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Artikel | K-Tipp 08/2010

«Es ist Selbstbedienung»

Die BfU vergünstigt Velohelme mit 20 Franken. Händler, die bei der Aktion mitmachen, müssen beraten und Helme anpassen. Doch manche tun es nicht.

Die Aktion dauert bis 1. Mai: In vielen Geschäften erhalten Käufer einen Rabatt von 20 Franken beim Kauf eines Velohelms. Das ist aber kein Geschenk des Verkäufers. Er erhält diesen Betrag von der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) zurückvergütet.

Die BfU vergünstigt total 60‘000 Helme. Die 1,2 Millionen Franken werden via Motorfahrzeugversicherungen finanziert. Die Händler mussten sich aber gegenüber der BfU verpflichten, «Kunden fachkundig zu beraten und den Helm richtig auf die Kopfgrösse anzupassen». Und, falls nötig, die Angestellten zu schulen.


Verkäufer übersahen verdrehte Riemen

Doch mit dem Beraten und Anpassen hapert es manchmal, wie eine K-Tipp-Stichprobe gezeigt hat. Schlecht waren die Erfahrungen in Biel:

  • Jumbo: Auf die Bitte nach Beratung bekommt die Testperson zu hören: «Es ist Selbstbedienung.»
  • Ottos: «Wenn der Helm nicht wackelt, passt er», sagt der Verkäufer. Kein Wort davon, dass der Helmrand zwei Fingerbreiten über der Nasenwurzel liegen sollte und dass die Seitenbänder satt angezogen sein müssten. Dass die Riemen bei der Testperson lose und erst noch verdreht sind, bemerkt er nicht.
  • Coop: Der Verkäufer sagt: «Der Helm muss bequem sein, das ist das Wichtigste.» Auch hier bleiben die Riemen der Testperson lose und verdreht.


Coop-Sprecher Nicolas Schmied räumt ein, diese «Beratung» entspreche nicht dem Coop-Standard. Es müsse sich um einen Einzelfall handeln. «Mindestens ein Mitarbeiter» pro Filiale sei intern geschult worden. Auf die K-Tipp-Anfrage schreibt Ottos, die Filialen seien schriftlich instruiert worden, wie eine Beratung zu erfolgen habe. Zudem lägen Info-Broschüren auf. Und weiter: «Ein Betrieb mit unserer Sortimentsvielfalt kann nicht die gleiche Beratung anbieten wie ein Sportgeschäft.»

Jumbo-Sprecher Peter Stefani geht davon aus, dass «die Kunden sehr wohl wissen, wie man einen Velohelm alleine kaufen kann». Es sei ein «banaler Gegenstand». Wer jemals einen Helm angepasst hat, weiss jedoch: Das ist alles andere als banal. Vor allem, bis die Seitenriemen gleichmässig um die Ohren zu liegen kommen (Tipps dazu unter www.velohelm.ch).


BfU will fehlbare Läden ausschliessen

Für BfU-Kampagnenleiter Peter Matthys ist «die beschriebene Beratung offensichtlich ungenügend». Die BfU behalte sich vor, «in der zweiten Aprilhälfte Stichproben vorzunehmen. Fehlbare Verkaufstellen werden von künftigen Aktionen ausgeschlossen.»

Dass es auch anders geht, bewiesen 13 weitere Stichproben, die K-Tipp-Mitarbeiter im Raum Basel, Zürich und in Bern machten. Sie berichten überwiegend von guter bis sehr guter Beratung in Fachgeschäften. Auch beim Jumbo in Dietlikon ZH war die Beratung – anders als in Biel – gut. Ebenso im Coop Bau+Hobby. Der einzige negative Ausreisser war eine inkompetente Betreuung im SportXX-Geschäft im Glattzentrum in Wallisellen ZH.

Bei Ottos in Zwingen BL musste die Filialleiterin geholt werden, die dann die BfU-Broschüre zu Rate zog. Immerhin. Erstaunlich ist, dass auch Versandhändler wie Pro Velo (die einstige IG Velo) oder der VCS bei der Aktion mitmachen: Sie können ja weder Kunden beraten noch ihnen Helme anpassen.

Kurt Egli von Pro Velo betont, Helmkäufer würden «schriftlich über das richtige Anpassen des Helms informiert». Und Brigitte Stettler von der VCS-Boutique schreibt: «Die Helme, die wir verkaufen, sind einfach in der Handhabung. Zudem legen wir jeweils die Broschüre ‹Den Velohelm richtig anziehen› bei.»

Die BfU wird weiterhin mit Versandhändlern zusammenarbeiten. «Wir wollen Wege finden, die Beratungsqualität weiter zu steigern», verspricht Mat-thys. Fragt sich nur, wie «Beraten» und «Anpassen» im Versandhandel möglich sein sollen.

18. April 2010 | Marco Diener, Redaktion K-Tipp


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