Artikel | Haus & Garten 02/2010
Haushalt: Gefahrenzone für Kinder
Ob Treppe, Steckdose oder Kochherd: Kleinkinder kennen keine Gefahren, wenn sie ihre Umwelt erkunden. Haus & Garten zeigt Raum für Raum auf, wo es brenzlig werden kann und wie man die Gefahrenquellen beseitigt.
Laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) verunfallen in der Schweiz jährlich über 200‘000 Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre im und ums Haus. Rund 25 Unfälle enden tödlich. «Für Kinder zwischen ein und vier Jahren ist das Verletzungsrisiko daheim besonders hoch», sagt Helene Leuenberger von der Abteilung Erziehung der BfU.
Sechs von zehn Verbrühungen betreffen Kinder. Pro Jahr ertrinken rund zehn Kinder in diesem Alter. Das kann auch in der Badewanne passieren. Dabei liessen sich die Unfallauslöser meist mit relativ wenig Aufwand aus dem Weg räumen:
Hauseingang
Kleine Kinder müssen sich zum Treppensteigen festhalten können. Falls kein Treppengeländer vorhanden ist, können Sie auf der für Kinder geeigneten Höhe einen Handlauf montieren. Mit Antirutschstreifen auf den Stufen verhindern Sie, dass die Kleinen ausrutschen. Denn Stürze machen einen Grossteil der Verletzungen aus, wie Leuenberger sagt. Falls es im Treppenhaus Stellen gibt, die gefährlich sind, sollten Sie ein Geländer anbringen.
Garderobe
Hohe Möbel wie beispielsweise Schuh- und Garderobenschränke können umkippen, wenn sich ein Kind daran hochzieht. Befestigen Sie deshalb solche Möbel an der Wand. Auch Schirmständer lassen sich gegen das Umkippen sichern – zum Beispiel mit schweren Steinen.
Flur
Sorgen Sie für eine gute Beleuchtung. Im Halbdunkeln sind Hindernisse wie herumliegende Spielsachen schlecht zu erkennen. Fussmatten und Teppiche können beim Herumrennen zu einer Gefahrenquelle werden. Eine rutschfeste Matte unter dem Teppich macht ihn sicher. Kinder (Erwachsene ebenso) können auch über hochstehende Ecken an Teppichen, Fransen oder hohe Wellen stolpern.
Wohnzimmer
- Strom: Kleine Kinder erkunden Steckdosen gerne mit Stricknadeln oder Kugelschreibern. Dabei kann es zu einem tödlichen Stromschlag kommen. Kindersichere Steckdosen sind gegen einpoliges Stecken gesichert, es passiert also nichts, wenn ein Kind mit einer Nadel in einem Loch stochert.
Noch besser: Verschliessen Sie offene Steckdosen mit einer Sicherung (Verschlusskappe aus Kunststoff). Benutzen Sie zudem Steckdosenleisten mit einer Kindersicherung. Kabel sollten so verlegt werden, dass Kinder nicht daran ziehen oder sie in den Mund nehmen können.
- Tische: Sie liegen oft auf Kopfhöhe der Kinder. Ein Eck- und Kantenschutz aus Gummi federt Schläge ab und reduziert das Verletzungsrisiko. Ein Tischtuch kann heruntergezogen werden – und damit alles, was auf dem gedeckten Tisch steht. Verzichten Sie deshalb lieber auf Tischtücher, solange die Kinder klein sind.
- Schubladen- und Schranksperren: Wer Gegenstände wie CDs und Bücher vor Kindern in Sicherheit bringen möchte, kann an Schubladen- und Schranktüren eine Sperre anbringen. Diese Schranksperren sind mit einem Mechanismus versehen, den auch findige Kinder nicht durchschauen.
Für jene, die sich an den nicht besonders ästhetischen Kunststoffsperren stören, gibt es solche, die von aussen unsichtbar sind. Sie werden mit einem Magnetschlüssel geöffnet, der vor die Schublade gehalten wird.
- Treppen: Sie sollten mit Schutzgittern gesichert werden. Diese verhindern, dass das Kind alleine auf die Stufen gelangen und dabei stürzen kann.
- Fenster: Offene Fenster bergen zweierlei Gefahr: Kleinkinder können Stühle davorstellen und hinausklettern. Zudem klemmen sich die Kleinen auch gerne die Finger ein. Eine Fenstersicherung sorgt dafür, dass sich das Fenster nur einen Spalt öffnen lässt. Ein Fenster- oder Türstopper, der zwischen Fenster und -Rahmen geklemmt wird, verhindert zudem das Zuschlagen. Die Sicherungen eignen sich auch für Balkontüren.
- Pflanzen: Blumentöpfe sind für Kinder besonders interessant. Mit Schutzgittern, die man in den Topf steckt, kann den kleinen Gärtnern Einhalt geboten werden. Auch ein Strumpf, den man über den Topf zieht, schützt die Pflanze vor Kinderhänden. Giftige Pflanzen sollten aus der Wohnung entfernt werden. Eine Liste giftiger Zimmer- und Gartenpflanzen finden Sie unter www.toxi.ch.
