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Wer Bargeld mit der Kreditkarte bezieht, zahlt nicht nur hohe Gebühren, sondern kann auch böse Überraschungen erleben – so wie zwei K-Tipp-Leser auf einer Kuba-Reise.
Das Ehepaar André und Elsbeth Schmassmann aus Steffisburg BE war sich der Tatsache bewusst, dass auf Kuba nicht an jeder Ecke ein Bancomat steht. Deshalb erkundigten sie sich bei Postfinance, wie man in den Ferien am besten zu Bargeld komme. Die Empfehlung lautete: das Geld mit einer Visa-Kreditkarte an einem Bankschalter beziehen. Eigens für die Kubaferien besorgte sich André Schmassmann deshalb eine Visa-Karte. Die Kreditlimite: Fr. 5000.–.
Andere Touristen um Geld angepumpt
Anfangs ging alles gut. Doch eines Tages hiess es am Bankschalter, er bekomme kein Geld mehr. Die Limite sei erreicht. Die Schmassmanns wunderten sich, denn sie hatten bei weitem nicht Fr. 5000.– bezogen. Also riefen sie Postfinance an. Dort erfuhr André Schmassmann, dass nur 20 Prozent der Kreditlimite als Bargeld bezogen werden können, also Fr. 1000.–. Postfinance erhöhte zwar die Kreditlimite um Fr. 2000.–, doch davon konnten Schmassmanns wieder nur 20 Prozent in bar beziehen. Gegen Schluss der Ferien mussten sie sogar andere Schweizer Touristen um Bargeld angehen. «Das war ziemlich unangenehm», berichtet André Schmassmann.
«Kreditkarten sind für den bargeldlosen Zahlungsverkehr vorgesehen», erklärt Postfinance-Sprecher Alex Josty. Trotzdem könne ein bestimmter Teil der Kreditlimite als Bargeld – am Schalter oder am Automaten – bezogen werden. Bei Postfinance seien das 20 Prozent. Das stehe im Begleitbrief beim Versand der Kreditkarte. Im Brief, den André Schmassmann erhalten hat, steht davon allerdings nichts. Und auch nicht im Vertrag.
Die Bargeldbezugs-Limite der Postfinance ist kein Einzelfall. Alle Kreditkartenanbieter, die der K-Tipp angefragt hat, kennen solche Bestimmungen. Bei den meisten sind es 40 Prozent der Kreditlimite, bei der Cornèr Bank 80 Prozent. Diners legt die Limite individuell fest. Und nicht alle informieren ihre Kunden darüber.
Die Limite gibts aus Sicherheitsgründen
Doch warum gibt es überhaupt eine BargeldbezugsLimite, die niedriger ist als die Kreditlimite? Aus Sicherheitsgründen. Konkret: Ein Betrüger, der eine Kreditkarte stiehlt, will damit möglichst schnell möglichst viel Bargeld beziehen. Sein Interesse, beispielsweise im Hotel zu übernachten, dürfte kleiner sein.
Übrigens: Die niedrige Kreditlimite ist noch nicht alles. Gewisse Kreditkartenanbieter gehen noch weiter und behalten sich sogar vor, die Karte schon nach dem allerersten Bargeldbezug zu sperren – so etwa die Cornèr Bank, die GE Money Bank und die UBS. Und zwar dann, wenn sie einen Missbrauch vermuten.
Doch was können Leute tun, die in Länder reisen, in denen sie auf eine höhere Bargeldbezugs-Limite angewiesen sind? Die Antworten der Kreditkartenanbieter fallen unterschiedlich aus. Etliche bieten an, die Limite für die Dauer der Reise zu erhöhen. Einige verlangen dafür aber eine Vorauszahlung.
Tipp: Bargeldbezug mit Kreditkarte
Der K-Tipp rät grundsätzlich vom Bargeldbezug mit Kreditkarte ab – egal, ob am Schalter oder am Bancomaten. Denn dabei fallen hohe Gebühren an. Wesentlich günstiger ist der Bargeldbezug mit der Maestro-Karte oder mit der Postcard.
20. März 2010 | Marco Diener, Redaktion K-Tipp
