Kostenlose Haus-Schätzung: Drei Portale im Vergleich

K-Geld 02/2018 vom | aktualisiert am

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Verschiedene Internet-Rechner schätzen den Marktwert einer Immobilie gratis. Eine Stichprobe von K-Geld zeigt: Benutzt man mindestens drei, erhält man einen guten Anhaltspunkt zum Wert des Hauses.

Kostenlose Haus-Schätzung (Foto: istock)

Kostenlose Haus-Schätzung (Foto: istock)

Wer wissen will, was eine ­Immobilie ungefähr wert ist, hat mehrere Möglichkeiten: 

Man beauftragt einen Schätz­experten – das kostet 1000 bis 2000 Franken. 

Im Internet kann man für 300 bis 500 Franken eine sogenannte hedo­nische Bewertung ­machen lassen. Dieser Vergleichswert basiert auf denjenigen Preisen, die für tatsächlich gehandelte vergleichbare ­Objekte in der Nachbarschaft bezahlt wurden.

Oder man gibt im Internet mit wenigen Klicks einige Infor­mationen in einen Gratis-Rechner ein und hofft auf erhellende Hinweise. Bei diesen Bewertungen ­handelt es sich um eine abge­speckte Form der hedonischen ­Bewertung.

K-Geld machte die Probe mit zehn Objekten: je fünf Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser (Auswahl siehe Tabelle). Es han­delte sich um Immobilien, die im Internet auf Homegate.ch zum Verkauf ausgeschrieben waren. Alle Rechner verlangen die genaue Adresse der Liegenschaft (Lage), die Angabe, ob Haus oder Wohnung, und die ­Grösse der Wohnfläche

Bestimate

Der Rechner von Brixel (www. ­brixel.io) gibt sich mit diesen drei ­Informationen bereits zufrieden. Entsprechend rudi­mentär fällt das Resultat aus. Die Schwankungs­breite der Preise liegt gemäss der K-Geld-Erhebung bei plus/minus 20 Prozent gegenüber dem Mittelwert. Ein Objekt mit ­einem Mittelpreis von einer Million Franken kann also von 800 000 bis zu 1 200 000 Franken wert sein.

Pricehubble

Auf Pricehubble.com sind zusätzlich die Angaben zum Baujahr, zur Anzahl Zimmer und Nasszellen sowie die Grundstücksfläche gefragt. Zudem müssen weitere ­Details eingetragen werden, zum Beispiel freistehend oder angebaut, Renovationsstand, Minergie, Lift oder Balkon/Terrasse. Der Schätzbereich liegt gemäss den Resultaten bei plus/minus 7 bis 15 Prozent ­gegenüber dem Mittelwert. Das Schätzmodell stützt sich nicht nur auf getätigte Transaktionen (Käufe und Verkäufe), sondern auch auf Umweltfaktoren, Infrastruktur- und Stadtentwicklungsdaten.

Comparis

Am meisten Eingaben verlangt der Rechner des Vergleichsdienstes Comparis.ch (] Immobilien ] Bewerten und verkaufen). Der Rechner basiert auf Pricehubble, fragt aber zusätzlich nach Garagen- oder Aussenparkplätzen, Swimmingpool und Sauna. Der Streubereich der Schät­­zungen liegt gegenüber dem Mittelwert wie bei Pricehubble bei plus/minus 7 bis 15 Prozent.

Kein Ersatz für Schätzung durch Fachmann

Die Schätzungen von Comparis und Pricehubble weichen wegen der unterschiedlichen Eingabe­felder leicht voneinander ab. Bestimate von Brixel ergibt dagegen häufig ­einen markant anderen und meist tieferen Wert.

Comparis und Pricehubble liegen mit ihrer Schätzung auffällig häufig in der Nähe des inserierten Verkaufspreises. Das heisst aber nicht zwingend, dass diese Schätzungen realitätsnaher sind als jene von Brixel. Denn Wohnungs- und Hauseigentümer neigen dazu, bei Ausschreibungen den Wert ihrer Immobilie zu hoch anzusetzen. 

Fazit: Die Gratis-Rechner er­setzen eine Expertenschätzung und eine vollwertige hedonische Schätzung nicht. Wer die Gratis-Rechner von Comparis, Pricehubble und Brixel benutzt und dazu allenfalls noch eine Mobile-App zu Rate zieht (siehe Kasten), erhält eine gute ­Annäherung an den Marktpreis.

Was die Liegenschaft tatsächlich wert ist, weiss man allerdings erst, wenn sie verkauft ist. Doch den ­erzielten Preis ­erfahren Aussen­stehende kaum je. Auch bei den hier vorgestellten sechs K-Geld-­Beispielen wollte ­keiner der Ver­käufer verraten, ob das betreffende Objekt zum aus­geschriebenen Preis verkauft werden konnte.

Smartphone: Schätzung per Gratis-App

Die Gratis-Rechner von Bestimate, Pricehubble und Comparis ver­dienen Geld mit kostenpflichtigen Zusatzleistungen rund um den ­Immobilienverkauf. Deshalb muss man sich bei allen dreien ­regis­trieren und den Grund für die ­Abfrage eingeben. Wer dort vermerkt, dass er den Verkauf seiner Liegenschaft plant, muss mit dem Anruf von Maklern rechnen.

Bestimate arbeitet mit dem ­Infor­- mations- und Ausbildungszentrum für Immobilien (Iazi) ­zusammen, Comparis mit dem Unternehmen «Qualitätsnetzwerk Schweizer ­Immobilienmakler» (QSIM). Die Comparis-Schätzungen basieren auf den Daten von Pricehubble. Der Pricehubble-Rechner ist auch beim Hypothekenvermittler Moneypark zu finden.

Nicht in die Stichprobe von K-Geld aufgenommen wurden die Gratis- Rechner von Swisslife, Bank Clerc («Quanto») und der Basler ­Kantonalbank («Home-Scan»). Der Swisslife-Rechner berücksichtigt nebst Wohn- und Grundstücks­fläche auch Alter und Zustand der Immobilie. Die Adresse ist kein Muss, aber der aktuelle Quadratmeterpreis des Grundstücks. ­Diese ­Information fehlt jedoch häufig. Das Tool ergibt auffällig tiefe ­Bewertungen. Als Schätzergebnis erhält man lediglich einen «ungefähren Realwert» (Swisslife).

Quanto und Home-Scan sind zwei identische Apps für das Handy. Damit muss man die Immobilie vor Ort fotografieren. Per GPS ­errechnet die App daraus die Lage der Liegenschaft. Anschliessend muss man Zimmerzahl, Nettowohnfläche und Baujahr eingeben. Die Schätzung erfolgt im Hintergrund durch einen Abgleich mit der Iazi-Datenbank.

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