- Cheminée: Es muss unbedingt mit einem Kaminschutzgitter gesichert werden: Kinder können sich sonst an glühenden Holzscheiten oder am heissen Glas verbrennen.
Küche
- Putzmittel: Sie gehören immer in eine für Kinder unerreichbare Höhe oder in einen gesicherten Schrank. Dasselbe gilt für Öl-, Essig- und Alkoholflaschen. Schliessen Sie die Spülmaschinentüre jedes Mal. Kinder räumen alles Erreichbare gerne aus oder klemmen sich die Finger ein. Und wer nicht möchte, dass sich die Kleinen selbst bedienen, montiert einen Kühlschrankriegel.
- Kochherd: Verbrühungen gehören gerade bei Kleinkindern zu den häufigsten Unfällen. Sie passieren, wenn Kinder Pfannen herunterziehen oder heisse Teekrüge umstossen. Beim Kochen sollte man deshalb darauf achten, dass keine Pfannenstiele über den Herd hinausragen. Ein mechanischer Herdschutz verhindert, dass das Kind die Herdplatten anfassen kann. Und vor heissen Backofentüren lässt sich ein Antihitzeschutz montieren. Es empfiehlt sich, eine Feuerschutzdecke griffbereit zu haben.
Badezimmer
- Wasserhahnen: Hantieren Kinder unbeaufsichtigt mit dem Wasserhahn, kann das zu Verbrühungen führen. Deshalb sollte die Heisswassertemperatur auf 55 Grad begrenzt werden.
- Rutschgefahr: Eine Matte schützt vor dem Ausrutschen in der Badewanne. Damit auf dem nassen Badezimmerboden nichts passiert, lassen sich Antirutschstreifen anbringen.
- Medikamente: Medikamente und Kosmetikartikel nie auf Kinderhöhe aufbewahren.
- Föhn: Ein an der Wand fixiertes Modell verhindert, dass das elektrische Gerät in die Finger von Kleinkindern gerät.
Schlaf- und Kinderzimmer
- Bettdeckenhalter: Damit können sich Säuglinge die Bettdecke nicht selbst übers Gesicht ziehen und ersticken. Mit dem Bettdeckenhalter lässt sich die Decke so am Gitterbett befestigen, dass sie nicht über den Kopf rutschen kann. Für grössere Betten eignet sich ein Fallschutz an der offenen Seite des Bettes. Er verhindert ein Herausfallen des Kindes.
- Etagenbetten: Sie eignen sich aus Sicherheitsgründen erst für Kinder ab 6 Jahren. Dabei muss die offene Seite mit einem hohen Fallschutz gesichert und die Leiter fest verankert sein.
- Möbel: Die Möbel sollten im Kinderzimmer besonders stabil und kippsicher sein und durch einen Eckschutz abgerundet werden. Wenn Sie Ihr Kind wickeln, sollten Sie es immer mit einer Hand festhalten.
- Spielsachen: Achten Sie bei Spielsachen besonders auf die Altersangaben, denn Kleinteile können verschluckt werden.
Balkon/Garten
- Sicherheitsnetz: Es verhindert, dass das Kind über den Balkon klettern und in die Tiefe stürzen kann. Gleichzeitig hindert es Kinder daran, Spielsachen und andere Gegenstände hinunterzuwerfen.
- Teiche: Besonders viel Aufmerksamkeit braucht es in der Nähe von Biotopen: Wasser zieht Kinder magisch an. Fällt ein kleines Kind ins Wasser, ist es noch nicht in der Lage, den Kopf über dem Wasser zu halten. Biotope sollten deshalb immer mit einem Gitter wenige Zentimeter unter der Wasseroberfläche gesichert werden – oder dann mit einem für die Kinder unüberwindbaren Zaun.
Bei diesen Empfehlungen sollten Eltern aber eines nicht vergessen: Kleine Unfälle und blaue Flecken sind für Kinder wichtig – sie helfen ihnen, die Gefahren zu erkennen. Deshalb sollten Sie Ihre Wohnung aller Vorsicht zum Trotz nicht in einen Hochsicherheitstrakt verwandeln.
Infos und Tipps
- Die erwähnten Sicherheitsprodukte sind in der Wohnabteilung der meisten Grossverteiler, im Baby- und Elektrofachhandel erhältlich.
- Auf der Website der Beratungsstelle für Unfallverhütung BfU finden Sie weitere Infos und eine Checkliste zum Thema «kindersicher wohnen».
- Informationen zu Giftstoffen: Schweizerisches Tox-Zentrum: info@toxi.ch, Tel. 044 251 66 66, 24-Stunden-Notfallnummer: 145.
- Tipps, Broschüren, ein Forum und viele weitere Infos rund um die Sicherheit gibts unter www.kindersicherheit.de.
24. Mai 2010 | Isabelle Meier, Redaktion K-Tipp
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