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Lehrlinge müssen den Lohn gut einteilen. Das lässt viele Berufsschulen kalt: Sie verkaufen Lehrbücher zu überhöhten Preisen.
Die meisten Berufschulen übernehmen die Bestellung von Lehrbüchern. Das ist für die Lehrlinge an sich praktisch. Nur: Viele Bücher wären wesentlich günstiger zu haben, wie eine Stichprobe des K-Tipp zeigt. Dazu einige Beispiele:
Diese Preisunterschiede sorgen für Missstimmung – wie zum Beispiel bei Alain O. Probst, KV-Lehrling und Präsident der Jungfreisinnigen Amt Sursee. Er hat ausgerechnet, dass sich die Mehrkosten während einer vierjährigen Lehrzeit «gut und gerne auf 600 Franken belaufen können». Beim Kaufmännischen Verband, der die Bücher für die Schüler im ganzen Kanton Luzern einkauft, sieht man trotzdem keinen Anlass, die Praxis zu ändern. Dazu Geschäftsleiter Beat Schürmann: «Wir halten uns beim Verkauf an die Preisempfehlungen des Buchhandels.» Will heissen: Der Verband kauft die Bücher zum Buchhandelspreis ein und schlägt maximal 15 % drauf.
Als «nicht überhöht» bezeichnet Erich Mattes, Rektor der Berufschule für Detailhandel in Zürich, die geltenden Verkaufspreise. Die mit 2200 Lernenden grösste Berufsfachschule der Schweiz hat Beschaffung, Auslieferung und Rechnungsstellung seiner Schulbücher an den privaten Lehrmittelverlag DLS ausgelagert. Also gibts auch hier keine Preisreduktionen. Mattes: «Der Verlag übernimmt das Kreditrisiko.»
Gleiches gilt für die Kaufmännische Berufsfachschule Solothurn-Grenchen. Ihre Vermittlertätigkeit lässt sich die Schule mit jährlich 3000 Franken vergüten. Das Geld werde zur Finanzierung der Lehrabschlussfeiern verwendet und komme damit vollumfänglich den Lernenden zugute. Dass es auch anders geht, beweist die Berufsbildungsschule Winterthur – mit 55 vertretenen Berufen die grösste Schule im Kanton Zürich: Auch sie hat die Beschaffung der Lehrbücher ausgelagert. Doch die lokale Buchhandlung bietet den Stiften viele Bücher unter dem empfohlenen Preis an. So kosten die Bücher «Fachrechnen für Autoberufe» und «Formensammlung» zusammen Fr. 73.–. Das ist ein Drittel weniger als über den günstigsten Internet-Anbieter.
Jungpolitiker Probst fordert von den Berufsschulen, was eigentlich auf der Hand läge: den Lernenden jeweils vor Beginn des neuen Lehrjahrs eine Bücherliste auszuhändigen. «So kann jeder selber entscheiden, ob er seine Bücher günstig über einen Online-Shop beschaffen oder über die Schule bestellen will.»
06. März 2010 | Daniel Jaggi, Redaktor K-Tipp
