Bäumige Renditeversprechen

K-Geld 05/2013 vom

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Die Sharewood AG in Zürich wirbt mit Traumrenditen für Teakholz. Der Geschäftsführer war früher Direktor des Edelholzunternehmens Prime Forestry Switzerland AG. Es ging Pleite.

Sharewood beeindruckt Besucher mit einem mondänen Firmensitz an exklusiver Lage direkt am Zürichsee. Imponierend sind auch die Renditeversprechen von 12 Prozent und mehr pro Jahr für Investitionen in Edelholz. K-Geld-Leser C. F. aus Luzern stiess im Internet auf die Sharewood-Inserate: «12 Prozent – legal in der Schweiz Geld anlegen – 100 Prozent steuerfrei, rentabel & sicher.»

Um solch hohe Renditen zu erzielen, bewirtschaftet das Unternehmen gemäss eigenen Angaben «nachhaltige Edelholzplantagen» und vermittelt den Kauf von Regenwald mit Grundbucheintrag in Brasilien. Durch einen Kaufvertrag wird man zum Eigentümer einer bestimmten Anzahl von Bäumen oder auch der Plantage selbst. Share­wood verkauft den Investoren «persönliche» und nummerierte Bäume. Mit dem Kauf pachtet der Käufer gemäss dem «Rahmenvertrag Holzinvestment» gleichzeitig den entsprechenden Boden, solange die gekauften Bäume darauf stehen. Das produzierte Holz wird nach der vertraglich vereinbarten Laufzeit geerntet und zugunsten der Anleger auf dem Weltmarkt verkauft. Vom Bruttoerlös behält Sharewood eine «Servicegebühr» von 10 Prozent. Sharewood wirbt damit, dass es bei dieser Investition «kein Fremdwährungsrisiko» gebe.

Für Leser C. F. sind diese Werbeversprechen «vollkommene Irreführung». Ob die Bäume nach Ende der bis zu zwanzig Jahre langen Wachstumsdauer tatsächlich in Schweizer Franken verkauft werden können, ist fraglich. Hinzu kommt: Während die Bäume jahrzehntelang in den Himmel wachsen, kann viel passieren – sowohl bei den Edelhölzern (wie Dürren oder Schädlingsbefall) als auch im politisch aufgeheizten Brasilien selbst. Wer weiss zudem schon, wo der Verkaufspreis von Edelhölzern in zwanzig Jahren steht?

Ähnliche Investments sorgten regelmässig für Negativschlagzeilen

Fakt ist: Vergleichbare Tropenholzinvestments sorgten immer wieder für negative Schlagzeilen und waren für Anleger Millionengräber. Im Mai 2006 hat beispielsweise die Eidgenössische Bankenkommission über das Unternehmen Prime Forestry Switzerland AG den Konkurs eröffnet und die Liquidation angeordnet. Die Gesellschaft investierte wie Sharewood in die Produktion von Teakholz. Geworben wurde mit Jahresrenditen von bis zu 14 Prozent. Vom Konkurs waren rund 3000 Anleger betroffen. 

Pikant: Peter Möckli, Sharewood-Geschäftsführer mit Einzelunterschrift, war früher bei Prime Forestry als Direktor tätig. Diverse per E-Mail zugestellte Fragen von K-Geld hat Peter Möckli beantwortet, eine Veröffentlichung aber untersagt: «Der guten Ordnung halber erlauben wir Ihnen nicht, diese E-Mail oder Auszüge davon Dritten oder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.» 

Eine ähnliche Leidensgeschichte für Anleger ist das Schweizer ­Unternehmen Precious Woods. Die ebenfalls in der Bewirtschaftung von Tropenwäldern tätige Firma zog sich letzten August von der Schweizer Börse zurück. Im Oktober 2007 erreichte die Precious-Woods-Aktie an der Schweizer ­Börse mit einem Kurswert von 151 Franken einen Höhepunkt. Mitte Oktober 2013 kostete der dekotierte Titel bei der Zürcher Kantonalbank noch rund 3 Franken.

Sharewood hat eine gleichnamige Stiftung in Liechtenstein gegründet. Baumeigentümern soll die Stiftung «maximale Sicherheit» bieten – mit einem Stiftungskapital von 30 000 Franken. Als «Letztbegünstigter» am Stiftungsvermögen fungiert der WWF. Fredy Lüthin vom WWF Schweiz beteuert: «Das war uns nicht bekannt.» 

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