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Artikel | K-Geld 03/2010

Biotech-Branche: Ein Minenfeld für Anleger

Investitionen in die stark wachsende Biotech-Branche erscheinen attraktiv. K-Geld zeigt, worauf Anleger im Geschäft mit den neuartigen Medizinalwirkstoffen und Therapien achten müssen.

Bei den rund 200 in der Schweiz ansässigen Biotech-Unternehmen handelt es sich mehrheitlich um sogenannte Entwicklungsboutiquen. Ihr Ziel ist es meist, lukrative medizinische Produkte zu entwickeln wie biosynthetisch hergestelltes Insulin zur Senkung des Blutzuckerspiegels oder Substanzen, die als Bausteine für neue Arzneimittel dienen sollen.

Zu den bahnbrechenden Entwicklungen der Biotechnologie neueren Datums zählt etwa die Gentherapie zur Behebung von Gendefekten. Der Weg von der Forschung zum Kassenschlager ist aber hindernisreich. Im vergangenen Jahrzehnt haben sich die Forschungsausgaben gemäss Angaben des CMR International Pharmaceutical R&D 2009 Faktenbuch glatt verdoppelt. Die Zahl zugelassener Produkte jedoch hat sich halbiert.

Das liegt zum grössten Teil an den höheren Anforderungen der nationalen Zulassungsbehörden. Entwicklungskosten und Risiken nehmen für die Unternehmen zu – und somit auch für die Anleger. Sie können sich vor allem bei kleinen Entwicklungsboutiquen die Finger verbrennen.


Arpida: Der Kurs fiel von 40 auf 1 Franken

Wer im vergangenen Jahrzehnt Schweizer Biotech-Aktien kaufte, erlebte denn auch manch jähen Absturz. Das Schweizer Unternehmen Arpida erhielt beispielsweise keine Zulassung in den USA für das Antibiotikum Iclaprim. Als Folge davon brach der Aktienkurs von 40 Franken auf unter 1 Franken ein. Mittlerweile wurde Arpida von der  Evolva in Allschwil BL übernommen. Schlechte Resultate in klinischen Studien liessen auch die Kurse von Schweizer Firmen wie Addex, Basilea, Cytos und Santhera einbrechen.


Vorsicht bei Einzeltiteln von Biotech-Firmen

Als Erfolgsgeschichte gilt hingegen die Firma Actelion mit ihrem Bluthochdruckmittel Tracleer. 1997 gegründet, ist sie heute eine im Börsenleitindex SMI vertretene Firma. Actelion hat 2009 einen Gewinn von 311 Millionen Franken erzielt – ein Plus von zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Trotz hoher Risiken und steigender Entwicklungskosten geht es der Biotech-Branche vergleichsweise gut. Laut dem Beratungsunternehmen Ernst & Young hat sich der Umsatz im vergangenen Jahrzehnt glatt vervierfacht. Er liegt nun bei weltweit rund 100 Milliarden Franken. Allein die kleine Schweiz zeichnet für 9,3 Milliarden Franken, also fast ein Zehntel, verantwortlich.

Privatanleger sollten aber keine Einzeltitel von Biotech-Firmen kaufen. Meist haben sie zu wenig Geld, um genügend zu diversifizieren. Ihnen bleibt eigentlich nur die Möglichkeit, in Beteiligungsgesellschaften wie HBM Bioventures zu investieren. Deren Leistungsausweis ist jedoch enttäuschend – die Titel fielen seit ihrem Börsengang um bis zu 75 Prozent. Immerhin konnten sie sich seit Sommer 2009 wieder gut verdoppeln.

Eine weitere Möglichkeit für Private sind Anlagefonds, wie beispielsweise BB Biotech (Valor 3 882 829) oder der Biotech-Fonds der Bank Pictet (Valor 988 562). BB-Biotech-Fondsanteile gewannen seit ihrer Lancierung 1993 262 Prozent an Wert und der Pictet-Fonds schaffte in den letzten acht Börsenjahren eine Wertsteigerung von rund einem Drittel.

Mit ein Grund für den Erfolg: Die Fonds investieren in die Grossen der Branche wie die milliardenschweren US-Unternehmen Amgen, Biogen oder Gilead. Solche Grossfirmen können im Gegensatz zu den kleinen Entwicklungsboutiquen auch mal einen Flop wegstecken.


Währungsrisiko: Kleiner als das Kursrisiko

Anleger, die direkt in Aktien solcher Grossunternehmen investieren, operieren im Dollar-Raum und gehen ein Währungsrisiko ein. Dieses ist aber geringer als die Kursrisiken oder -chancen, wie an den Überfliegern der jüngsten Vergangenheit zu sehen ist. Die Biotech-Fonds von Dexia und Sal.

Oppenheim sind seit Herbst 2009 regelrecht davongestürmt (siehe Tabelle im pdf-Artikel). Einen Grossteil ihres Portfolios haben sie in US-Biotech-Titel investiert. Der Biotech-Fonds von Dexia erzielte eine Jahresrendite in Franken von 74 Prozent. Er hält 98 Prozent seiner Beteiligungen in den USA. Leider ist diese sagenhafte Rendite aber kein Garant für zukünftige Erträge.

23. Mai 2010 | Robert Jakob


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