Betrug statt Finanzsanierung

K-Tipp 09/2012 vom

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Der Fall der Helvetica Finanz AG zeigt: Auf dem Gebiet der Schuldensanierung versuchen private Firmen immer wieder, die Notlage von Betroffenen auszunützen.

Das Schreiben datiert vom September 2006. Damals meldete sich die Arbeiterkammer Vorarlberg im österreichischen Feldkirch beim K-Tipp. Sie informierte die Redaktion über das Werbeschreiben einer Helvetica Finanz AG in St. Gallen, das bei österreichischen Konsumentinnen und Konsumenten ­gelandet war.

Darin machte die Helvetica Finanz eine «Sofort-Zusage Schweizer Finanzsanierung über 10 000 Euro». Das Angebot erweckte den Eindruck, für den Empfänger liege eine «Regulierungssumme» zur sofortigen freien Verfügung oder zur Tilgung seiner Schulden bereit. Die Genehmigung durch eine «private Finanzsanierungsgesellschaft» liege bereits vor.

Das sei «äusserst dubios», schrieb die Arbeiterkammer damals. Es gehe bestimmt nur darum, von den Konsumenten eine Bearbeitungsgebühr zu kassieren.

Nun – sechs Jahre später  – ist es amtlich: Die Arbeiterkammer lag völlig richtig. Denn inzwischen wurde der Geschäftsführer der Helvetica Finanz AG wegen mehrfachen Betrugs rechtskräftig verurteilt und mit einem dreijährigen Berufsverbot belegt. Er hatte sich zwar bis vor Bun­desgericht gewehrt, ist dort aber im Februar 2012 ­endgültig abgeblitzt (Bundesgerichtsurteil 6B_609/ 2011).

Im Urteil des Bundes­gerichts ist der Name der Firma zwar nicht genannt. Der St. Galler Erste Staatsanwalt Thomas Hansjakob bestätigt jedoch, dass es sich um die Helvetica Finanz handelt.


«Weitgehend wertlose Leistungen»

Auch das Bundesgericht kommt zum Schluss: Der Geschäftsführer hat den Empfängern vorgegaukelt, nach Vorauszahlung einer Vermittlungsgebühr würden sie ein Darlehen zur Umschuldung erhalten. In Wahrheit wollte die Helvetica Finanz AG jedoch ­lediglich Ratenzahlungen entgegennehmen und diese an die Gläubiger weiterleiten. Und allenfalls mit den Gläubigern über eine Schuldenreduktion verhandeln.

Das Bundesgericht spricht wegen der irre­führenden Formulierungen von «bewusster Täuschung», zumal die effektiv gebotene Leistung (Weiterleiten der Raten) «weitgehend wertlos» gewesen sei. Deshalb hätten die Kunden, die eine Vorausgebühr zahlten, einen Schaden erlitten. Und der Geschäftsführer habe sich bereichern wollen.

Das Beispiel zeigt: Auf dem Gebiet der Schuldensanierung sind oft Schlawiner tätig, die nur den eigenen Profit im Sinn haben. Schlagzeilen wie etwa «Abkassiert statt Schulden getilgt» sind keine Seltenheit. Leute mit Schulden sollten also genau prüfen, mit wem sie sich einlassen.


Schulden: Wenden Sie sich an eine kantonale Beratungsstelle

  • Meiden Sie Schuldensanierer, die in Zeitungen inserieren oder Werbepost in die Haushalte schicken.
  • Leute mit Geldnöten sollten auch bei Angeboten im Internet äusserst vorsichtig sein.
  • Machen Sie nie eine Vorauszahlung, wenn Sie ein Angebot zur Schuldensanierung oder für die Vermittlung eines Kredits erhalten.
  • Rufen Sie nie Kreditvermittler an, die nur über eine teure 0900er-Nummer zu erreichen sind.
  • Wenden Sie sich mit Schuldenproblemen an eine der kantonalen Schuldenberatungsstellen. Die Liste finden Sie auf der K-Tipp-Homepage (www.ktipp.ch).
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