Ein Agent auf Abwegen

K-Tipp 07/2013 vom

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Ein Aussendienst-Mitarbeiter der Generali riet Kunden, Geld auf sein Privatkonto zu überweisen. Die Beträge nutzte er, um private Schulden zu tilgen. Die Generali will dafür nicht geradestehen.

Das Geständnis liegt dem K-Tipp schwarz auf weiss vor – unterschrieben vom Täter, Robert K. «Ich bot dem Kunden an, eine Einlage über mich zu tätigen. Ich habe ihn angelogen. Ich benutzte das Geld, um meine privaten Schulden zu tilgen.»

So kam es, dass ein ­Generali-Kunde aus dem Raum Zürich 70 000 Franken verlor. Der Kunde hatte dem Agenten das Geld zur Verfügung gestellt, weil seine Generali-Lebensversicherungspolice ausbezahlt worden war. Als es darum ging, dieses Geld wieder anzulegen, machte der Agent einen fatalen Vorschlag: Als Generali-Mitarbeiter könne er selber ein Prämiendepot eröffnen, das attraktiv verzinst werde, nämlich mit 3 Prozent. Dazu müsse der ­Kunde das Geld einfach auf das private Konto des Agenten einzahlen, dann laufe die Sache.


Kontoauszug auf Generali-Papier

Der Kunde vertraute dem Agenten und nahm den Vorschlag an. Zunächst schien alles in Ordnung zu sein. Der Kunde erhielt eine Kopie des Prämien­depot-Vertrages auf Generali-Papier, in dem er als Begünstigter aufgeführt war. Später kamen auch ein Kontoauszug sowie eine Steuerbescheinigung – alles auf Generali-Papier.

Inzwischen ist klar: Agent Robert K. hat die Papiere gefälscht, das Geld seines Kunden landete nie bei der Generali, sondern wurde vom Agenten zweckentfremdet. So erleichterte der Mann mehrere Generali-Kunden um insgesamt rund 300 000 Franken.


Versicherung lehnt Verantwortung ab

Wird die Generali für das Fehlverhalten ihres Angestellten – der inzwischen verstorben ist – gerade­stehen? Nein, sagt die Versicherung. Der Agent habe eigenmächtig und arglistig gehandelt. Er habe die ­Versicherung und ihre internen Kontrollen bewusst mit «krimineller Energie» umgangen. Die Generali gibt den Ball sogar noch zurück. Sie unterstellt dem Kunden, er habe einem «utopisch wirkenden Renditeversprechen ungeprüft Glauben geschenkt».

Der Fall zeigt einmal mehr: Wenn Versicherungsagenten nebenbei für attraktive Geldanlagen werben, ist höchste Vorsicht geboten. Blindes ­Vertrauen kann zu Ver­lusten führen (siehe Kasten). Das zeigte sich üb­rigens auch, als der gleiche Generali-Agent in den ­Jahren 2003 und 2004 auf pri­vater Basis Anlagen vermittelte, die für das ­berüchtigte mutmassliche Schneeball-System des ­Finanzjongleurs Dieter Behring bestimmt waren. Auch in diesem Fall hatte der Agent Gelder nicht weitergeleitet, sondern ­selber verbraucht. Der K-Tipp weiss von ­einem Mann, der so 80 000 Franken verlor.


Geldanlage beim Versicherungsvertreter? Aufpassen!

  • Betrachten Sie Versicherungsagenten als Gesprächspartner, nicht als Vertrauenspersonen.
  • Seien Sie vorsichtig, wenn der Agent ein Vorgehen vorschlägt, das ausserhalb des Üblichen liegt. Informieren Sie die Versicherung.
  • Zahlen Sie Prämien im Zusammenhang mit Versicherungsgeschäften nie auf irgendwelche Privatkonten ein, sondern nur auf Konten, die auf den Namen der Versicherungsgesellschaft lauten.
  • Es kommt immer wieder vor, dass Versicherungsagenten nebenbei noch Geldgeschäfte vermitteln. Da heisst es ­aufpassen!
  • Genauso gefährlich kann es sein, wenn ehemalige Mitarbeiter einer Versicherung nach Jahren plötzlich wieder auftauchen und sich nun als Geldberater ausgeben (siehe K-Tipp 15/2011). Diese Ex-Mitarbeiter wissen, wer von einer Lebensversicherung wann wie viel Geld erhält, und nutzen das aus.
  • Ab und zu raten Agenten ihren Kunden, be­stehende Policen oder andere Anlagen mit einer festen Laufzeit frühzeitig aufzulösen, um so an Geld für ein anderwei­tiges Investment zu kommen. Darauf sollten Sie nie eingehen, denn vorzeitige Rückzüge sind für Sie als Kunden immer Verlustgeschäfte.
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