzt Thomas Walser: «Mit der Kampagne macht man Menschen zu Patienten, die keine sind.» Bis vor kurzem habe gegolten, dass nur 1 Prozent der Gesamtbevölkerung von Schlafapnoe betroffen sei. Jetzt spreche die Lungenliga von zwei- bis dreimal mehr Betroffenen – «die Grenze zum normalen Schnarchen ist plötzlich sehr verwischt». Auch Pharmafirmen würden oft in Massenmedien Angstszenarien schüren mit dem Ziel, dass mehr Menschen den Arzt aufsuchten und sich von ihm Medikamente verschreiben lassen.
Die Lungenliga betreut nach eigenen Angaben zurzeit 30‘000 Schlafapnoe-Patienten. In der aktuellen Kampagne spricht sie jedoch von fünfmal mehr Betroffenen – von 150‘000 Schlafapnoe-Kranken. Die Lungenliga argumentiert so: Bloss die wenigsten wüssten von ihrer Krankheit.
Die vielen potenziellen Patienten sind für Gerätehersteller interessant
Die meisten Betroffenen behandeln ihre Krankheit mit einer speziellen Gesichtsmaske, die sie sich zum Schlafen überziehen. Das Gerät – im Fachjargon CPAP genannt – verhindert das Schnarchen und die Atempausen. Die Lungenliga vermietet die Beatmungsgeräte an Patienten. Jährliche Kosten: rund 20 Millionen Franken, welche die Prämienzahler über die Grundversicherung berappen.
Zu den Profiteuren einer grossen Zahl von Patienten gehören damit die Apparatehersteller: Die Firma Life Watch beispielsweise setzt ab diesem Jahr nicht mehr bloss auf Geräte für Herzpatienten – sondern auch auf den Markt für Schlafapnoe. Die Firma will mit den etwa 38 Millionen Menschen geschäften, die in den USA unter Schlafstörungen leiden. Die Firma bietet einen 3-Tage-Schlaftest für zu Hause an. Laut einer Meldung der Zeitschrift «Finanz und Wirtschaft» beträgt das US-Marktvolumen 3 Milliarden Dollar. Das finanzielle Interesse am neuen Patientenstamm scheint gross.
Unbestritten ist: Wer Schlafapnoe hat, leidet schwer. Sie kann unbehandelt zu einem hohen Blutdruck führen. Herzkrankheiten und Hirnschlag können folgen. Ein Sekundenschlaf ist gefährlich. Er kann zu Selbstunfällen führen – und für den Patienten wie auch für Mitmenschen zu einer echten Gefahr werden.
«Mit geringem Aufwand folgenschwere Funktionsstörung beheben»
Viele Fachleute äussern sich deshalb wohlwollend zur Kampagne der Lungenliga. So findet es der Lungenarzt Werner Bauer aus Zürich wichtig, «dass auf diese oft verkannte und auch belächelte Krankheit aufmerksam gemacht wird». Mit der Methode der CPAP-Maske könne man «mit geringem Aufwand eine relativ folgenschwere Funktionsstörung beheben».
Die Lungenliga Schweiz erklärt in ihrer Stellungnahme, dass sie unter anderem den Auftrag habe, die Bevölkerung zu informieren: «Die jährliche Aufklärungskampagne soll helfen, die Menschen für dieses gesundheitliche Problem zu sensibilisieren.» Eine unbehandelte Schlafapnoe könne zudem verheerende Folgen haben. Die Kampagne habe 300‘000 Franken gekostet und erfolge teilweise aus Spendengeldern.
Tipps: Symptome und Therapieformen
Die typischen Merkmale:
Das können Sie tun: Bei leichter Schlafapnoe lassen sich Atemaussetzer wie folgt reduzieren:
31. Januar 2010 | Gabriela Braun, Redaktion Gesundheitstipp
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